Kampf um Strom. Mythen, Macht und Monopole

Die Energiewende ist zurzeit nicht sehr beliebt. Sie soll für steigende Strompreise verantwortlich sein, die Landschaft würde durch Windkraftanlagen verunstaltet und viele ähnliche Aussagen geistern durch den Blätterwald. Aber kommen muss sie doch, meint Claudia Kemfert in ihrem Buch „Kampf um Strom. Mythen, Macht und Monopole", auch wenn sie die Profite der vier großen Stromproduzenten schmälert. Denn kommt sie nicht, werden die Folgekosten um einiges höher sein.
Kampf um Strom. Mythen, Macht und Monopole  Claudia Kemfert: Kampf um Strom. Mythen, Macht und Monopole, Murmann Verlag, 2013, 16,90 Euro
Claudia Kemfert leitet seit 2004 die Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und ist Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit an der Hertie School of Governance in Berlin. Darüber hinaus berät sie Politiker, Bundes- und Landesministerien. Sie hat ein Buch vorgelegt, das wider Erwarten allgemein verständlich geschrieben ist und eine gute Einführung in das Thema für jedermann ist.
In Deutschland tobe ein Kampf um das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG). Das EEG habe mehr Marktwirtschaft in die Energieversorgung gebracht und wird von denen bedroht, die die Monopolstellung von E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW behalten wollen (S. 86). Darüber hinaus sei das EEG ein sehr erfolgreiches Gesetz: Weltweit würden über 40 Staaten das Gesetz mit Variationen kopieren, darunter China, Japan und 18 EU-Staaten (S. 73).
Claudia Kemfert kämpft leidenschaftlich für die Erneuerbaren Energien. So tritt sie u.a. dem Mythos entgegen, Atomenergie und Kohlekraft seien billige Quellen der Energieversorgung. So seien diese Energien nur so billig, weil ihre Folgekosten auf die gesamte Gesellschaft umgelegt würden. Ein Endlager für Atommüll muss z.B. vom Staat gesucht und finanziert werden. Die Schäden durch Kohlendioxid müssten ebenso von der Gesellschaft getragen werden und finden keinen Niederschlag im Strompreis. So habe die EU alle europäischen Atommeiler einem Stresstest unterzogen und gravierende Mängel festgestellt. Deren Behebung koste laut Energiekommissar Günther Oettinger zwischen 10 und 25 Milliarden Euro (S. 65).
Alle erdenklichen Vorurteile und Mythen rund um die Energiewende nimmt sich die Autorin vor und stellt richtig, was richtig gestellt werden muss. So zeigt sie u.a., dass der wichtige Ausbau der Stromnetze jahrelang verschleppt wurde – um die Energiewende zu torpedieren.
Ein Manko bleibt: Ihre Argumentation beruht fest auf dem Prinzip „Marktwirtschaft"; kleine, umweltfreundliche Kapitalisten werden von den großen Monopolisten bedrängt. So hat sie auch wenig darüber zu sagen, wie die Arbeitsbedingungen in der Solarbranche sind. 36 Prozent der Arbeiter müssen 41 bis 45 Stunden arbeiten, 24 Prozent sogar bis 55 Stunden. Niedriglöhne sind keine Seltenheit. Linke tun gut daran, sich dem Kampf der verschiedenen Kapitalisten zu entziehen; Lösungen jenseits der kapitalistischen Marktlogik müssen gefunden werden.
Dennoch ein sehr gutes Buch und zum Einstieg in die Problematik geeignet.
Claudia Kemfert: Kampf um Strom. Mythen, Macht und Monopole, Murmann Verlag, 2013, 16,90 Euro
und als ebook, 11,99 Euro

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