Ich will kein Hilfslehrer sein – meine Angst vor der Schulzeit

In wenigen Wochen wird der feine Herr sechs Jahre alt. Der erste Zahn wackelt bereits, die Vorschule läuft und sowieso kommt mir mein großer Sohn gerade wirklich wahnsinnig groß vor. Er ist gerade bei so vielen Sachen mit Spaß und Ehrgeiz dabei, sei es der Schwimmkurs, sein Fußball und alles, was er ganz allein hinbekommen möchte.

Ja, man merkt langsam, es wird Zeit für die Schule. Und so nötig diese Veränderung ist, so sehr fürchte ich auch den Bruch mit unserem jetzigen Alltag. Ich meine, mit dem Kindergarten im Rücken, auf den ich mit 100% verlassen konnte, ist dann Schluss. Waaaaah. Ich denke jetzt mal an diese unendlich langen und häufigen Ferienzeiten und die kurzen Stundenpläne. In einem Jahr steht mein kleiner großer Sohn schon um 11 Uhr auf der Matte. Und mindestens an meinen drei Arbeitstagen bin ich dann auf den Hort angewiesen.

Das heisst nicht nur, der feine Herr muss sich auf neue Bezugspersonen einstellen, sondern auch wir. Wie kommt man miteinander klar? Wie sind die Regeln in den Einrichtungen? Und wie schnell bekommt der feine Herr bei so vielen anderen Kindern Anschluss? Ich sehe hier jedenfalls im Wort-Case eine Menge Konfliktpotenzial. Möööp.

Und dann lese ich den Text von StandLandKind über eine Mama, die nach der Arbeit nicht nur den Haushalt wuppt und die Kinder von A nach B gurkt, sondern auch noch täglich stundenlang Hausaufgaben macht. Weil es die Kinder ganz ohne Hilfe gar nicht gebacken bekommen, den knackigen Berg an Aufgaben inklusive Heftverzierungen zu schaffen. Eingeforderte Hefteverzierung – muss man sich mal geben.

Hätte ich mir nicht noch die Kommentare zu diesem Blogost durchgelesen, hätte ich schwören können, das wäre maßlos überspitzt. Aber holy shit – die meisten Eltern bestätigen die Situation. What. The Fuck. Kommt da auf uns zu?

Leider kann ich ja von mir nicht auf den feinen Herrn schließen. Ich war nämlich meine ganze Schulzeit lang ein echter Streber. Ich mochte Hausaufgaben. Und ich erledigte sie immer gleich nach der Schule und war auch relativ schnell fertig. Meine Mama musste mir bis auf Diktate und ab und zu bei Mathe (inklusive hysterischer Anfälle meinerseits) kaum helfen. Das einzige was mich manchmal in Schwierigkeiten brauchte, war mein loses Mundwerk und meine Ehrlichkeit.

Wird der feine Herr nun auch so werden wie ich? Mein HerrSjardinski, der immer während dem Aufräumen ins Spielen übergeht? Der eine halbe Stunde braucht, bis er bettfertig ist, weil er noch Quatsch vorm Spiegel machen muss? Der eben immer gerne vor sich hin träumt? Ein loses Mundwerk hat er ebenfalls. Doch ich denke gerade am Anfang braucht er noch etwas Hilfe, um sich selbst zu organisieren. Und damit meine ich nicht unbedingt, dass ich ihm die Aufgaben vor sage. Nein, ich sehe mich nämlich NICHT als Hilfslehrer. Die Hausaufgaben haben ja den Sinn, das Erlernte daheim anzuwenden. Und funktioniert das nicht, tja, dann ist der Lehrer gefragt. Und nicht die Eltern.

Versteht mich nicht falsch. Natürlich möchte ich, dass mein Kind gut in der Schule ist und dass er Spaß daran hat zu lernen. Aber Hausaufgaben sind eine Verabredung zwischen Lehrer und Kind. Und nicht zwischen mir und dem Lehrer. Ich werde als ganz bestimmt nicht den verkackten ganzen Nachmittag mit dem Herrn an den Hausaufgaben bosseln. Ist die Menge der Aufgaben nicht schaffbar, dann muss das beim Lehrer angesprochen werden. Ich seh es nämlich nicht ein, schon im ersten Schuljahr über eine Work-Life-Balance meines Kindes nachdenken zu müssen.

Ansonsten ist die Aufgabe von uns als Eltern, Organisation und Eigenverantwortung zu vermitteln. Welche Aufgaben sind wichtig? Mit welchen Konsequenzen muss ich rechen? Was ist relevanter: Mathe-Übungen und Lückentexte oder die Verzierung eines Heftchens?

Und dann gibt es ja noch das gute alte „Mut zur Lücke“. Ich sehe das auch ungemachte Hausaufgaben einen Lerneffekt für´s spätere Leben haben: Nämlich mit Freestyle besser klar kommen und sich schnell selbst organisieren können. Beispiel? Während ich minutiös alles planen muss, kommt mein Mann mit Organisation auf den letzten Drücker viel besser zu Recht. Und mit dem Stress der da dran hängt.

Und ansonsten braucht man einfach nur eine schlüssige Erklärung, warum man die Aufgaben nicht gemacht hat, und muss mit den Konsequenzen leben. Dann ist alles tutti.

Das einzige was ich nicht leiden kann, ist Ungerechtigkeit. Wenn man beispielsweise für ein schön verziertes Heft eine bessere Note bekommt als für einen korrekten Inhalt. Oder wenn Jungs generell schlechter bewertet werden. Oder gleich beim ersten Gerangel als Störer abgestempelt werden. Und da sehe ich mich schon etwas auf Krawall gebürstet.

Ihr seht, ich male mir das hier gerade so aus. Und bin gespannt, was ich euch in einem Jahr berichten kann. Ich fürchte nur sehr, dass ich zur Löwenmutter mutiere. By the way: Müssen Mamas eigentlich auch nachsitzen?

Wie ist das bei euch in der Schule? Sind es viele Hausaufgaben? Müsst ihr ot helfen? Wie klappt die Nachmittagsgestaltung mit Spielbesuch und Hobbies? Oder seid ihr schon mit Lehrern aneinandergeraten?



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