Ikonen der Phantasie: Sonia Delaunay und Meret Oppenheim

Sonia Delaunay (125. Geburtstag am 14.11.2010) und
Meret Oppenheim (25. Todestag am 15.11.2010)
Die französisch-ukrainische Malerin und Designerin Sonia Delaunay war bis ins hohe Alter von 94 Jahren zeitlos modern und »Avantgarde«. Ihre künstlerische Betätigung galt den »angewandten Künsten«: Stoffe, Vorhänge, Möbel, Theateraufführungen, Bücher, Kirchenfenster, Kartenspiele, Teller, Autos. Sonia Delaunay war in der modernen Malerei seit 1910 richtungweisend und hat viele Strömungen vorweggenommen.
Nach einem Studium an der Kunstakademie Karlsruhe kommt sie 1905 nach Paris. Sie lässt sich zuerst von Matisse, Gauguin und van Gogh inspirieren: Dies spiegelt sich in klaren, großangelegten Farbflächen mit starken Konturen. Mit ihrem zweiten Ehemann, Robert Delaunay, lebt sie eine große Liebe und einmalige künstlerische Partnerschaft – zwei kongeniale Menschen haben sich gefunden. Das Ehepaar experimentiert mit Farben und möchte die »lichterfüllte Natur« abbilden. Sonia konzentriert sich auf die Atmosphäre von Licht und Bewegung mit durcheinanderwirbelnden Farbflächen, auf tanzende Paare, Menschen auf dem Boulevard St. Michel unter den neuen elektrischen Straßenlaternen. Ihr unverwechselbares Hauptmerkmal: Farbflächen konzentrischer Kreise. Vom 1. Weltkrieg überrascht, bleibt Sonia mit ihrer Familie bis Anfang der 20er Jahre auf der iberischen Halbinsel. Mit der russischen Revolution geht die unbeschwerte Zeit zu Ende, denn die Unterstützung durch ihre reichen Verwandten aus St. Petersburg entfällt. Für viele Jahre bestreitet sie den Lebensunterhalt mit ihrer »Design-Boutique«, ihre außergewöhnlichen Kreationen sind erst in Spanien, dann in Paris ein ungeheurer Erfolg. Ihr Verdienst ist in der Kunstgeschichte unbestritten, wenn sie auch nach dem Tod ihres Mannes aus Liebe vor allem sein Schaffen publik machen möchte und um dessen Anerkennung kämpft. Das Werk der beiden Delaunays spielt gleichermaßen in der Entwicklung einer rein abstrakten Kunst eine wichtige Rolle.
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Meret Oppenheim, geboren in Berlin (Charlottenburg), war eine deutsch-schweizerische Künstlerin und Lyrikerin. Sie gilt als eine der wichtigsten Vertreterinnen des magischen Surrealismus. Sie hat gemalt, gezeichnet, Kleidung, Schmuck, und Möbel entworfen, Objekte hergestellt oder konzipiert, Kostüme und Bühnenbilder für Theateraufführungen geschaffen und Gedichte verfasst. Objekt und Zeichnung, Poesie und Photographie sowie Angewandtes stehen nebeneinander; ihr Markenzeichen ist die phantasievolle Überraschung.
Merets Lieblingsfächer in der Schule sind Deutsch, Geschichte, Zeichnen und Naturkunde. Ihre Zeichnungen in ihrem Mathematikheft zeigen schon früh ihr Talent. Sie möchte Malerin werden. Ihre Großmutter Lisa Wenger besuchte die Kunstakademie in Düsseldorf und war Malerin und eine berühmte Kinderbuchautorin. So kam Meret schon frühzeitig in Kontakt mit Kunstschaffenden, auch mit dem Schriftsteller Hermann Hesse, der mit ihrer Tante Ruth Wenger einige Jahre verheiratet war.
1931 beschließt Meret Künstlerin zu werden. 1933 fährt sie mit der befreundeten Künstlerin Irène Zurkinden nach Paris. Sie lernt Giacometti und Arp kennen, die von ihrer Arbeit begeistert sind und sie einladen, im Salon des Surindépendants auszustellen. Sie verkehrt in den Kreisen von Breton, Duchamp und Ernst, und es entstehen einige ihrer bekanntesten Kunstobjekte wie die berühmte Pelztasse Déjeuner en fourrure und Ma gouvernante – my nurse – mein Kindermädchen. Man Ray Fotos von ihr folgen 1934 in dem Bildzyklus Érotique voilée, was zu ihrem Ruf als „Muse der Surrealisten“ beiträgt. Um etwas Geld zu verdienen, macht sie 1936 auch Modeentwürfe. 1936 wird Meret mit ihrem Objekt Frühstück im Pelz, einer pelzbezogenen Kaffeetasse, berühmt. 1937 folgt ihr Auftritt in einer Gruppenausstellung der Surrealisten. Während einer Schaffenskrise kehrt sie in die Schweiz zurück und besucht dort für zwei Jahre die Gewerbeschule, um ihre technischen Fertigkeiten zu verbessern. 1939 beteiligt sie sich an einer Ausstellung für fantastische Möbel und zeigt dort unter anderem einen Tisch mit Vogelfüßen.
Sie heiratet 1949 und lebt mit ihrem Mann Wolfgang La Roche bis zu dessen Tod 1967 in Bern. In Bern hat sie ihr eigenes Atelier. Sie wird präsentiert in den Museen von Stockholm, Winterthur und Duisburg. 1974 erhält sie den Kunstpreis der Stadt Basel. Anfang der 80er Jahre produziert sie ihre Gedichte unter den Titeln Sansibar und Caroline. 1982 erhält sie den großen Preis der Stadt Berlin und nimmt an der documenta 7 in Kassel teil. Ihr Oppenheimbrunnen wird 1983 in Bern eingeweiht. 1985 erschafft sie eine Brunnenskulptur für die Jardins de l'ancienne école Polytechnique in Paris. Kurz vor ihrem Tod wird sie Mitglied der Akademie der Künste, Berlin. Am Tag der Vernissage zu ihrem Buch Caroline, am 15. November 1985, stirbt Meret Oppenheim. Nach ihr benannt ist der Schweizer Kunstpreis Meret Oppenheim.
Originalzitat Sonia Delaunay: „Die Schönheit lehnt ab, sich dem Zwang der Sinngebung zu unterwerfen.“
Originalzitat Meret Oppenheim: „Jeder Einfall wird geboren mit seiner Form. Ich realisiere die Ideen, wie sie mir in den Kopf kommen. Man weiß nicht, woher die Einfälle einfallen; sie bringen ihre Form mit sich. So wie Athene behelmt und gepanzert dem Haupt des Zeus entsprungen ist, kommen die Ideen mit ihrem Kleid.“
Evelyn Thriene (16.11.2010)
Original-FemBiografie zu Sonia Delaunay von Adriane von Hoop
http://auf www.fembio.org.
Original-FemBiographie zu Meret Oppenheim demnächst auf
http://www.FemBio.org.

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