"JCVD" [B, F, L 2008]


Nicht nur die über den gesamten Film hinweg ebenso grässlich wackelnde ADHS-Kamera wie jene verwaschenen Filter, die aus einem authentischen Drama bedauerlicherweise ein künstliches Drogerieprodukt machen, dessen intendierter semidokumentarischer Charakter lediglich teilweise eingelöst werden kann, veranschaulichen, dass es sich hier um einen Actionfilm seiner Zeit par excellence handelt. Auch die martialische Anfangssequenz ist so typisch – Van Damme kloppt sich durch unzählige Horden böser Buben, merklich in die Jahre gekommen, merklich abgestanden denn frisch, mit merklich weniger Testosteron im Blut, das er angesichts ungezählter DVD-Direktabfallwerke vermutlich ein Stück weit verloren hat, während er in den Produktionen an sich oft kommerzielle Luft schnupperte, um Schulden zurückzuzahlen. Doch jetzt ist Schluss!
Erst später entlarvt "JCVD" seine entlarvende Selbstironie: Plötzlich wird klar, dass es der Film im Film ist, der Van Damme (laut Drehbuch) kämpfen lässt (hübsch in einer einzigen Einstellung eingefangen), was Van Damme mit Hinweis auf sein fortgeschrittenes Alter entsprechend kommentiert. Er spielt sich selbst, in einem Film mit ihm über ihn. Also doch kein Actionfilm par excellance, sondern freiwillige Selbstzerstörung bis zur unfreiwilligen Läuterung, wehmütig, ungewohnt offenherzig. Für die Fans, für seine Frauen, für seine Kinder, das musste sein. "JCVD" (Regie: Mabrouk El Mechri) changiert später dann immer wieder ungemein ausbalanciert von der Tragik zur Komik und andersherum, nicht szenenübergreifend, vielmehr in ein und derselben Szene.
Unter anderem in der Gerichtsverhandlung, in deren Folge Van Damme den Sorgerechtsstreit um seine Tochter verliert (Tragik), weil ihm der Anwalt der Mutter Van Dammes ehemalige Filme samt ausführlichem Vortrag über die cineastischen Tötungsarten auf den Tisch knallt, womit bewiesen werden soll, welche pädagogische Zumutung es für das Kind bedeute (Komik). El Mechri bettet Van Dammes ernst gemeinte Selbstreflexion in einen handelsüblichen Konservensubplot, in einen schlichten Banküberfall, bei dem sich mehrmals unterschiedliche Blickwinkel differierend verdrehen. Aus Van Damme, dem selbstbewussten Erpresser aus der Polizeiperspektive, wird beispielsweise Van Damme, das hilflose Opfer aus seiner Perspektive, der im Finale sein Finale feiert, aber schnell vom Finale der Realität eingeholt wird. 
Stattdessen nimmt die Demontage weiter Fahrt auf, erreicht vor allem dann ihren Höhepunkt, sobald Van Damme einen mehrminütigen Selbstfindungsmonolog über das Leben und das Leiden als abgewracktes Idol hält, das sich kaum noch auf den Beinen hält. Van Damme kann schauspielern, verdammt gut sogar. Und er entschuldigt sich, verdammt emotional sogar. Dass der Schriftzug Hollywood auf einer Wurfscheibe aufgespießt wird, John Woos Verlassen seiner Tauben Richtung Amerika Mist war, Steven Seagal seinen (Pferde-)Schwanz abgeschnitten hat, um die vorgesehene Van-Damme-Rolle zu ergattern, Verhandlungen über Rollenangebote generell knallhart sind und ein einziger Schlag gegen Van Dammes Gesicht außerhalb des kameragefilmten Reviers eine blutige Lippe verursacht, formuliert so manche Wahrheit im schonungslosen Filmbusiness, die richtig, richtig weh tut. 
6.5 | 10 

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