Ich bin kein Serienkiller

Ich bin kein SerienkillerIch bin kein Serienkiller

Erscheinungsdatum: September 2010

Autor: Dan Wells

Verlag: Piper

Preis: 12,95 € (broschiert)

Leseprobe

Meine Bewertung: 3/5

“Ich hatte Tiere getötet und zerlegt und dabei ungefähr die gleichen Gefühle wie ein Kind, das mit Legosteinchen spielt.”

John Wayne Cleaver, 15 Jahre alt, lebt mit seiner Mutter in der amerikanischen Kleinstadt Clayton County. Neben der Schule hilft er seiner Mutter im Beerdigungsinstitut aus und hat dabei nur einen Hintergedanken; er ist fasziniert vom Tod, ist wie in Trance, wenn er Leichen betrachten kann. John weiß, er ist ein Soziopath, ein kranker Mensch, dem es nicht gelingt Empathie für seine Mitmenschen zu empfinden. Tief in seinerm Innern verbirgt sich ein Monster, das sich danach sehnt einen Menschen zu quälen und dabei zuzusehen, wie ein Lebewesen langsam und schmerzvoll stirbt. Aus diesem Grund hat sich John einige Regeln aufgestellt, die die Bestie in ihm bändigen sollen. John ist ein Einzelgänger, lässt niemanden an sich heran. Doch selbst wenn er Freundschaften wollte, würde sein unnatürliches Interesse für Serienmörder seine Mitmenschen nur abschrecken.
Als eines Tages ein Mörder sein Unwesen in der Kleinstadt treibt, versucht John herauszufinden, wer hinter den schrecklichen Morden steckt. Der Killer tötet seine Opfer auf eine unvorstellbar brutale Weise, nimmt stets ein Körperteil oder Organ der Toten mit und lässt schließlich die Leiche an einem öffentlichen Ort liegen.
John probiert dem Mörder auf die Schliche zu kommen und macht dabei eine verstörende Entdeckung.

Dan Wells Roman ‘Ich bin kein Serienkiller’ lebt von seinem einmaligen Protagonisten. Die Gedanken von John erscheinen häufig sehr fremd, sind gleichzeitig aber auf erschreckende Weise hochinteressant, weil sie die Gelegenheit bieten in die Psyche eines kranken Menschen hineinzuschauen. Zum einen erhält man einen Einblick in das Krankheitsbild eines Soziopathen, was durch die Beschreibungen seiner Therapiesitzungen noch interessanter wird. Andererseits erfährt der Leser aber auch, dass John trotz seines Dranges einen Menschen zu töten stets den Willen hat, das Monster in ihm im Schach zu halten. Das zeugt von einem klaren Menschenverstand, der tief in John immer noch vorhanden ist, und einem großen willen.
Aufgrund der verstörenden Gedanken des Protagonisten gelingt es zwar nicht immer Sympathie für John zu empfinden, doch trotzdem erreicht er den Leser durch seine starke Selbstberrschung und seinem Kampfgeist.
Die zwiegespaltene Persönlichkeit macht John zu einem facettenreichen Protagonisten. Alleine diese Tatsache macht das Buch schon lesenswert.

Hinzukommt, dass sich ‘Ich bin kein Serienkiller’ durch seinen Inhalt deutlich von anderen Büchern dieses Genres abhebt. Der leser kann nicht die Arbeit der Polizei verfolgen, wie es in Thrillern oft der Fall ist, sondern hier ist es der Protagonist John, der die ‘Ermittlungen’ durchführt. Er verfolgt eine völlig andere Vorgehensweise, lässt den Leser an seinen Plänen und Gründen detailliert teilhaben und geht dabei oft Risiken bei.
Zum anderen ist die Geschichte der Bluttaten an den Bewohnern der Stadt gekoppelt an eine Mystery-Horror-Geschichte, die die eigentliche Brutalität der Morde nochmals übertrifft. Man kann durchaus sagen, dass einige Stellen im Buch nichts zu zarte Gemüter sind. Doch gerade dieser Umstand macht ‘Ich bin kein Serienkiller’ auch zu einem spannenden Leseerlebnis.

Einziger Kritikpunkt ist, dass es einige Passagen gibt, die sehr langwierig sind. John schweift in seinen Gedanken oft ab, philosophiert über Dinge, die mit dem eigentlichen Verlauf der Handlung nicht in Verbindung stehen. So verliert die Geschichte das ein oder andere Mal an Spannung, sodass der Roman sein Niveau an Nervenkitzel nicht konsequent halten kann.

Fazit: ‘Ich bin kein Serienkiller’ ist ein rasanter Thriller, der besonders durch seinen ‘besonderen’ Protagonisten begeistert. John ist es, der mich über manche Schwächen des Buches hinwegsehen lässt, sodass ich auf den zweiten Teil der Reihe gespannt bin.

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar an den Piper Verlag.

Ich bin kein Serienkiller