Ihre Meinung zu BILD...

Das Konzept ist ungemein durchtrieben. Um Eigenwerbung zu betreiben, wirbt die BILD-Zeitung prominente Zeitgenossen an, die frei von der Seele weg etwas zu eben dieser BILD-Zeitung sagen dürfen - gerne auch etwas Negatives. Kritischere Promis lassen sich deshalb auch darauf ein. Denn immerhin erhalten sie damit die Möglichkeit, öffentlich und medienwirksam gegen den Axel Springer Verlag zu schießen - und dabei wie kritische und unbequeme Persönlichkeiten zu wirken. Leider reagieren nicht alle BILD-Gegner wie Judith Holofernes. Im Gegenteil, sie wähnen sich besonders ausgekocht, weil sie glauben, der BILD ein Ei ins Nest zu legen, wenn sie etwas Kritisches absondern - "ist die BILD doch tatsächlich so blöde und erlaubt mir, auf ihren eigenen Seiten gegen sie zu schießen", freuen sie sich dann. In Wirklichkeit geben sie aber der BILD-Zeitung einen selbstkritischen und offenen Anstrich - plötzlich sieht es so aus, als würde man im Hause Springer auf Objektivität achten und auch BILD-Kritiker ernstnehmen und zu Wort kommen lassen.

Könnte man diesen scheinbar faustischen Pakt, der keineswegs dazu führt, dass der werbende Prominente dem Blatt Schaden zufügt, der eher dazu führt, dass er vorgeführt und lächerlich gemacht wird, weil er durch seine kritischen Worte die BILD objektiviert... könnte man diesen Pakt denn wirklich so ausnutzen, dass die Werbekampagne zum Nachteil gereicht? Judith Holofernes' mutige Zeilen waren rigoros - aber selbst die zog die BILD-Redaktion heran, um sie als Werbung zu mißbrauchen. Wie aber sonst vorgehen? Ist es ganz und gar ausgeschlossen, eine solche Anfrage des Axel Springer Verlages so zu verwenden, dass am Ende nicht Objektivität, sondern eine öffentliche Anklage steht?

Wer benötigt würde, wäre ein halbwegs annehmbarer Prominenter, der nicht allzu verdorben wäre vom herrschenden Medienzirkus und seinem Hang dazu, auch eigentlich unpolitische Künstler in Talkrunden zu laden, in denen sie Farbe bekennen sollen. Und es müsste ein halbwegs begehrlicher Mensch sein, der für die BILD-Zeitung einen werbenden Leckerbissen darstellt. Diese Person müsste sich vertraglich versichern lassen, dass seine Äußerung auch wirklich erscheint - er würde sich nicht die Mühe machen, sich etwas zur BILD einfallen zu lassen, nur damit es hernach in der Schublade der PR-Agentur landet, via der BILD an ihre Werbefiguren herantritt. Dann nur ein kurzer Satz vielleicht, der Werbung is
t und zugleich Anklage: "Die BILD hat bei der Tötung Rudi Dutschkes mitgewirkt. Sie schrieb damals: 'Man darf über das, was zur Zeit geschieht, nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Und man darf auch nicht die ganze Drecksarbeit der Polizei und ihren Wasserwerfern überlassen. Schlafen unsere Richter? Schlafen unsere Politiker?' - Daher lese ich BILD, weil ich wissen will, wer als nächstes dem Volkszorn vorgeworfen, wer als nächstes er- oder angeschossen werden soll!"

Erschiene dieser Ausspruch eines couragierten Prominenten auf Plakaten und zierte Bushaltestellen und Litfaßsäulen, vermutlich würde die BILD-Redaktion nicht davor zurückscheuen, ihn als großes Lob zu stilisieren. BILD zeichnet den politischen Betrieb nicht nur nach, würden sie stolz erklären, BILD macht sogar noch mordsmäßige Politik...


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