Ich schreibe meinen Namen in die Wolken

Ich schreibe meinen Namen in die Wolken

Der Film, den ich mir gestern ansah, trug den Titel Ich schreibe meinen Namen in die Wolken. Ein seltsamer Film in grobkörnigen schmutzigen Bildern, gelbstichig, als würde er kränkeln und fiebern und müsse nun von sich in monotonen gleichförmigen Worten berichten, wenn er sich nur irgendwie am Leben halten wolle.

Eine verstört dreinblickende Ingrid Sämann, die man aus Händler der Lampen in Erinnerung hat, spielt die Tochter eines Wirts auf dem Land, dem plötzlich alles unter den Händen zu Staub im Wind gerät, eher zu Sägespänen, weil Holz dort, wohin uns der Film entführt, eine so große Rolle spielt.
Sämann erzählt die Geschichte ihrer Familie aus dem Off, sie jammert nicht, sie nimmt zur Kenntnis und dies mit Worten, die so leer sind wie die Bewohner dieses Landstrichs. Bedeutungslos, fatalistisch, aber doch mit der Zärtlichkeit derer ausgestattet, die nichts anderes haben als sich, und daher gewohnt sind, das zu lieben, was sie umgibt.

Irgendwann rast die Mutter mit dem jüngeren Hartmut davon, hinein in eine Nacht, die sie stumm verschluckt. Hartmut wird von der Tochterstimme mit einer für den Film ungewohnten Eindringlichkeit beschrieben. Da ahnt man, wer sich hier noch betrogen fühlt. Nur ausgesprochen wird es nicht, weil die Offenbarung von Gefühlen denen vorbehalten bleiben sollen, die gegangen sind.

Hartmut, der von Michael Krohn gespielt wird und der ihn nicht spielen muss, weil er Hartmut ist, der ihn auf eine derart nachdrückliche Weise mit beiläufigen Gesten füllt, wie man es bisher selten im deutschen Fernsehen sehen konnte, flieht mit seiner Geliebten in eine Zukunft, die irgendwo hinter dem Abspann liegt und die unseren Träumen überlassen bleibt. Michael Krohn muss auf dieses Rollenangebot gewartet haben, vielleicht ebenso verzweifelt wie Hartmut auf Michaela, die ihn wie eine Puppe zum Wagen führt, der die Maschine ist, die den Lauf der Geschichte ändern soll.

So viele wunderbar verhaltene Bilder, die nicht aus sich ausbrechen können, so, wenn der Wirt seine Frau Michaela (Annette Bohn) an sich drückt, so verzweifelt, so voller Inbrunst. Man sieht dieser liebenden Gewalt an, dass es ihr nicht um Festhalten geht, um Liebe, sondern um Sucht. Da ist einer von dem Stoff abhängig geworden, den er meint, all die Jahre fest im Griff gehabt zu haben und der ihn töten wird, wenn er nicht mehr auf ihn zurückgreifen kann. Wie alle Süchtigen irrt der Wirt, wird er untergehen, auch wenn der Film das nicht zeigt, sondern nur andeutet, in all seinen kleinen Bewegungen, in Blicken, die das, was kommen wird, vorwegnehmen.

Wenn sich Hartmut und Michaela später, fast schon gegen Ende des Films, kurz vor ihrer Flucht, lieben, dann schweift Michaelas Blick zum Fenster und verliert sich in den Wolken, die weiter ziehen, die keine Rast finden, die vom Wind getrieben, morgen schon aufgelöst oder woanders sein werden, die ihre Form verändern, die nie so bleiben werden wie sie sind und wie wir sie mit unseren Augen sahen.

Alle verlieren sich in diesem Film über das Verschwinden, auch wir Zuschauer, die sich in diesem von wunderbaren Naturaufnahmen durchleuchteten Film in all den Nebengebäuden und Hütten, den Wäldern, den Feldern rasch verlaufen.

Eine Kamera (Laszlo Kovacs), die stets ein bisschen daneben filmt, die nie genau drauf hält, die sich mehr für das zu interessieren scheint, was neben den Gesichtern, neben den Dialogen geschieht, die ebenso hoffnungslos wie ihre Protagonisten allmählich in einem großen Nichts zu verschwinden droht.

Ein leiser und langsamer Film, der sich Zeit nimmt, dem Untergang aller beizuwohnen, den sie so bedächtig zelebrieren, als wären sie nur deshalb auf die Welt gekommen.
Am Ende sitzt der verlassene Wirt auf einem Holzklotz und raucht eine Zigarette. Er blickt dem Rauch nach, der sich formlos verflüchtigt und er schweigt ebenso wie die Stimme der Tochter, weil es nichts mehr zu berichten gibt, was die Bilder uns nicht schon längst erzählt haben.



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