Hot Chip: Abweichler

Hot Chip: AbweichlerHot Chip
„Why Make Sense?“

(Domino)
Dreiecke mag er also. Und Kreise natürlich. Weil die als Sinnbilder für das Unendliche herhalten können. Alexis Taylor hat sich neulich in einem Interview erschöpfend über seine Vorliebe für geometrische Formen ausgelassen, über den Reiz von Repetition und Variation. Dabei war es interessant zu erfahren, dass er bei synthetisch erzeugter Tanzmusik, die strenggenommen nicht mehr ist als ein durchkomponiertes Raster aus Einsen und Nullen, die stetige Wiederholbarkeit digitaler Muster nicht als Gefahr, sondern eher als künstlerische Herausforderung begreift – “Wiederholung ist Punk.” Muss er wohl sagen. Denn klar ist natürlich, dass auch auf dem aktuellen, mittlerweile sechsten Album der Londoner Kombo Hot Chip so viel bahnbrechend Neues nicht zu finden ist, Taylor und Goddard werkeln noch immer an der intelligentesten Ausformung elektronischen Dance-Pops, die ihnen zwar nicht mehr so vertrackt wie früher, aber immer noch recht geschmeidig gelingt.
Es ist wie mit dem Bild auf dem Cover: An den Strukturen hat sich nichts Wesentliches geändert, je nachdem, wie man diese aber miteinander verschränkt, ergeben sich immer neue Klangfarben und am Ende sind es diese feinen Abweichungen und Facetten, die in Erinnerung bleiben. So kommt “Why Make Sense?” eine Spur analoger daher, das Hauptunterscheidungsmerkmal zu Vorgängern wie “One Life Stand” und “In Our Heads” ist aber die offenkundige Hinwendung zum Funk. “Love Is The Future” gibt eine 1A-Oldschool-Diskonummer mit Beats und Raps ganz im Stile der frühen 80er ab, die nachfolgenden “Cry For You” und “Started Right” können auf ähnliche Art punkten.
Daneben zählt auch Altbewährtes zum Programm – samtweiche Stimmen zu dunkel pulsierenden Loops sind ja so etwas wie ein Markenzeichen der Briten, neben “Huarache Lights” und “Dark Night” ragt hier vor allem die Single “Need You Now” heraus, ein Stück, das sich in der Galerie ihrer Alltime-Hits ausgesprochen wohlfühlen sollte. Ganz zum Schluss dann doch noch etwas Nachdenklichkeit – zu mächtig aufgetürmten und verschränkten Soundflächen sinniert Taylor im Titeltrack über den Sinn des täglichen Mühens: “Why make sense, when the world around refuses? A winner lost is one who always chooses, nothing left can leave you all out of time and without it, you're nearing your decline. Why be tough, when strength is just for losers? Be what you are at the mercy of yours…“ Eine Antwort hat man da auf die Schnelle auch nicht parat – Musik wie diese ist aber immer noch eine prima Alternative … http://www.hotchip.co.uk/
20.05.  Berlin, Heimathafen
29.08.  Zürich, Open Air
12.09.  Berlin, Lollapalooza