Kino-Kritik: Hugo Cabret 3D

Shutter Island, Departed, Gangs of New York, Casino, Goodfellas – Die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Die Rede ist natürlich von den Meisterwerken eines Martin Scorsese. Und es gäbe wahrlich noch mehr. Kaum ein anderer Regisseur bewegt sich in seinen Filmen auf solch einem hohen Niveau. Da verwundert es wirklich, dass er bisher “nur” eine Goldstatuette der Oscars mit nach Hause nehmen durfte (Regie für Departed). Aber über die Academy braucht man sich manchmal echt nicht wundern.
Dieses Jahr hat er wieder die Gelegenheit, den begehrtesten, amerikanischen Filmpreis knapp zu verpassen. Und das in einem filmischen Genre, in dem er sich vorher nie bewegt hat: dem Kinderfilm.

Kino-Kritik: Hugo Cabret 3DHugo Cabret (Asa Butterfield) ist ein außergewöhnlicher Junge. Er lebt auf dem Hauptbahnhof von Paris. Da sein Vater verstorben und sein Onkel verschwunden ist, übernimmt er die Aufgabe als Uhrwart, denn solange jedes Uhrwerk im Bahnhof läuft, wird er nicht entdeckt.
Das Letzte, was ihm von seinem Vater übrig blieb, war ein mechanischer Mann, den er sorgfältig zu reparieren versucht. Doch leider fehlt ihm noch ein Schlüssel.

Hugo Cabret 3D ist ein wundervoller Kinderfilm, das will ich vorwegnehmen. Eine nette Geschichte wird hier erzählt von einem einsamen Jungen, der keine Familie hat, aber seinen Platz in der Welt gefunden zu haben scheint. Doch das Leben ist eine Achterbahnfahrt, es geht auf und ab und schlägt wilde Loopings. Auch das Leben dieses Jungen wird durch eine einzige Begegnung vollkommen durcheinander gewirbelt und der Zuschauer wird mitgenommen auf eine fantasievolle Reise in die Kinderstube des Kinofilms.

Doch eines wird scheinbar im Oscarwahn (11 Nominierungen!) bei diesem Film komplett vergessen: es letztlich ein Kinderfilm. Und der große Saal, in dem ich mich befand war voll – aber kaum ein Kind weit und breit. Ich hoffe wirklich, dass die Zielgruppe des Films über die berechtigte Nominierung nicht vergessen wird. Denn ein wahres Freudenfest ist Hugo Cabret 3D trotz allem vor allem für die Kleinsten unter uns.

Kino-Kritik: Hugo Cabret 3DNatürlich wird auch der Rest Spaß an dem Film haben. Und wer Martin Scorsese kennt – der macht keine halben Sachen, wenn es um Filme geht. Hugo Cabret 3D bietet den Erwachsenen neben den tollen Bildern auch eine sensible Geschichte um den großen Filmemacher George Melies, gespielt von Ben Kingsley. Da hüpft das Herz des Cineasten, wenn er die legendäre Zugszene der Gebrüder Lumière auf der großen Leinwand bewundern darf. Und auch die legendäre Fassadenszene eines Harold Lloyd aus Safety Last bekommt einen fantastischen Zeitpunkt innerhalb dieses Kinderfilms voller Hommagen.

Kino-Kritik: Hugo Cabret 3DDie Oscarverleihung wird im Endeffekt höchstwahrscheinlich auf zwei Filme hinauslaufen: The Artist und Hugo Cabret 3D. Nicht, weil sie unvergessliche Meisterwerke sind (selbst The King’s Speech, letztjähriger Gewinner, war kein Meisterwerk und trotzdem im Gesamtpaket besser als diese beiden), sondern weil sie beide dem Kinofilm ihre Ehrerbietung brachten. Vor allem Hugo Cabret 3D weiß, wie man diesem Medium auf schöne Weise ein Denkmal setzt. Es wird schwer für die anderen Nominierten, auch nur ein wenig Land zu sehen. Und vielleicht wird es auch etwas mit dem zweiten Regieoscar für Martin Scorsese. Verdient hätte er ihn – die Jahre betrachtet – allemal.