Karl-Theodor zu Guttenberg und kein Ende?

Ich halte mich in politischen Dingen ja eigentlich eher zurück, aber dass was derzeit in Sachen zu Guttenberg abläuft, strotzt wohl jeglicher Beschreibung.

Für diejenigen, die das Theater noch nicht mitbekommen haben. Karl-Theodor von Guttenberg soll im Zuge seiner Dissertation zahlreiche Zitate und dergleichen abgeschrieben und kopiert haben und dabei bewusst die Quellenangaben verschwiegen haben. Soweit die Behauptung.

Die Bearbeitung der wissenschaftlichen Dissertation soll sich über insgesamt 7 Jahre gezogen haben, im Jahr 2006 ist deren Einreichung an der Universität Bayreuth erfolgt. Hier wurde die Arbeit von einer Kommission und einem unabhängigen Prüfer bewertet. Die Arbeit wurde mit „sehr gut“ ausgezeichnet und erhielt sogar ein „summa cum laude“ was durchaus als Auszeichnung zu bewerten ist – quasi ein Prädikat: wertvoll ;) und zur Führung des Doktortitels berechtigt.

Nun kommt ein Professor aus Bremen, der sich an einem kuscheligen Wochenende diese 6 Jahre alte Arbeit einmal zu Gemüte führt, um für seinen Verlag eine Rezension zu schreiben. Da die Guttenberg Arbeit sogar in Buchform zur Verfügung steht, spricht hier ja auch nichts dagegen. Doch wie kommt man drauf, die Zitate durch Google zu jagen?

Geht es hierbei nicht um die Inhalte?

Wer, außer die Prüfungskommission, macht sich denn die Mühe die über 1000 Quellenangaben zu überprüfen?

Wurde hier geschlampt bei der Beurteilung?

Hat man absichtlich etwas übersehen?

Ist der Titel gekauft?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Prüfungskommission so „oberflächlich“ beurteilt hat. Es müsste ihnen bewusst gewesen sein, dass dies auf sie zurückfallen würde.

Waren die Voraussetzungen damals anders?

Hatte man 2006 andere Anforderungen und Leistungen zu erbringen?

Hat man sich nicht der modernen Technik bedient? (Google gabs damals schon)

Bin ich als Schüler/Student/Absolvent für die korrekte Beurteilung meiner Lehrer/Professoren oder Doktorväter verantwortlich?

Hier gings den Gegnern wohl wirklich drum, etwas Angreifbares zu finden und groß aufzubauschen, zumal die Leser des Juristenfachmagazins des Bremer Politikwissenschaftler Andreas Fischer-Lescano wohl nicht das große Publikum für einen perfekten Skandal waren, nein, davon musste die ganze Welt erfahren. Es wird über Auftraggeber aus den eigenen Reihen oder aus der Opposition spekuliert.

Wer hätte denn einen Vorteil durch den Rücktritt?

Bekannte Medien, die eigentlich immer neutralen Journalismus versprechen, sprangen sofort auf den Zug auf und begannen, die Leser mit Vermutungen, fadenscheinigen Argumenten und was weiß ich auf ihre Seite zu ziehen, um Meinung zu machen. Von Betrug und Urheberrechtsverletzung war sofort die Rede, vom Rücktritt des Verteidigungsministers ganz zu schweigen. Das wird ja immer recht schnell gefordert. Blickt man auf die Internet Landschaft kann man auch bereits zahlreiche Gruppen Pro und Contra zu Guttenberg ausmachen. Die Anhänger befinden sich auf beiden Seiten und liefern sich bereits große Wortschlachten, die mal sachlich aber mehr emotional ausgetragen werden. Wer sich einmal über die betreffenden Zitate und Quellen, die bislang gefunden wurden, informieren möchte, findet diese hier bei Guttenplag.wikia

Eigentlich hätte unser Verteidigungsminister gerade genug zu tun in seinem Job. Er besucht die Soldaten in Afghanistan und ihm wird das als Flucht ausgelegt. Man kann sich die Sachen auch zurechtlegen. Es sterben 3 Soldaten im Kampf und zu Guttenberg muss ne Pressekonferenz über Fußnoten geben, die dann auch wieder nicht so verlief, wie die Medienlandschaft es sich gewünscht hat. Er ist bereit seine Dissertation zu überprüfen, die Universität wird dies ebenfalls tun, um Licht ins Dunkle zu bringen. Solang diese Untersuchungen noch nicht abgeschlossen sind, braucht man auch nicht mit Vorverurteilungen um sich schmeißen und unnötig Druckerschwärze oder Sendezeit vergeuden. Ich denke, es gibt derzeit wichtigeres als ein Doktor-Titel.

Ich muss nun mal zu meiner Schande gestehen, dass ich keine Ahnung habe, wie eine Dissertation auszusehen hat, welche rechtlichen Hinweise, Meineide und sonst was man beachten muss. Ich gehöre auch zu denen, die keine Uni von innen gesehen haben. Da hab ich gelesen, dass ich mich dann auch gar nicht in diese Sache einmischen soll, ok, ok ;) Auf die Stufe, dass alle anderen hohen Politiker einmal ihre Arbeiten öffentlich vorlegen sollen, stelle ich mich nicht, obwohl es bestimmt interessant wäre. Mal schauen, wie viele da plötzlich nicht mehr auffindbar wären. Es sind ja nicht viele, die auch veröffentlicht wurden. Hat dies vielleicht einen Grund?

Nein, ich greife niemanden an, bilde mir auch kein Urteil, aber ich möchte, dass diese Hatz aufhört, ohne wirkliche Fakten auf der Hand zu haben. Ach seit gestern wurde ja bekannt, dass nun auch Steuergelder verschwendet wurden, für die Ausarbeitung den Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages beauftragt hat. War das nicht schon bei der Beauftragung bekannt, dass diese Daten und Auswertungen verwertet bzw. verwendet werden? Bzw. ist das nicht normal? Ich denke da nur an Frau Dr. Köhler/Schröder, die genau vor einem Jahr das gleiche „Problem“ hatte. Wo ist der Ghostwriter oder Texter, der die Dissertation geschrieben hat? Der könnte doch auch langsam aus der Versenkung auftauchen und ein teures Interview geben oder war es nur ein Lektor, der nach den Kommas und Rechtschreibfehlern geguckt hat? Ach ne, die Fehler waren ja 1 zu 1 übernommen – schlechter Job oder wie?

Das alles entwickelt sich doch zu einer Farce. Meiner Meinung nach wird gerade in Sachen zu Guttenberg alles getan, um ihn zu schädigen, abzusägen oder aus dem Weg zu räumen. Auch wenn an den Beschuldigung nicht dran ist oder nur ein Bruchteil als Schuld ausgelegt werden kann, bleibt ein Makel, der so mit seiner Arbeit als Verteidigungsminister nichts zu tun hat. Diese Art Rufmord, Vorverurteilung und Stimmungsmache verurteile ich nun auch mal pauschal. Ich werde mir ein Urteil bilden, wenn alle Tatsachen auf dem Tisch liegen. Solange bewundere ich die Arbeit von Herrn zu Guttenberg als Minister. Er hat auch dafür gesorgt, dass eine gewisse Politikverdrossenheit in Deutschland geendet hat. Er steht für sich und seine Sache ein, schießt auch einmal quer und sagt was er denkt. Davon könnten sich viele eine Scheibe abschneiden, dann würde es Deutschland vielleicht auch besser gehen.

Also besinnt Euch auf Eure Aufgaben, macht die gewissenhaft, bis alles geklärt ist. Dann kann man weiterschauen und sich ein neues Thema suchen, um jemanden aufgrund von Quoten und Leserzahlen/Auflagen bloß zu stellen. Ich bin schon gespannt, wen es als nächstes trifft.

PS: Mein Artikel ist Grundlage der bisherigen Darstellungen und basiert auf dem Wissensstand vom 20.02.2011. Alle neuen Fakten, Behauptungen, Ausgrabungen und Stellungnahmen wurden hier noch nicht berücksichtigt ;)

Ich sehs schon kommen, der Artikel wird wohl noch ergänzt. Ich hab eh schon viele Fragen in den Raum gestellt, da kommst auf einige wenige auch nimmer an.

Update:

Sind die gedruckte Form der Dissertation und die eingereichte Doktorarbeit eigentlich identisch?


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