Hundezucht im VDH - Worte und Taten #4

Wer hätte das gedacht? Die kleine Serie kann in ihrer 4. Ausgabe bereits eine gute Meldung notieren. In der zweiten Ausgabe hatte ich über die skandalöse Ignoranz von weiten Teilen der Züchterschaft und Funktionäre um den English Bulldog selbst gegenüber dem neuen gültigen FCI-Standard berichten müssen. Das war Anfang Juni. In den gut zwei Monaten seither haben sich grundlegend neue Aspekte ergeben.

Es geschehen noch kleine Wunder?

Am 29.07.2011 war ich zu einem Treffen im Haus des VDH mit Prof.Dr. Peter Friedrich, Präsident des VDH, und Bernhard Meyer, Hauptgeschäftsführer des VDH, eingeladen. Neben dem "Dortmunder Appell für eine Wende in der Hundezucht" war die Lage der Zucht und die notwendigen Maßnahmen zur Gesundung des Bulldogs das eigentliche Hauptthema.
  • Es bestand Einvernehmen, dass es dringend zu einer Wende in der Zucht der Englischen Bulldogge kommen muss.
  • Es bestand Einvernehmen, dass unter bestimmten Bedingungen eine Gesundung des Bulldogs ermöglicht werden kann.
Hundezucht im VDH - Worte und Taten #4Grundlage ist die Etablierung eines umfassenden Gesundzuchtprogramms. Die so schönen Worte von Professor Friedrich in seinem Artikel "Zuchtstrategien und ihre Anwendung" wurden hier in konkrete Handlungsmaßnahmen zur Gesundung dieser ersten Rasse der modernen Hundezucht gegossen. In einem sehr konstruktiven Gespräch wurden Aufgaben und Lösungsmöglichkeiten skizziert. Wir gehen davon aus, dass man den Bulldog noch retten kann und dass es hierzu primär an der bisherigen Züchterorganisation scheiterte. Eigene Versäumnisse räumte der VDH ebenso ein. Der VDH-Vorstand hat offenbar kein Vertrauen mehr in den Willen und in die Fähigkeit des "Allgemeinen Clubs für Englische Bulldogs e.V." (ACEB), so dass er inzwischen einen Antrag an das VDH-Verbandsgericht auf Ausschluss des ACEB aus dem VDH gestellt hat. Es ist nach 1976 im Übrigen das zweite Mal, dass der Bulldog-Zuchtverein aus dem VDH ausgeschlossen wird. Das Gesundzuchtprogramm für den Bulldog soll zeitnah und zunächst unter unmittelbarer Anleitung und Kontrolle des VDH auf den Weg gebracht werden.
Kritische Unterstützung zum Wohl der Hunde
Friedrich und Meyer fragten mich, ob ich diesen Weg begleiten wolle, was ich gerne bejahte. Was soll einem besorgten Hundefreund Besseres passieren, als dass der wichtigste Verband der Hundezucht genau die Dinge in Angriff nimmt, die man seit Jahren fordert? Klar, die Praxis ist das Kriterium der Wahrheit - das wird sich der VDH erst beweisen müssen. Und so wurde auch vereinbart, dass dieses Programm transparent, offen, überprüfbar stattfinden soll. Ich habe den Eindruck mit nach Hause genommen, dass es die Herren ernst meinen.
Hundezucht im VDH - Worte und Taten #4
Nachdem ich von diesem Gespräch in der Szene berichtet hatte, traf diese Nachricht auf ein überraschend negatives Echo unter so manchen vermeintlichen Bulldog-Freunden. Da sei ein Haken dran, der VDH würde es nicht ernst meinen, habe doch selbst genug Fehler gemacht, sagten mir besorgte Hundefreunde. Klar, aber warum soll denn gleich alles wieder negativ zerredet werden? Nichtzuletzt im geradezu vitalen Interesse der Hunde ist es zumindest einen ernsthaften Versuch wert, den man konstruktiv begleiten sollte. Das Wohl der Hunde hat überhaupt nichts von destruktivem Dauerstreit. Es ist mindestens 5 vor 12! Der Bulldog braucht dringend ein Gesundzuchtprogramm, um nicht in Qualzucht zu ersticken. Da heißt es, jede ernsthafte Chance zur Rettung dieser wunderbaren, einmaligen Hunderasse zu ergreifen. Sollte man allerdings feststellen, dass der VDH es nicht wirklich ernst meint, so wird man es schon erkennen und auch öffentlich anprangern können und müssen. Das wäre aber auch das Ende des Bulldogs. Es sei auch noch anzumerken, dass die schärfsten Kritiker selbst kaum etwas Konstruktives in Sachen Gesundzucht vorzuweisen haben, leider.

Kritik am VDH als Marketingstrategie

Mit dem negativen Echo von einer anderen Seite hatte ich allerdings gerechnet und es kam auch mit voller Wucht. Die miserable Situation der Bulldog-Zucht unter dem Dach des VDH hat eine Menge Profiteure. Die ganzen Schwarzzüchter, Vermehrer und Hundehändler konnten ihr Geschäft wunderbar mit dem Verweis auf die Unfähigkeit des ACEB über Jahre hinweg ausbauen (es gibt auch vereinzelte seriöse Bulldog-Züchter außerhalb des VDHs). Dem Welpenkäufer wurde regelmäßig suggeriert, man züchte deshalb nicht im VDH, weil dort die Gesundheit der Hunde missachtet würde. Man selbst sei hingegen der Zwinger, der sich der Gesundzucht verschrieben habe. Von dieser Marketingbehauptung lassen sich leider allzu leicht und vielleicht auch allzu gerne viele Welpenkäufer beeindrucken. So konnten Vermehrer und Hundehändler geschätzte 90% des Markvolumens erobern. Ein äußerst lukrativer Markt. Man kann mit Bulldog-Welpen ohne FCI-Papiere problemlos 1.000 bis 1.500 Euro erlösen. Mit FCI-Papieren sogar noch mehr. So hat sich beispielsweise eine Mafia etabliert, die in Deutschland gezüchtete oder per Hundehandel in Osteuropa dazugekaufte Bulldog-Welpen mit ungarischen oder griechischen FCI-Papieren ausstattet und so in Deutschland mit hohen Gewinnen vermarktet - bar jeder züchterischen Kontrolle. All diesen Geschäftemachern auf Kosten der Hunde drohen nun empfindliche Einbußen ihrer schmutzigen Profite. Durch das positive Beispiel eines Gesundzuchtprogamms wird der verlogenen Propaganda von wegen, "man züchte - im Gegensatz zum VDH - den gesunden Bulldog", die Grundlage entzogen. Deshalb wurde und wird über diverse Internetseiten und Foren eine geradezu aggressive Kampagne gegen meine Person, den VDH und seine Schritte in Richtung Gesundung des Bulldogs losgetreten. Leider scheinen sich auch manche Medien hiervon beeindrucken zu lassen.
Der Bulldog hat noch ein Chance.
Friedrich und Meyer zeigten sich fest entschlossen, eine solche Wende herbeizuführen. Sie wird als Chance für einen Neubeginn und einen neuen Aufschwung der Zucht des Bulldogs und des Vereinslebens um den Bulldog unter dem Dach des VDH gesehen. Der Bulldog hat noch ein Chance. Sollten die so hoffnungsvollen Zeichen auch tatsächlich zu konkreten und vor allem, nachhaltigen Handlungen des VDH führen und damit den Rahmen für die Wende in der Zucht setzen können, so wäre das die Rettung des Bulldogs! Ich kann das Misstrauen gegenüber den Absichtserklärungen des VDH voll verstehen.  Aber man sollte auch nach vorne schauen und Chancen im Sinne der Hunde beim Schopfe packen. Jeder Hundefreund sollte eine solche Entwicklung - wird sie dann Realität - aus vollem Herzen begrüßen und unterstützen. Und vielleicht ist der Bulldog nur ein Anfang für die vom Dortmunder Appell geforderte Wende in der Hundezucht zum Wohle der Hunde. Denn der Bulldog steht in seiner züchterischen Misere nicht allein. Etliche Hunderassen stehen kaum besser dar, meist nur nicht so deutlich nach außen sichtbar. Denn Epilepsie, Herzschwäche, Glaukome und viele andere durch die Zucht verbreitete Erbkrankheiten kann man nicht so leicht sehen. Hier im Blog habe ich vielfach berichtet und werde auch weiter berichten - müssen.
Hundezucht im VDH - Worte und Taten #4

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