Im Turm | Josiah Bancroft

Im Turm | Josiah Bancroft

Titel: Im Turm (The Books of Babel #1)

Autor: Josiah Bancroft

Übersetzerin: Sabine Thiele

Format: Taschenbuch

Preis: 14,99 €

Seitenzahl: 448 Seiten

Verlag: Heyne

ISBN: 978-3-453-31950-9

Bewertung: 5 Sterne

Rezensionsexemplar

Inhalt

Das gewaltigste Bauwerk das jemals geschaffen wurde ist der Turm von Babel. Niemand weiß wo er endet, denn er ragt weit in die Wolken hinein und in seinem Inneren gibt es unzählige Reiche, die unterschiedlicher und gefährlicher nicht sein könnten.
Thomas Senlin ist Schulleiter an einer Dorfschule und möchte gemeinsam mit seiner frisch angetrauten Frau ihre Hochzeitsreise im Turm verbringen. Doch dann verschwindet Marya spurlos und Senlin bleibt keine Wahl: wenn er sie wiederfinden will, muss er in den Turm…


Durch den Newsletter von Heyne bin ich auf das Buch aufmerksam geworden. Der Klappentext sowie das Cover haben mich sofort angesprochen und ich bin sehr glücklich gewesen, dass ich das Buch zugeschickt bekommen habe, denn das Lesen hat sich gelohnt! Herzlichen Dank an das Bloggerportal für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Das Buch ist in drei Teile unterteilt, die gleichzeitig auch drei verschiedene Stationen im Turm darstellen. Zunächst beginnt die Reise von Thomas Senlin und seiner Frau Marya. Die beiden scheinen auf den ersten Blick überhaupt nicht zusammen zu passen und doch haben sie sich verliebt und geheiratet. Senlin ist ein angesehener Schuldirektor, sehr gebildet, gepflegt und kontrolliert. Er geht keine Risiken ein und hat sich deshalb mit Hilfe eines „Allgemeinen Führers durch den Turm von Babel“ eingehend auf seine Hochzeitsreise vorbereitet. Das Ziel der beiden sind die Bäder, welche atemberaubend sein sollen.
Doch schon auf den ersten zwanzig Seiten geschieht das Unglück: auf dem Markt direkt vor dem Turm verschwindet Marya spurlos. Zwischen all den Ständen und Menschen kann Senlin sie nicht mehr finden. Nachdem er einige Zeit vor dem Turm gesucht hat, lernt er einen jungen Mann kennen, der ihm seine Hilfe anbietet. Doch schneller als Senlin liebt ist wird er bestohlen und steht völlig alleine da. Er weiß nur eines: Marya und er wollten zu den Bädern. Was, wenn seine Frau diesen Weg eingeschlagen hat um ihn zu finden? Also macht er sich auf den Weg zu den Bädern und damit beginnt das große Abenteuer.

„Der Turm von Babel wird manchmal auch der Abfluss der Menschheit genannt. Seine Größe, die Vielfalt seiner Ringreiche, seine mysteriösen und verschwenderischen Ausmaße üben eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf alle Besucher aus. Wir werden davon angezogen wie Wasser von einem Abfluss.“ 
Aus der Einleitung des Allgemeinen Führers durch den Turm von Babel (14. Auflage)

S.7

Der erste Teil „Das Untergeschoss und der Salon“ stellen den Protagonisten Thomas bereits auf eine harte Probe. Er muss nicht nur lernen, dass er niemandem vertrauen kann, sondern auch, dass man sich nicht immer auf geschriebenes Wort verlassen sollte. Denn sehr schnell wird ihm klar, dass der Allgemeine Führer durch den Turm von Babel nicht das widerspiegelt, was er innerhalb des Turms erlebt. Diese Tatsache wird nicht nur durch die Erlebnisse von Thomas deutlich, sondern auch durch die Kapitelanfänge, die mit einem Zitat aus dem Führer beginnen. Der Kontrast könnte nicht größer sein und das hat das Buch noch lesenswerter gemacht.
Über die Erlebnisse im Untergeschoss und vor allem im Salon möchte ich nicht mehr erzählen, denn das wären natürlich große Spoiler, die das Lesevergnügen schmälern würden. Ich muss jedoch sagen, dass diese ersten 133 Seiten mich in seinen Bann gezogen haben. Der Grundstein ist gelegt worden, denn ich habe das Buch kaum mehr aus der Hand legen wollen. Durch den ersten Teil hat man als Leser auch ein Gefühl für den Turm und seine Eigenheiten bekommen. Man weiß längst nicht alles und wird wohl auch nie alles darüber erfahren, doch all die Geheimnisse und korrupte Machenschaften machen klar, dass man im Turm keine Freunde findet. Man kann nur auf sich selbst zählen und das muss Thomas Senlin schmerzlich lernen.

„Es ist einfacher zu akzeptieren, was man geworden ist, als sich daran zu erinnern, wer man einmal war.“ 

S. 269

Die beiden Titel der folgenden Teile möchte ich aus Spoilergründen nicht nennen, kann jedoch mit meiner Lobeshymne nicht aufhören. Die Spannung steigt von Kapitel zu Kapitel. Man möchte wissen, wohin die Reise geht, was für Gefahren Senlin noch durchstehen muss und ob er sein Ziel erreichen wird. Die Wege, die er einschlagen muss sind unglaublich, erstaunlich, interessant und werden von Seite zu Seite waghalsiger. Der kontrollierte und gepflegte Schulleiter, der sich niemals unnötigem Risiko ausgesetzt hat, verschwindet nach und nach. Der Turm verändert Senlin und diese Entwicklung in seinem Charakter, welche sich durch das gesamte Buch zieht, ist einfach grandios. Man verfolgt Seite um Seite, wie er mehr über sein Leben, seine weiteren Schritte und sein Ziel, Marya wiederzufinden, nachdenkt und reflektiert. Er erkennt seine Fehler und Unzulänglichkeiten und wächst daran. Aus dem kontrollierten Mann wird schrittweise ein unabhängiger und teilweise auch waghalsiger Abenteurer, der sein Ziel niemals aus den Augen verliert und dafür alles tun würde. Senlin muss auf harte Weise lernen, wie man im Turm zurecht kommt und er erweist sich als äußerst erfinderisch, wenn es darum geht, voran zu kommen. Dabei hilft ihm natürlich sein Hintergrund als Schulleiter und allgemein sein Interesse daran, etwas zu lernen, immens. Gleichzeitig werden ab und an Sequenzen aus seinem Leben vor dem Turm erzählt, was vor allem die Beziehung zwischen ihm und Marya etwas deutlicher macht.

Auch wenn die junge Frau im Buch irgendwie eine zentrale Rolle spielt, so fühlt sie sich eher wie Nebel an, den man einfach nicht zu fassen bekommt. Sie ist wie ein Geist, dem man nachjagt und hinter jeder Ecke vermutet, um dann doch enttäuscht zu werden. Die Suche nach diesem wundersamen Wesen, das der gesamte Lebensinhalt von Senlin zu sein scheint ist wohl eines der größten Abenteuer, die ich je gelesen habe. Dieser Turm beherbergt so viele Geheimnisse, wundersame Wesen und unbekannte Technologien, dass meine Neugier komplett geweckt ist. Doch nicht nur diese gesamte Idee und Umsetzung hat mich vollends in seinen Bann gezogen, sondern auch die Art und Weise wie Bancroft schreibt. Er hat einen flüssigen Schreibstil, der förmlich an das Buch klebt. Man liest Seite um Seite ohne zu merken, dass man liest. Sofort tauchen Bilder im Kopf auf, denn Bancroft beschreibt den Turm und seine Bewohner auf so eindrückliche Weise, dass man nicht anders kann, als sich alles so detailreich wie nur möglich vorzustellen. Gleichzeitig sind so viele gute Gedanken in dieser Geschichte versteckt, dass ich gegen Ende noch etliche Zitate markiert habe. Diese Reise hat sich unglaublich gelohnt und ich bin froh, gemeinsam mit Tom Senlin ein Stück des Turmes von Babel erkundet zu haben.

„In den Momenten vor dem Sturz in den Tod wird der große Intellekt auf ein schweigendes Nichts reduziert. Der Geist ist nichts weiter als eine Tür ins Dunkel.“

S.347

Fazit

Diese Fantasy-Reihe verdient so viel mehr Aufmerksamkeit. Josiah Bancroft hat mit „Im Turm“ einen actionreichen, spannenden und vor allem genial durchdachten Auftakt geliefert, der vor allem durch den Protagonisten Thomas Senlin besticht. Seine Charakterentwicklung und Reise durch Teile des Turms sind unglaublich unterhaltsam, wundersam und haben mich in Begeisterung versetzt. Die Art und Weise wie Bancroft erzählt ist genial und ich kann wirklich jedem, der gerne Fantasy liest, diese Geschichte nur ans Herz legen. Ich hoffe sehr, dass auch die weiteren Teile übersetzt werden, denn diese Geschichte muss einfach gelesen werden.


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