In den Schnee gepisst

Gut, ihr Umweltschützer, dann jubelt und feiert mal schön. Lasst die Kanzlerin und die anderen G6 hochleben. Und wenn ihr dann ausgejubelt habt, dann schnell zurück auf den Teppich und realisieren: Scheiße, das war nur ein Beschluss unter Marionetten. Einer, den man eigentlich erst gegen die Industrie und die Lobbyisten durchboxen müsste.
In den Schnee gepisstWas dort beschlossen wird, das sind Absichtserklärungen. Mehr nicht. Vorhaben eben. »Ob die auf dem Gipfel eine Beschluss verkünden oder gemeinsam was in den Schnee pissen, hat die gleich Verbindlichkeit.« Der Satz ist leider nicht von mir. Er ist von Volker Pispers. Und er zielt ins Schwarze. Genau so ist es. In Elmau saßen Leute, die nicht nur Mehrheiten brauchten, um ihre in netter Atmosphäre beschlossenen Beschlüsse in die Tat umzuwandeln. Dort saßen vorallendingen Leute, die zunächst bei Konzernen antichambrieren und katzbuckeln müssen, um etwaige Beschlüsse verwirklichen zu wollen. Denn allen Berichten zum Trotz, dort hockten eben nicht die mächtigsten Menschen auf Erden um einen Tisch. Es waren eher die Befehlsempfänger der mächtigsten Gesellschaften der Welt, die man in die Alpen verfrachtete. Aber ohne Rücksprache mit der Automobilindustrie, den Lobbyverbänden, den Mineralölunternehmen und der Schwerindustrie ist da nichts zu machen.

Aber die Medien tönen, als werde auf solchen Veranstaltungen die Welt verändert. Als sei es von existenzieller Bedeutung, wenn dort in Schnee gepisst wird oder man Schneeengel fabriziert. Sie halten die schöne Vorstellung aufrecht, dass die Fäden der Welt von denen gezogen werden, die die Wähler dieser Welt mit Fäden ausstatten. Gerade so, als gäbe es das Primat der Politik noch.
Bloß das gibt es eben nicht mehr. Nicht in zentralen Fragen. Da ordnet sich alles dem Wirtschaftslobbyismus unter. Und ob diese Leute auf ihrem Schloss nun beschlossen haben, die Erde zu einem saubereren Ort zu machen oder nicht, ist in etwa so, als würde ich heute spontan den Beschluss fassen, mir eine Villa im Toskana-Stil am Rande der Weinberge mit Pool im Patio zuzulegen, ohne jedoch vorher mit dem Kundenberater meiner Bank gesprochen zu haben, der mich gemeinhin berät und mir Kredite auch verweigern kann. Die Staats- und Regierungschefs zu Elmau haben etwas verkündet. Gut. Sie haben aber nicht danach gefragt, ob sie dafür überhaupt Kredit erhalten. Jubel erscheint da doch vorschnell.

Am Ende scheitert es dann vielleicht, wie es immer scheitert. Einer aus der Gruppe schert aus, verbalisiert, dass die Pläne zunächst nicht umsetzbar wären und dann heißt es, dass man gewollt hätte, aber da ist mal wieder einer abgesprungen, tut uns leid. Unter Umständen wird das der nächste Republikaner bestellen, der ins Weiße Haus zieht und traditionell keinen Hang zum Umweltschutz hat. Bei der Bildzeitung tourt Jeb Bush schon mal vor dieser Tage. Gewöhnen wir uns schon mal an sein Gesicht.
Man sollte sich in der Postdemokratie abgewöhnen, die Dinge, die man uns serviert, auch als die Dinge anzusehen, die wir verzehren dürfen. Beides hat in diesem Nachsystem keine Korrelation mehr. Beides ist voneinander unabhängig. In der Postdemokratie geht es für die Verantwortlichen darum zu punkten, sich medial aufzuhübschen, sich als Gewissenhaftigkeit für die nächste Wahl zu qualifizieren und lauter so Absichten mehr. Umwelt- und Klimaschutz kommen gut an. Sie garantieren Zuspruch. Was dann konkret geschieht, das muss man ja nicht gerade in Elmau besprechen. Hinstellen, was sagen, Einheit zeigen und sich feiern lassen. Aber das letzte Wort, das sprechen andere. Das sagt man nur eher selten, denn es soll demokratisch aussehen im Westen.
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