Interview: Der Maler Sandor Barics und der Mars


Sándor Barics

Unberührt – Mars Landscapes

 26. November bis 1. Dezember 2018

Povvera Galerie, Philippistr. 7, 14059 Berlin

In der Ausstellung „Unberührt“ präsentiert der Künstler Sándor Barics Arbeiten zum Thema „Mars“. Dabei konzentriert sich der Künstler auf die Unberührtheit und Ursprünglichkeit der gewaltigen, einsamen und zeitgleich faszinierenden narbenbedeckten Oberflächen des Roten Planeten.  

Landung der Marssonde InSight am Tag der Vernissage

Die Vernissage der Ausstellung findet passenderweise an dem Tag statt, an dem der Lander der NASA-Mars-Mission InSight auf dem Planeten landen wird. Die Mission soll Einblick in das Innerste des Mars geben. Am 5. Mai 2018 wurde der stationäre Lander InSight mithilfe einer rund 57 Meter großen Atlas-V-401-Rakete von der Vandenberg Air Force Basis in Kalifornien ins All geschossen. Am 26. November, dem Tag der Vernissage, wird der Lander auf dem Roten Planeten ankommen und dort dann zwei Jahre lang zum Forschen verweilen.

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Interview mit Sandor Barics

Chased: Woher kommt deine Faszination mit dem Mars?

S.B.: Er ist unser nächster Nachbarplanet, seine Oberfläche ist besser erforscht als die des Mondes. Seit Jahrtausenden beflügelt der Mars die Fantasie der Menschheit. Alle nennenswerte Zivilisationen haben sich mit dem Nachbarplaneten beschäftigt. Seit gut 40 Jahren senden wir auch Missionen mit Robotern dort hin und seit Ende der 90er Jahre können wir die Marsoberfläche in hochauflösenden Farbaufnahmen betrachten. Ray Bradbury schrieb 1950 den Roman “Mars Chroniken”. 1971 sang David Bowie: „Is there life on Mars?”. Tim Burton ließ 1996 in seinem Film „Mars attacks!“ Aliens die Erde angreifen. 2015 kämpfte Matt Damon in „Der Marsianer“ auf dem roten Planeten ums Überleben. Unsere Wissenschaftler in der ganzen Welt haben bis heute 47 Versuche unternommen, Missionen zum roten Planeten zu senden. Die NASA investierte in die aktuellste Mars-Mission ca. 850 Millionen US-Dollar. Der Mars ist also allgegenwärtig in unserem Kulturleben. Mich persönlich hat der Planet 1997 gepackt. Am 4. Juli ganz genau, wo ich bei der Landung der Pathfinder-Mission live dabei sein konnte. Der Mars rief und ich folgte. Mich beschäftigt seitdem diese fremde Welt. Wird es irgendwann mal unsere zweite Erde ? Werden dort Menschen wohnen ? Wir könnten aber auch zufällig herausfinden, dass wir Menschen eigentlich von Mars stammen und dort vor Milliarden von Jahren schon mal Ozeane, Lebewesen und Menschen mit Kultur dort existiert haben. Wenn das der Fall ist, dann ist die bemannte Expedition zum Mars eine Art Rückkehr zu unserem Ursprungsort. Eine Art Wiederfindung von uns selbst.

 Chased: Wonach wählst du die Materialien, die du für deine Bilder verwendest?

S.B.:Der Entstehungsprozess, die Elemente und der Zufall spielen in meinen Werken eine wesentliche Rolle. Was die Farben betrifft, die mische ich selber. Ich liebe den Prozess, Pigmente und unterschiedliche Mineralien zu vermischen. Manchmal komme ich mir dabei wie ein Alchemist vor. Ich verwende Acrylfarbe , Sand und Schaumstoff. Meine Stamm-Materialien. Oft kommen aber auch gefundener Plastikmüll, Verpackungsmaterialien, Metall, Glas, Holz und Sägespäne dazu. Materialien, die wir Menschen in den letzten 40 Jahren zum Mars gesendet haben. Der Mars ist der erste Planet, der durch die Menschen bzw. durch deren Roboter vermüllt wurde.

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Chased: Was erwartet die Besucher bei deiner Ausstellung?

S.B.: Ca. 10 großformatige Arbeiten und 10 kleinere. Atemberaubende karge Landschaften des roten Planeten. Eine imaginäre Reise durch Raum und Zeit. Aus der Vogelperspektive. So wie es unsere Augen im All, die Satelliten, für uns übermitteln und so wie ich den Mars sehe. Bilder einer fremden Welt zugehörig. Magische und poetische Arbeiten, die uns eine neue Welt in einer noch ungewohnten Ästhetik zeigen. Die Ausstellung wird durch die experimentelle Landschaftsinstallation der PP MOMA ergänzt, die den Menschen als Polly (Miniaturfigur)  in fremde Welten setzt.

Chased: Obwohl der Titel der Ausstellung „Unberührt“ lautet, bestehst du darauf, dass die Besucher deine Werke berühren. Warum?

S.B.: Berührung verbindet uns mit der Welt, in der wir leben. Wenn wir etwas das wir begehren, das wir mögen, berühren dürfen, fühlen wir uns oft kräftiger als zuvor. Aufgewertet und tief berührt. Oft sind wir stolz drauf, wenn wir etwas berührt haben und wir hängen sogar Fotos in unsere Wohnungen oder in unsere Büros von diesen Momenten.. Um Leute zu beeindrucken. Durch Berühren, selbst wenn es nur ein Gegenstand ist den wir berühren, entstehen Gefühle…Durch das Berühren der Bilder wird eine neue Beziehung zwischen Betrachter und Bild hergestellt. Der einfachste Weg, um dich mit dem Mars, dem Universum und der Kunst zu verbinden.

Chased: Deine Ausstellung in Berlin wird genau an dem Tag eröffnet, an dem ein stationärer Lander der NASA-Sonde InSight auf der Mars-Oberfläche abgesetzt werden wird. Erzähle uns mehr darüber.  

S.B.: Ja, am 26.November,  voraussichtlich am späten Nachmittag, landet die InSight-Mission auf dem Mars. In der Elysium Planitia.   Ein wirklich bedeutendes wissenschaftliches Ereignis. Ein perfekt koordiniertes Ereignis. Die Ausstellungseröffnung möchte nicht nur die Kunst, sondern auch die Missionslandung zelebrieren. Eine tolle Kombination von Kunst und Wissenschaft. Wir heißen alle Mars- und Kunstbegeisterte herzlich Willkommen!

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