Kathis Geschichte

Heute hat mich mal wieder ein Gastbeitrag erreicht, den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Ich freue mich wahnsinnig, dass mich immer mehr dieser Beiträge erreichen, denn beweisen das, was ich immer wieder betone: Du stehst mit Deinen Panikattacken, Deine Hypochondrie, generalisierter Angststörung, Burnout-Syndrom oder welcher psychischen Erkrankung auch immer, nicht allein da! Und jetzt viel Spaß beim Lesen von Kathis Beitrag.

Hi zusammen,

Ich möchte Euch meine Geschichte erzählen, da ich erstens der Meinung bin, dass es gut tut, mit anderen Leuten über diese Krankheit (Panikattacken) zu reden, ebenso bin ich der Meinung, dass es vielleicht einige lesen werden, die sich in meiner Geschichte wiedererkennen und somit wissen, dass sie mit dieser Krankheit nicht allein sind.

Bei mir fing es wohl schon im kleinsten Kinderalter an. Ich war noch nicht mal im Kindergarten. Meine Mutter durfte noch nicht mal alleine auf Toilette gehen, ohne das ich weinent hinterher gerannt bin. Noch nicht mal die Mülltonne durfte sie allein vor die Haustür stellen. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich krank im Bett lag und meine Mutter musste unbedingt ein paar Kleinigkeiten Einkaufen. Der Einkaufsladen war etwa 200m entfernt, trotzdem bin ich 1000 Tode gestorben.

Das ist das letzte, an was ich mich in dieser Zeitspanne erinnern kann. Es wäre vielleicht noch zu erwähnen, dass mein Vater an der selben Krankheit leidet, was ihm schon damals aufgefallen ist, er selber aber nicht wusste, was es ist.

Ich hatte dann etwa 7 Jahre lang keinerlei Symptome. So mit 12 Jahren begann alles wieder. Aus heiterem Himmel wurde mir Schwindelig, Übel und ich bekam Schweißausbrüche. Das Ganze dauerte etwa 1 Stunde, danach war ich wie erschlagen und musste erstmal ein paar Stunden schlafen. Das alles zog sich ein paar Jahre hin, Arztbesuche über Arztbesuche und nichts wurde gefunden.

Meine Panikattacken wurden aber immer schlimmer. Zum Schluss hatte ich folgende Symptome und die Panikattacken dauerten bis zu 8 Std. : ich musste mich übergeben, wahnsinnige Übelkeit, Magenkrämpfe, ich habe gedacht, ich verbrenne so heiß war mir, meine Beine funktionierten nicht mehr, ich konnte keinen Meter mehr laufen, Durchfall, Kopfschmerzen, Herzrasen, hyperventiliert, ich habe gedacht, so fühlt es sich an, wenn man regelrecht krepiert.

Und alles kam aus heiterem Himmel, es ist nichts passiert, hatte keinen Stress oder sonst irgend etwas. Das schlimmste an den Panikattacken war es, dass ich alleine war. Bei jeder Attacke habe ich meine Eltern geweckt (sie kamen meistens nachts oder ganz früh morgens), die auch sofort zu mir kamen und mir beigestanden haben.

Von meinem 12. bis zum 28. Lenensjahr habe ich keine Tabletten oder irgendwelche ärztliche Hilfe in Anspruch genommen. Die Attacken waren mittlerweile so unheimlich mächtig und kamen jeden Tag, dass ich irgendwann einen Notarzt gerufen habe, und ich dort mit einer Ärztin gesprochen habe, die mir mitteilte, dass das Panikattacken wären.

Also habe ich einen Termin bei einem Neurologen/Psychiater gemacht (etwa 2 Monate bis zum Termin) und habe dann angefangen 10mg Citalopram zu nehmen. Mittlerweile bin ich bei 40mg und meine Attacken habe ich “nur noch” ca. 6x im Jahr und sehr abgemildert. Ich frage mich noch heute, wie ich es so lange ohne Medikamente ausgehalten habe.

Erst gestern bzw. heute morgen hatte ich wieder mal eine. Mein Freund kann damit mittlerweile recht gut umgehen und hilft mir in diesem Moment so gut er nur kann. Er sagt immer, es macht ihm zu schaffen, dass er eigentlich gar nichts machen kann. Aber schon allein dass jemand da ist und mit mir redet und mich versucht mit Witzen und “dummen Zeug” abzulenken macht schon viel viel mehr aus, als man denkt!!

Mittlerweile kann ich ohne Probleme und ausgeschlafen zur Arbeit gehen, Freunde besuchen und dort übernachten, mal ein Glas Wein trinken…..alles, was ich früher nicht unbedacht machen konnte, weil ich wusste, meine Attacke kommt heute noch.

Ich wohne mittlerweile ca. 450km von meinen Eltern entfernt, mit meinem Lebensparter zusammen. Meine Eltern und ich telefonieren regelmäßig und ich bin ihnen mein leben lang dankbar, dass sie immer für mich da waren. So wie mein Freund jetzt.

Liebe liebe Leute, wenn Ihr an so etwas leidet, bitte gebt einem Arzt die Chance Euch zu helfen! Ich musste erst 31 Jahre alt werden, um ein normales schönes Leben zu leben. Macht nicht den selben Fehler! Habt auch keine Angst mit Freunden darüber zu reden, denn wer Dein Freund ist, der akzeptiert das und lernt genauso wie Du selbst, damit umzugehen.

Lieben Gruß, Kathi


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