Judith Kerr • Ihr wurde nicht nur das rosa Kaninchen gestohlen

Die Tochter des berühmten Theaterkritikers und Literaten Alfred Kerr ist selbst als Schriftstellerin von Kinderliteratur berühmt geworden, deren Protagonisten in ihren Büchern immer auch einen realen und vor allen Dingen familiären Hintergrund Judith Kerr feiert 80. Geburtstaghatten, ob es der Tiger, die Katze oder das Kaninchen waren, der Aufhänger ihrer Bücher entstammte immer selbst erlebtem, ob als Mutter ihrer eigenen Kinder oder ihren eigenen Kindheitserinnerungen. Nur knapp 10 Jahre durfte Judith Kerr in ihrem Geburtsland Deutschland leben, denn am 4. März 1933 ging sie mit ihrer Mutter und ihrem Bruder Michael für immer aus Deutschland fort, musste Berlin, ihre Geburtsstadt, verlassen, weil sie Jüdin war und die Tochter ihres Vaters, einem entschiedenen Gegner Hitlers und seiner Schergen. Die am 14. Juni 1923 geborene Judith Kerr erreichte mit Mutter und Bruder wohlbehalten das Schweizer Exil, hier traf sie auf den Vater, der bereits seit einem knappen Monat dort schon lebte und so war die Familie vereint, was über die nächsten Jahre der wichtigste Faktor im Leben von Judith Kerr sein sollte. Über die Schweiz ging dann Judith mit ihren Eltern nach Paris, doch auch dort konnten sie nicht bleiben, so ging es weiter nach England, wo sie dann in London lebte und noch heute lebt. Hier in England fanden die Kerrs ein neues zu hause, wobei es für den Familienvater, der damals schon weit über 60 Jahre war, am schwersten war, denn zum einen war er der englischen Sprache nicht so mächtig und zum anderen lagen die Jobs in seinem Metier nicht unbedingt auf der Straße, so erlebte Judith Kerr in eher ärmlichen Verhältnissen zu leben und sich selbst nach erfolgreicher Ausbildung auf eigene Füße zu stellen. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete sie beim Roten Kreuz und nach dem Krieg erhielt sie eine Anstellung bei der BBC als Redakteurin und Lektorin. Auch ihr Bruder Michael hatte in seinem neuen Land gut Fuß gefasst, er wurde ein erfolgreicher Jurist, ja, er wurde später als einer der führenden Juristen in Großbritannien auch in den Adelsstand erhoben. Die gesamte Familie Kerr war in ihrem Gastland angekommen und keiner ging mehr weg, aus Exillanten wurden Briten, ein schwieriger Weg für jeden der Familie, wobei ihre Stärke im Zusammenhalt und der Liebe zueinander lag. 1954 heiratete Judith Kerr den britischen Fernsehautor Nigel Kneale, hatte mit ihm zwei Kinder und arbeitete als freiberufliche Malerin und Kinderbuchautorin. Ihr erstes Buch  ‚The Tiger Who Came to Tea’, das sie auch selbst illustrierte, wurde gleich ein Erfolg und nach weiteren Kinderbüchern begann sie, auf Anregung ihres Mannes, mit ihrem Buchtitel Judith Kerrspäter erfolgreichsten Buch: ‚Als Hitler das rosa Kaninchen stahl’.

In diesem mehrmals prämierten Jugendbuch erzählt sie von ihren Erlebnissen als 10jährigem Mädchen, dass die Heimat Berlin, ihre Schule, ihre Freunde von einem Tag zum anderen verlassen musste. Sie erzählt mit leichter Hand, was es heißt im Exil zu leben, sich bewusst zu machen, dass sie Jüdin ist und sich neue Sprachen anzueignen. Sie erzählt aber auch eindrucksvoll, wie wichtig unter solchen Umständen der Zusammenhalt einer Familie ist und wie sehr dies ein Kind ‚erden’ kann, bei allen Widrigkeiten, durch die es hindurch musste. Das Buch endet mit dem erreichen Englands, dem sicheren Hafen für die Familie.
Das Buch ist für Kinder ab 10 Jahre geeignet und Kinder finden dies Buch ganz herrlich, denn die können sich mit dem einen oder anderen identifizieren, bekommen einen ersten Einblick in das düstere Kapitel der deutschen Geschichte, doch können auch die Kinder von heute gute Verbindungen herstellen, denn auch sie kennen andere Kinder, die aus der Fremde zu uns kommen, oder kommen selbst aus einem anderen Land. Tja, und dass ein Kind seinem verlorenen Kuscheltier, hier dem rosa Kaninchen, nachtrauert, ist jedem, ob Groß oder Klein mehr als verständlich.
Das Buch ‚Als Hitler das rosa Kaninchen stahl’ ist der erste Band einer Trilogie über die Kindheit und Jugend der Judith Kerr. Als das Buch 1971 in England herauskam, wollten deutsche Verleger zuerst damit nichts zutun haben, da sie allein schon das Titelbild von einem Spielzeug und dem Hakenkreuz ablehnten, doch ein Jahr später kam es auch in Deutschland heraus, mit großem Erfolg. Heute hat das Buch in den Kanon der Schulliteratur für Schüler ab der 4. Klasse Eingang gefunden. Judith Kerr ist Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland.

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Bücherverbrennung 1933 • Ein Akt der Barbarei

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Bild 1: Kudith Kerr 2005 – Quelle: gr-assets.com · Bild 2: Buchtitel Judith Kerr – Quelle: amazon.com


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