Jens Staudenmayer: «Nowitzki wäre ein absoluter Glücksfall»

Jens Staudenmayer: «Nowitzki wäre ein absoluter Glücksfall»

Drei Monate dauert die Aussperrung nun schon an. Eigentlich soll am 1. November in der NBA wieder gespielt werden. Doch danach sieht es derzeit nicht aus. Die Verhandlungen zwischen Spielergesellschaft NBPA und den Teambesitzern um einen neuen Tarifvertrag kommen kein Stückchen voran. Hauptstreitpunkt ist die Aufteilung der jährlichen Gesamteinnahmen von rund 4,3 Milliarden Dollar. Der alte Arbeitsvertrag garantierte den Profis einen Anteil in Höhe von 57 Prozent.

NBA-Commissioner David Stern fordert nach wie vor eine Reduzierung der Gehälter um insgesamt 800 Millionen Dollar (560 Millionen Euro). Die Klubs sollen seit Inkrafttreten der letzten Tarif-Vereinbarung im Jahr 2005 mehr als eine Milliarde Dollar Verlust gemacht haben. Mittlerweile sind die Fronten verhärtet. Immer mehr NBA-Profis überbrücken nun die Misere mit Engagements im Ausland. Lakers-Star Kobe Bryant zieht es nach Bologna; Andrej Kirilenko kehrt zu ZSKA Moskau zurück. Der dreimalige Titelgewinner Tony Parker läuft für Lyon auf.

Herr Staudenmayer, kann auch die Bundesliga von diesem Ausschluss profitieren und ebenfalls NBA-Stars nach Deutschland locken?

Jens Staudenmayer: Zunächst ist es immer noch offen, ob der Lockout über den 1. November hinaus fortdauert. Und dann lassen sich die NBA-Stars auch in den Vertrag schreiben, innerhalb kürzester Zeit wieder in die USA zurückkehren zu dürfen, wenn dort die Saison beginnt. Als Verein kann man damit nicht solide planen. Deswegen bin ich skeptisch.

Wäre das nicht eine Riesennummer, Stars wie Kobe Bryant oder Dirk Nowitzki in der Bundesliga zu sehen – auch wenn es nur ein paar Wochen dauert?

Staudenmayer: Natürlich, aber: Die Spieler, die jetzt für einen nicht fest zu definierenden Zeitraum bei europäischen Klubs anheuern und darüber hinaus über einen NBA-Vertrag verfügen, werden täglich nach Amerika schauen und sind dann im Zweifel binnen 48 Stunden wieder in den USA. Natürlich wäre Dirk Nowitzki in der Beko BBL ein absoluter Glücksfall – aber er hat ja bereits erklärt, dass er zunächst einmal abwarten werde, wie sich die Situation in der NBA entwickelt.

Würde das nicht die Liga aufwerten, den deutschen Basketball auch voran bringen?

Staudenmayer: Dirk Nowitzki würde jeder Liga einen temporären Schub verpassen. Uns geht es aber vor allem um Nachhaltigkeit – insofern halten wir an unserer Strategie fest. Die Vereine leisten immer bessere Nachwuchsarbeit und investieren sehr erhebliche finanzielle Mittel. Ein Effekt des NBA-Lockouts ist, dass sich in dieser Saison einige sehr gute Collegespieler für Bundesligavereine entschieden haben. Sie scheinen die europäische Sicherheit vorzuziehen. Das bringt die Liga sportlich voran.

Wie wichtig wäre es für die Liga, dass unter den Nachwuchsspielern bald wieder einmal einer wie Dirk Nowitzki ist? Mit 33 Jahren wird er irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft einen Schlussstrich unter seine große Karriere ziehen.

Staudenmayer: Natürlich hat ein absoluter Ausnahmespieler wie er eine große Strahlkraft für die Sportart an sich. Doch ein Spieler wie Nowitzki ist nicht reproduzierbar – er ist einzigartig und wird es auch bleiben. Deswegen muss es unser Ziel sein, die neuen Benzings, Schaffartziks und Schwethelms zu finden.

Jens Staudenmayer ist Sportlicher Leiter in der Beko Basketball-Bundesliga. Der Berliner ist verantwortlich für Spielorganisation und Nachwuchsförderung.

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NBA-Lockout – «Nowitzki wäre ein absoluter Glücksfall»

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