Jasmyn von Alex Bell

Und vom Himmel fielen schwarze Schwäne.
Jasmyn von Alex BellSeid der Grundschule kannten sie sich schon, Jasmyn und Liam. Für Liam war Jasmyn, die an Albinismus erkrankt ist, immer die Schneeprinzessin während andere von Jasmyns weißem Haar und der alabasterfarbenen Haut abgestoßen sind und nicht mehr als einen Freak in ihr sehen.
Nun steht Jasmyn als 27 Jahre junge Witwe am Grab ihres innig geliebten Liam, als sich plötzlich die Wolken öffnen und fünf tote, schwarze Schwäne auf Liams Grab fallen. In ihrer Trauer ist Jasmyn zwar erschrocken, misst der Sache aber nicht allzu viel bei.
Sie verkriecht sich im gemeinsamen Haus und gibt sich der Trauer ganz und gar hin. Bis eines Tages ein Fremder, Jaxon Thope, vor ihr steht und Liam sprechen will. Auf ihrer Aussage hin das Liam an einem Aneurysma gestorben ist, reagiert der düstere Jaxon ungläubig. Jaxon Thorpe kann und will dieses nicht glauben und stürmt an Jasmyn vorbei in ihr Haus. Als Jaxson tatsächlich feststellen muss das Liam tot ist, tobt er, verlässt aber umgehend das Haus.
Dies bleibt nicht das einzige seltsame das Jasmyn passiert und nach einem Einbruch in ihr Haus, wo zwar nichts gestohlen wird, dafür aber viel zerstört, flieht sie zu einer Freundin nach Amerika. Dort taucht plötzlich der Bruder Liams auf und um die Geheimnisse um Liam zu lüften brechen Ben und Jasmyn nach Deutschland auf. Dort hat Liam in der Zeit vor seinem Tod viel Zeit verbracht, besonders in der Nähe von Schloss Neuschwanstein.
Für Jasmyn und Ben beginnt ein magisches Abenteuer voller Mythen und Märchen und eine Reise in Liams Vergangenheit die voller Gefahren ist.
Kritik ✿ڿڰۣ
Mit der märchenhaften Geschichte um „Jasmyn“ hat die englische Autorin Alex Bell einen Roman geschrieben, in dem das Schloss des bayrischen „Märchenkönigs“ Ludwig II. Neuschwanstein und dessen geheimnisvolle Mythen eine große Rolle spielen.
Die Geschichte beginnt sehr traurig, nimmt aber nach einigen seltsamen und geheimnisvollen Handlungen einen spannenden und sehr unterhaltsamen Verlauf. Durch einen geschickt in den einzigartigen Plot eingeflochten Spannungsbogen, wird der Leser schnell an die märchenhafte Geschichte der Sagen und Mythen rund um Schloss Neuschwanstein gefesselt. Der Erzählstil der Autorin ist dabei fließend und mühelos verständlich.
Sehr lebendig und detailliert werden die Figuren und die Umgebung geschildert, lediglich das wunderschöne Schloss Neuschwanstein hätte gerne noch präziser beschrieben werden dürfen. Trotzdem entsteht beim Lesen schnell ein genaues Bild vorm inneren Auge und man hat das Gefühl, durch die Protagonisten diese einzigartige Landschaft mit zu erleben.
Sehr glaubwürdig wird die Trauer der jungen Protagonistin beschrieben und die Gefühle von Jasmyn nehmen einen guten Teil der Geschichte in Anspruch. Durch Rückblenden in das gemeinsame Leben von Jasmyn und Liam nimmt der Leser an Jasmyns Trauer, aber auch dem vergangenen Glück teil.
Durch die Trauer gefangen nimmt die Geschichte erst langsam an Geschwindigkeit auf. Mit dem Auftauchen des düsteren Charakters Jaxson Thorpe und den Geheimnissen die langsam an die Oberfläche kommen, wird der Spannungsbogen dann angenehm angezogen und steigert sich stetig bis in ein außergewöhnliches und atemberaubendes Finale.
Auch ist die Grundstimmung der Geschichte eher düster zu nennen, die finsteren Wintertage und die Umgebungen in der „Jasmyn“ spielt, wird sehr atmosphärisch dicht beschrieben. Dies passt sehr gut zu dem außergewöhnlichen Plot und der Geschichten die um den „Märchenkönig“ und die Umgebung um Neuschwanstein.
Die Protagonisten sind sehr authentisch und glaubwürdig konzipiert. Jede wird durch etwas anderes angetrieben und die Entwicklung die sich die einzelnen Charaktere unterziehen wirkt begründet.
Mit Jasmyn leidet der Leser schnell mit, die Trauer die Jasmyn am Anfang der Geschichte gefangen hält und die verschiedenen Rückblicke in eine glückliche Zeit machen die Figur sehr sympathisch und glaubwürdig. Jasmyn leidet sehr unter ihrer Andersartigkeit aufgrund des Albinismus, trotzdem macht sie gerade das geheimnisvoll und liebenswürdig.
Trotz der Trauer ist Jasmyn bereit sich auf das Abenteuer einzulassen, die Geheimnisse ihres verstorbenen Mannes aufzuklären und dabei eventuell das perfekte Bild von Liam gerade rücken zu müssen.
Unersetzlich ist auch der Charakter Ben. Bis zum Ende hin bleibt so manches von ihm im dunklen und nicht immer ist klar auf welcher Seite er steht. Jasmyn gegenüber tritt er sehr mürrisch auf, dabei ist sich Jasmyn nicht bewusst woran das liegen könnte. Vor der Hochzeit mit Liam, hatten Ben und Jasmyn noch ein sehr gutes Verhältnis zueinander, erst ein Streit der Brüder, kurz vor der Hochzeit zerstörte die zarten Freundschaftbande.
Auch die Neben- und Randfiguren der Geschichte trugen zum Verständnis bei und deren Verhalten klärt sich zum Ende auf, so das kein Geheimnis offen bleibt.
Das Cover ist sehr geheimnisvoll gestaltet: Im Vordergrund sind schwarze Federn zusehen, während im Hintergrund Schloss Neuschwanstein zu erkennen ist.
Fazit
Alex Bell hat mit „Jasmyn“ eine bezaubernd magische Geschichte geschrieben, die lange in Erinnerung bleibt. Ihre Wahl, die Geschichte an die Sagen rund um den deutschen „Märchenkönig“ und das prächtige Neuschwanstein anzulehnen ist, gerade für eine englische Autorin, auffällig.
Die Kombination aus düsterer Magie, geheimnisvoller Legenden, einem unschlagbaren Handlungsort und des Verlustes eines geliebten Menschen, hat die Autorin fantastisch umgesetzt und Lesern die von magischen und düsteren Märchen nicht genug bekommen können sind mit „Jasmyn“ von Alex Bell bestens beraten.
Ich hoffe von dieser talentierten Autorin noch viel zu lesen.
Autorin
Alex Bell, geboren 1986, träumte schon als Kind davon, Schriftstellerin zu werden. Um einen Plan B zu haben, studierte sie aber erst einmal Jura. Nebenbei schrieb sie an ihrem ersten Roman. Heute lebt sie als freie Schrifstellerin zusammen mit fünf Katzen, zwei Schildkröten und einem Hund in Hampshire. „Jasmyn“ ist der erste Roman von ihr der auf Deutsch erscheint.
Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
Verlag: Rowohlt Polaris (1. Februar 2011)
ISBN-13: 978-3862520053
Leseprobe
©Nadine Warnke

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