Inflation: Der Frosch mit der Maske

Inflation: Der Frosch mit der MaskeSteigt durch die Politik der EZB nicht das Inflationsrisiko, fragt die „Zeit“ den Ökonomen James Galbraith. Die ganze Inflationsdiskussion ist Nonsens, sagt der Experte. Diese ganze Inflation, von der immer so viel die Rede ist, die gibt es gar nicht, sagt Ulrike Herrmann von der „taz“ mitten im deutschen Fernsehen. Sie wird nicht einmal rot dabei, offenkundig weiß sie also nicht, wovon sie spricht.
1991 3,19 Mark, 2011 3,20 Euro.
2001 1,42 Mark, 2011 1,57 Euro.
1996 1,30 Mark, 2011 2,50 Euro.
Die Preise oben sind die für Brot, Benzin und Bier. Alle drei haben sich in den genannten Zeiträumen verdoppelt. Und das, bevor die EZB begann, Milliarden und Abermilliarden Euro auf den Markt zu werfen, um die Versorgung der Staaten mit frischem Geld zur Zahlung der Gehälter auszustatten. Natürlich, anderes ist billiger geworden, wie die staatlichen Stellen zum Jubiläum nicht müde werden zu betonen. Plasmafernseher. MP3-Player. Digitalfotoapparate. Telefongebühren. Oder besser. Wie Computer. Handys. Kaffeemaschinen.
Aber die Inflation ist da, immer. Um etwa fünf Prozent stiegen die Preise hierzulande seit der deutschen Einheit – man könnte auch sagen, dass die Menschen im Lande in jedem Jahr fünf Prozent ihrer Einkommen und Vermögen weggenommen wurden. Glücklicherweise völlig unbemerkt, denn die offiziellen Zahlen zur Geldentwertung liegen nicht einmal halb so hoch. Am schönsten aber sind die Illustrationen, von denen flankiert sie in die Öffentlichkeit geschickt werden: Statt anzuzeigen, um wieviel Geld an Kaufkraft verloren hat, zeigen sie regelmäßig eine auf- und niederzuckende Kurve der Höhe der Geldentwertung, die aussieht, als sei niedrigere als hohe Geldentwertung gar keine Geldentwertung.
Zusätzliche Steuern machen arm, die schleichende Auszehrung von Zahlungsmitteln dagegen macht glücklich. Es ist das Modell Frosch im Kochtopf, das Herrschende zu allen Zeiten angezogen hat wie der Honigtopf den Bären: Wirft man den Frosch ins heiße Wasser, stirbt er unter viel Geschrei. Doch in kaltem, das gaaaaaanz langsam erhitzt wird, räkelt er sich zufrieden, bis er stirbt, ohne zu wissen, warum.
Für die Finanzminister ist Inflation das Beste, was passieren kann. Denn Finanzminister haben immer Schulden, Inflation aber verringert nicht nur den Wert von Guthaben, sondern auch den aller Verbindlichkeiten: Wer sich 100 Euro borgt, wenn es für 100 Euro zehn Brote gibt, und diese 100 Euro zurückzahlt, wenn deren Gegenwert nur noch fünf Brote beträgt, hat ohne etwas zu tun fünf Brote verdient, die er selbst essen kann.
Noch besser ist das selbstverständlich für den, der zwei Billionen Schulden hat wie der deutsche Staat. Bei einer Inflationsrate von null Prozent müsste er seinen Kreditgebern das ganze Geld nach Ablauf der Leihfrist im vollen Wert zurückerstatten – plus der Zinsen genannten Prämie für die Überlassung. Liegt aber die Inflation höher als die Zinsen, wie es derzeit der Fall ist, springt beim Borgen noch etwas heraus: Kredite aufzunehmen, kostet nichts, sondern verdient Geld.
Und wie. Fünf Prozent Inflation minus 2,5 Prozent Zinsen macht 2,5 Prozent Gewinn im Jahr auf jedem geborgten Euro. Bei 2000 Milliarden macht das 50 Milliarden, von denen niemand fragt, woher sie eigentlich kommen. Denn die Anwort würde keinem gefallen: Nicht dem Frosch,d er gekocht wird. Und nicht dem Koch, der sich schon aufs Essen freut.

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