ICSI-Tagebuch Teil 4

2016-04-21 23.07.42

Ich habe eine Weile gebraucht, aber ich denke, jetzt ist es an der Zeit. Wer meine Tagebuch-Einträge zu unserem letzten ICSI-Versuch verfolgt hat, hat sich sicherlich gefragt, warum nach dem Punktionstermin nichts mehr an Neuigkeiten kam. Das hatte verschiedene Gründe. Der erste Grund: Ich kann aus rechtlichen Gründen nicht ins Detail gehen, was genau passiert ist. Deswegen tue ich mich auch wirklich schwer, das hier jetzt zu schreiben, aber so ganz offen lassen kann ich die Geschichte jetzt auch nicht. Einigen wir uns einfach darauf, dass unser zweiter ICSI-Versuch vor der Punktion abgebrochen wurde.

Ein weiterer Grund ist, dass ich das, was passiert ist, oder eben auch nicht passiert ist, erst einmal verarbeiten musste – zumindest vordergründig. So richtig, das merke ich momentan, werde ich diese Strapazen und die Belastung vermutlich nicht verarbeiten können, bis wir ein hoffentlich gesundes Kind in unseren Armen halten können.

Aber auf die Vergangenheit zu blicken, hilft ja auch nur bedingt weiter. Aber auf den Moment zu sehen, und einen Blick in die nähere Zukunft zu werfen, kann ja auch ganz interessant sein.

Fakt ist: Wir bereiten uns gerade auf den Wechsel in eine andere Klinik vor. In Hamburg zu wohnen, hat den großen Vorteil, dass es viele Auswahlmöglichkeiten für uns gibt. Unsere bisherige Klinik hatten wir hauptsächlich aufgrund der Erreichbarkeit gewählt – sie liegt ziemlich genau zwischen unserer Wohnung/meinem Arbeitsplatz und Christophs Arbeitsplatz. So konnten wir uns auf halber Strecke treffen.
Aber wir waren ja bereits nach unserer ersten ICSI nicht so richtig zufrieden, und ich hatte den Wechsel in eine andere Klinik herausgeschoben, und dachte mir, dann machen wir eben erst einmal die Kryo mit der alten Klinik. Und dann hatte ich so ein gutes Bauchgefühl beim zweiten ICSI-Versuch… und meine Batterien sind einfach alle.

Ehrlich: Ich habe keine Ahnung, wie ich einen Klinikwechsel mental noch schaffen soll, ich habe das Gefühl unter der Belastung zu zerbröseln. Ich schlafe ohne Hilfe nicht mehr, wälze mich die halbe Nacht schreiend durchs Bett, bis ich irgendwann vor lauter Erschöpfung einige Stunden einschlafen kann – oder ich nehme direkt Doxylamin und schlafe dann 12 Stunden oder länger. Ich habe durch die Hormone nochmal wieder zugenommen, fühle mich entsprechend mit meinem Körper völlig falsch. Body-Positivity will ja, dass wir unseren Körper als Verbündeten betrachten, aber mein Körper betrachtet mich nicht mehr als Verbündete, zu Recht, was ich ihm alles antue.

Belastung mit Hormondosen jenseits von jeglicher Normalität, Stress, ständige Übermüdung, Vollnarkosen, Ultraschalle, verlängerte Zyklen, verkürzte Zyklen, Wassereinlagerungen, Blähungen, Verstopfungen, heftige Periodenblutungen nach den jeweiligen Zyklen, egal ob ICSI oder Kryo.

Alles zehrt und zerrt an uns. Wir finden uns immer wieder, als Paar, als Freunde. Aber es ist hart. Es gab im vergangenen Zyklus Tage, an denen wollte ich nicht mehr leben. Es gab Tage, an denen wollte ich abhauen, einfach einen Koffer mit ein paar Sachen packen und verschwinden und nie wieder kommen. Dass wir all das durchstehen werden, daran kann ich nur glauben, weil ich weiß dass ich das hier so offen schreiben kann, und Christoph es mir nicht übel nehmen wird.
Weil wir beide eine Familie wollen, und weil wir uns das immer wieder bewusst machen, es uns sagen, wenn wir anfangen zu zweifeln. Ich brauche definitiv mehr Rückversicherung, aber bei meiner Geschichte ist das ja auch kein Wunder.

Die wichtigsten Unterlagen über unsere Unfruchtbarkeit bestehen aus 21 Seiten.
Bislang haben wir etwa 2800 Euro für unsere Kinderwunschbehandlung ausgegeben – trotz Erstattungsverfahren der DAK, die damit fast 100% der Behandlungskosten übernimmt.
Kryokonservierung: 420 Euro *kaching – Kryozyklus: 820 Euro *kaching*
Zusätzliche Medikamente wie Estrifam und Utrogest, die die Kasse nicht zahlt: *kaching* *kaching* *kaching*
Nun hoffen wir auf eine Steuerrückzahlung, damit wir in den zwei Wochen “Sommerurlaub”, die wir im September geplant haben, wenigstens irgendwo hinfahren können. Das soll jetzt keine Rumheulerei sein (na gut, vielleicht ein bisschen), aber es geht mir einfach darum, wieder einmal die Realität abzubilden.
Und hey, wir haben ja sogar noch Glück im Ganzen Unglück: Wir haben beide einen Job, müssen nicht noch die Hälfte der ICSI selberzahlen, im Großen und Ganzen könnte es noch viel viel schlimmer sein.

So. Da ist es, das Update. Ob und wann ich wieder schreibe oder Videos mache, weiß ich noch nicht. Erstmal machen, dann reden.


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