Horst Groschopp (Hrsg.) – "Humanistisches Sozialwort"

[Erstveröffentlichung: Juni 2009 (in 3 Teilen)]

Horst Groschopp (Hrsg.) – Humanistisches Sozialwort

Dieses Buch musste ich lesen! Bin ich doch davon ausgegangen, dass in diesem Buch Handlungsanleitungen für die Umsetzung eines humanistischen Weltbildes zu finden sein mögen.
Das ist leider nicht so ganz der Fall.
Doch unabhängig davon hat mich das Büchlein gefesselt; ist doch sein Thema derzeit auch meines.

In Deutschland hat die soziale Frage für die säkulare Szene lange Zeit keine zentrale Rolle gespielt; andere Themen – Horst Groschopp erwähnt in seinem Vorwort Religionskritik, Sterbehilfe, Ethikunterricht oder die Trennung von Staat und Kirche – wurden intensiver diskutiert. Seit es immer mehr soziale Einrichtungen gibt, die von Organisationen mit explizit weltlich-humanistischem Selbstverständnis unterhalten werden, wächst auch das Bedürfnis nach einer theoretischen Fundierung dieser praktischen Arbeit. Einen ersten Schritt tut dieser Aufsatzband, der Bausteine für ein humanistisches Sozialwort sammelt. (Quelle: Denkladen.de)

Groschopp versammelt in dem Band Texte, die sich mit der theoretischen Seite eines “tätigen Humanismus” befassen; und das aus verschiedenen Blickwinkeln. Und absehen vom seinem eigenen und dem Text von Frieder Otto Wolf, sind die Aufsätze sehr verständlich geschrieben und bieten ein paar neue Sichten auf das weite Feld der humanistischen Arbeit in einer Gesellschaft, in der die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinanderklafft.

Wie bereits bei meiner Besprechung der “humanismus aktuell” werde ich auf jeden einzelnen Aufsatz eingehen und mehrere Beiträge schreiben (müssen).

Humanismus und organisierte Barmherzigkeit

Das ist das Vorwort des Herausgebers; Groschopp führt in seinem Artikel in die Problematik ein und stellt die grundsätzlichen Ansätze der versammelten Autoren dar. Und jene auch ein wenig vor.
Er schreibt, nachdem er die (auch im Zitat erwähnten) Kernthemen des Humanismus (im Weiteren immer als tätiger Humanismus zu lesen) benannte:

Es geht letztlich um einen “sozialen Humanismus”. Deshalb bewegen heute Humanistinnen und Humanisten stärker als zuvor zwei soziale Ideen: die unbedingte “Gleicheit” aller Menschen und die “Barmherzigkeit” allen Menschen gegenüber. (Seite 7)

(Ich meine, man sollte mal darüber nachdenken, ob es für das Wort “Barmherzigkeit” keine Entsprechung gibt; assoziiert das Wort doch einen sehr stark religiösen Hintergrund.) Dass man als Humanist alle Menschen für gleich und gleichberechtigt hält, ist Konsens. Dass man jedoch daraus auch die Folge ableiten muss, dafür zu arbeiten, noch nicht. Die Folgen, die sich ergebenden Handlungsmöglichkeiten und -notwendigkeiten, sind das generelle Thema des “Humanistischen Sozialwortes”. 

Die oft aus freidenkerisch-kirchenkämpferischer Vergangenheit ererbten Annahmen eines freidenkerischen bzw. atheistischen Humanismus verdecken dessen vielfältige Quellen und seinen wahren politischen Kern: Weil der Mensch für den Menschen das höchst Wesen ist, sind durch ihn selbst “alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtetes Wesen ist”. (Karl Marx, Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie) (Seite 8 f.)

Hieraus lässt sich schon deutlich erkennen, wessen Geistes Kind Groschopp ist und in welcher Traditionslinie er den Humanismus sieht. Es geht darum, aus theoretischen Ansätzen praktische Handlung zu ermöglichen.

Bausteine für ein humanistisches Sozialwort

…so betitelt Frieder Otto Wolf seinen Beitrag zum Heft.

Hunger in der heutigen Welt tötet nicht nur täglich viele Menschen – er nimmt auch wieder … galoppierend zu. [...] Immer mehr Menschen leiden heute nicht nur unter Hunger – und sie haben keinerlei Hoffnung auf eine Verbesserung. (Seite 14)

Davon ausgehend erklärt Wolf, dass genau diese Hoffnungslosigkeit unter anderem dazu führt, dass “dieser Prozess der Leidensbekämpfung durch Religion” sich derzeit tatsächlich wieder im Aufwind befindet: die Religionen vermehrten Zulauf gewinnen. Weil es sich für viele der von Hunger, Elend und Armut Betroffenen so darstellt, als könne nur die Religion Trost und (teilweise tatsächliche und tätige) Hilfe spenden.
Hier muss in Zukunft auch ein tätiger Atheismus ansetzen, so die These Wolfs (die ich in jedem Falle befürworte). Doch dazu muss – so Wolf – erst einmal auch verstanden werden, was es bedeutet, sich zum einem von den sozialen Angeboten der Kirche zu unterscheiden und zum anderen natürlich auch, worum es bei der Leidensbewältigung überhaupt geht.

…es geht in Wirklichkeit immer wieder darum, wie wir den Strukturen menschliche Leidens entgegentreten.[...]
Es kann keinesfalls genügen, wirksam das Leiden zu mindern, indem den Subjekten gleichsam “Schmerzmittel” verabreicht werden. Vielmehr geht es darum, die Ursachen des Leidens als solche in Angriff zu nehmen. (Seite 15 f. (Hervorhebungen durch mich))

Dies weist auf einen tatsächlich tätigen Ansatz des Humanismus hin – und vor allem auch auf den Unterschied zum Versuch der kirchlichen Sozialarbeit. Wo diese nur die Wirkungen mildern will, will ein tätiger Humanismus die Ursachen verändern.
Dabei – und das sagt Frieder Otto Wolf auch – darf nicht vergessen werden, dass die Religionen in Form der Amtskirchen aber auch der Laienarbeit sehr wohl einen wichtigen Beitrag leisten, das Leiden der Welt zu vermindern; selbst wenn man davon ausgehen muss, dass der theoretische Ansatz ein falscher, weil unwissenschaftlicher ist.

Im folgenden Text analysiert Wolf den Begriff der Armut. Ich finde bemerkenswert, dass er dabei über den rein monetären Gedanken hinausgeht. Denn in einer reichen Gesellschaft bedeutet Armut etwas anderes als in einer in ihrer Gesamtheit ärmeren. Wolf führt zur Relativierung deshalb aus:

Wir kommen der Sache sicherlich näher, wenn wir die Fähigkeit zur Teilhabe am gesellschaftlichen Reichtum in den Blick nehmen – wer uneingeschränkt dazu fähig ist, kann als “reich” gelten, wessen Teilhabe dagegen prinzipiell eingeschränkt ist, muss als “arm” gelten. (Seite 18)

Das bedeutet, dass zum Beispiel auch die Möglichkeiten der kulturellen Teilhabe ein Maßstab für eine Armutsbewertung darstellt.

Nachdem er einen Umweg über Bloch, Freud und andere geht, um die Positionen des Humanismus in der sozialen Frage zu begründen, fährt er fort:

Ein moderner praktischer Humanismus kann seinen spezifischen Beitrag zu einer Erneuerung der Sozialpolitik aus seinen eigenen Prinzipien inhaltlich entwickeln und begründen, wie sie der HVD in seinem “Humanistischen Selbstverständnis” zusammengefasst hat… (Seite 25)

und dann – mit einem kräftigen, aber an dieser Stelle völlig unnötigen, Sidekick schreibt Wolf weiter:

In diesem Sinne hat der zeitgenössische Humanismus seine eigene Agenda hinsichtlich der zu führenden Debatten – im Unterschied zu den “neuen Atheisten” lässt er sch daher nicht auf modische Nebengleise ohne echte Schwierigkeiten ablenken, sondern erkennt und anerkennt die neue Zentralität der sozialen Frage – und ist dazu in der Lage, ein umfassend sensibles Verständnis der heutigen Armutsproblematik zu entwickeln. (Seite 25)

Soweit die theoretischen Ausführungen Frieder Otto Wolf’s. Die im Buch folgenden Beiträge sind dann kaum noch in der reichlich verquasten GeheimSprache der deutschen Geisteswissenschaft geschrieben. Denn grundsätzlich gefallen mir die Gedankengänge von Frieder Otto Wolf… aber ich würde mir sehr wünschen, sie würden in einer Sprache formuliert werden, die auch jemand versteht, der nicht Philosophie oder Soziologie studiert hat.


Was sollten wir bei der Formulierung eines „Humanistischen Sozialwortes“ bedenken?

Dietrich Mühlberg – ein Kulturwissenschaftler aus Berlin – versucht sich an einer Antwort dieser Frage. Er beginnt gleich mit einer Definition, die ich für recht eingängig halte:

Humanismus ist eine säkulare Definition von Menschenwürde. Verletzungen dieser Würde durch Armut führen zum Verlust der Selbstachtung. Selbstachtung ist aber eine Kernbedingung für geistige Kompetenz und die soziale Fähigkeit zur Selbstbeurteilung und Selbstbestimmung. (Seite 31)

Mühlberg beschreibt im Weiteren, wie sich das Thema “neue Armut” im historischen Kontext der Arbeiterbewegung darstellt. Dazu geht er darauf ein, aus welchen Gründen und wann sich Arbeiter zusammenschlossen und welche Ergebnisse sie dadurch erreichen konnten. Er geht davon aus, dass das, was wir heute (noch) “Sozialstaat” nennen, vor allem ein Verdienst der Arbeiterbewegung ist.

Aus den abstrakten Humanismus der bürgerlichen Menschenrechtserklärung war der reale Humanismus einer gesellschaftverändernden Bewegung geworden (Seite 33)

Als die Leistungen dieser Bewegung führt er aus:

- das zentrale System der öffentlichen Daseinsvorsorge
- Mindeststandards für die Entlohnung der Arbeit
- Definition von Ansprüchen (der Arbeiter), die über den reinen Lebensunterhalt hinausgehen (Teilhabe am kulturellen Leben) (Vgl. Seite 33 f.)

Von diesem Punkte ausgehen, untersucht der Autor dann, was von diesen Punkten noch immer (bzw. wieder) aktuell ist. Und stellt dabei fest:

Inzwischen haben wir es mit einem anderen Kapitalismus und massenhaft mit neuen Formen abhängiger Beschäftigung zu tun. Viele davon suggerieren den Status des wirtschaftlichen Selbstständigen. (Seite 35)

Mühlberg setzt sich dann mit dem relativ neu geprägten Begriff des Prekariats auseinander (und stellt fest, dass es tatsächlich keine genaue Definition dieser Menschengruppe gibt) und zeigt die Unterschiede zum Begriff und zur Klasse “Proletariat” auf. Dabei kritisiert er auch die unrealistischen (und diskriminierenden) Äußerungen von Politikern aller Couleur.
So weist er nach, dass eine Abhängigkeit von sozialer Unterstützung durch den Staat (d.i.: die Gesellschaft!) nicht selbstverschuldet ist; auch wenn die öffentliche Meinung (Medien und Politik) dies suggerieren möchte.

Der von den Privilegierten angeprangerte “Sozialneid” der Unteren ist eine Tugend, weil er einen berechtigten Anspruch artikuliert und weil er eine erste Voraussetzung für Gegenwehr ist. (Seite 39)

Das ist ja schon fast ein revolutionärer Aufruf… Zumindest ein Hinweis darauf.

“Zuerst muss man den Forderungen der Gerechtigkeit Genüge tun, und man darf nicht als Liebesgabe anbieten, was schon aus Gerechtigkeit geschuldet ist. Man muss die Ursachen der Übel beseitigen, nicht nur die Wirkungen.” (Seite 40)

Dieses Zitat ist von Dietrich Mühlberg zitiert worden – und insofern etwas provokant – dessenungeachtet aber richtig – weil es der “apostolicam actuositatem” des Vatikan vom 18.11.1965 entnommen ist.

Befähigung zum Nein!

Wann kann, wann darf und wann muss man “Nein” sagen (können), fragt Christian Brütt in diesem Aufsatz.
Um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können, so der Autor, muss man auch die Möglichkeit haben, “Nein” zu sagen.

Autonomie ist nicht allein eine Frage innerer Haltung, sondern eine Frage der Fähigkeit und Möglichkeit zur Gestaltung, also der selbstbestimmten Aneignung der äußeren Umstände. (Seite 41 f.)

Und so ist es also notwendig, die Menschen zu befähigen, diese Fähigkeit zu entwickeln und die Möglichkeiten einzuräumen. Als eines der dafür unumgänglichen Elemente sieht Brütt in der Einführung eines uneingeschränkten Grundeinkommens.

Über Seiten beschreibt der Autor dann, welche Konsequenzen ein “Nein” in der derzeitigen Gesellschaft hat und worin der Unterschied zu einer besteht, die dieses “Nein” zulassen würde. Dabei kommt er zu dem eben genannten Schluss.

Zu fragen wäre des Weiteren nach der Unterstützung einen Lebensführung jenseits der Lohnarbeit. Sie müsste sowohl rechtlich, ökonomisch, ökologisch wie auch pädagogisch ansetzen [...] Der Ausbau einer sozialen Infrastruktur als Erweiterung des transferlastigen deutschen Sozialstaates wäre keine neue, aber stets wieder zu erhebende Forderung.(Seite 57)

So nennt Christian Brünn denn auch konsequenterweise den letzten Teil seines Artikels “Plädoyer für ein bedingungsloses Grundeinkommen” und beendet den Artikel mit den Sätzen:

Ein Grundeinkommen wäre ein wesentlicher Beitrag zur “Nein!”-Befähigung. Die “Nein!”-Befähigung ist eine notwendige Bedingung für Autonomie. Eine humanistische Sozialpolitik, die auf Autonomie setzt, kann daher auf ein Grundeinkommen nicht verzichten. (Seite 62)

In der diesseits 1/2009 gibt es ab Seite 18 einen Artikel zum Grundeinkommen, dem zwar per Leserbrief in der aktuellen Ausgabe (Seite 38) widersprochen wird; der aber ganz genau den Puls der Zeit trifft. Wer – wie der Leserbriefschreiber – dies noch nicht begriffen hat und die Meinung vertritt, dass der Humanistische Verband keine Sozialpolitik zu betreiben hat… sollte sich eher fragen, ob er in den Reihen des HVD richtig aufgehoben ist.


Akzeptanzkrise des real existierenden Kapitalismus

Christa Luft wandelt die Formel vom “real existierenden Sozialismus” ab; denn meiner Meinung nach gibt es sie von ihr gewählte Formulierung anderswo nicht.
Die Autorin stellt zu Beginn klar, dass es entgegen aller medialen Verlautbarungen keinen sozialen Aufschwung (wenn überhaupt: dann einen wirtschaftlichen für Wenige) gibt. Sie kritisiert die Täuschungsversuche, die den sinkenden Arbeitslosenzahlen zugrunde liegen und zeigt auf, wo sich die zuvor von der Statistik Erfassten im sozialen Gefüge sich aufhalten: als ALGII-Empfänger, Inhaber von Stellen im Niedriglohnsektor und seltsamer ABM-Stellen.

Immer mehr Menschen in Ost wie West sehen im extremen sozialen Gefälle den größten gesellschaftlichen Konflikt [...] Die einstige Machtbalance zwischen Kapital und Arbeit hat sich zugunsten des Kapitals aufgelöst. Der Aktienkurs wird zum Maß aller Dinge. Verdienst hat kaum noch etwas mit Leistung zu tun. (Seite 68)

(Ich kann mir an der Stelle den Hinweis nicht versagen, dass Herr Tiefensee einmal darüber nachdenken sollte, ehe er wieder einmal den Ostdeutschen mangelndes Geschichtsbewusstsein vorwirft.)
Luft kritisiert dann dem Umgang der Regierenden mit der immer größeren Schere, die zwischen Arm und Reich aufgeht – und stellt nicht zu Unrecht fest, dass die neoliberale Regierungszeit der SPD unter Schröder und nun auch die schwarz-rote Koalition damit nicht umzugehen weiß; sondern die Konflikte noch verschärfte.

Die soziale Frage im Grundsatz bleibt unberührt. Eigentum als soziales Verhältnis kommt nicht zur Sprache. (Seite 69)

Hier zeigt sich dann schon relativ deutlich, dass Christa Luft der LINKEN zugehörig ist; sind das doch (und vor allem die Begründung, die dann folgt) eindeutig marxistisch geprägte Gedankengänge. Jedoch geht sie in ihrer Forderung in dem Artikel über die Positionen der LINKEN hinaus:

Ich stimme mit Christoph Butterweg überein, wenn er feststellt, “dass ein bedingungsloses Grundeinkommen den Druck, die Massenarbeitslosigkeit konsequent zu bekämpfen, mindern würde.” (Seite 74)

Für mich ist deutlich zu erkennen, dass das Thema “bedingungsloses Grundeinkommen” eines ist, das vom HVD in Zukunft besetzt werden muss – denn theoretisch ist es in dem Buch in mehreren Artikeln bedacht worden. Da das ein Thema ist, das mich sowieso schon seit der Engler-Bücher (hier und hier) beschäftigt, wird sich sicherlich der eine oder andere Artikel in meinem Blog damit befassen.

Die Autorin fragt sich abschließend, ob eine Reformation des Kapitalismus in der Gegenwart (und Zukunft) möglich ist (notwendig ist sie) – und verneint das.

Ein Gewinner … ist ein “Sozialismus des 21. Jahrhunderts” … als Aufgabe, die der Menschheit noch gestellt ist.
[...]
Das alles sind Signale der Hoffnung, dass eine Alternative zum real existierenden Kapitalismus keine Utopie bleiben muss. (Seite 76 ff.)

Neue Armut – alte Menschenbilder?

Dieser Frage geht Dieter Kramer in seinem Beitrag nach. Und verortet gleich zu Beginn den Humanismus als Teil der linken Szene, die derzeit ebenso darum ringt, neue Formulierungen ihrer Politik zu finden. Allerdings grenzt Kramer dann die Aufgaben einer humanistischen Bewegung von den rein politischen ab.
Darüber hinaus kommt er zu der Frage, wie Werte in der Gesellschaft definiert werden (können) und kommt zu einer (im Buch erstaunlich seltenen) Kritik:

(Es) muss in diesem Zusammenhang die Frage nach der Herkunft und den Wurzeln der Werte diskutiert werden. Die m.E. überstrapazierte Frage, ob zeitgenössische für ihre Kohärenz und Wertegrundlagen der Religion bedürfen, hängt damit zusammen: Mit und an dieser Religion sind schon viele Gesellschaften zerbrochen, dass diese These auch umgekehrt betrachtet werden könnte. (Seite 85)

Allerdings – und das trifft dann wieder genau die Positionen des HVD – schränkt er ein:

Es ist freilich auch unangebracht, die potentielle Bedeutung der Religionsgemeinschaften als Nichtregierungsorganisationen (NGO’s) jenseits von Staat und Markt zu leugnen. (Seite 85)

Ein – meiner Meinung nach – beachtenswerter Gedanke. Der die Religionen auf den Platz verweist, der ihnen zukommt.
Der Autor führt dann weiter aus, dass ein Fehler der Gesellschaft darin bestehen könnte, dass – da eine Vollbeschäftigung nicht mehr erreichbar ist – sich die Werte insofern ändern müssen, als dass der Wert eines Menschen nicht allein an seiner (bezahlten) Arbeit zu messen ist, sondern auch an den “nicht-erwerbsförmigen Gemeinschaftsarbeiten”. Denn:

Ein lebendiges kulturelles Milieu (…) ist auch die Voraussetzung dafür, dass unfreiwillig Arbeitslose ebenso wie freiwillig auf Erwerbsarbeit verzichtende Menschen Chancen zu Persönlichkeitsentwicklung und Lebensqualität finden. (Seite 88)

Und so ist es nur logisch, wenn der Autor daraus schlussfolgert:

Wenn ein “bedingungsloses Grundeinkommen” oder eine “repressionsfreie Grundsicherung” die Individuen in die Lage versetzt, unter Verzicht auf einige Annehmlichkeiten, aber mit Sicherung der gesellschaftlichen Mindeststandards aus dem Erwerbsleben (mindestens temporär) auszuscheiden, bringt dies zwar auch eine Menge Probleme mit sich, bedeutet aber für viele Menschen eine Wunschperspektive. (Seite 92)

Nic


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