Hoi An

Nach Hoi An zu gelangen klingt einfacher als es ist. Tagesbusse gibt es nur sehr wenige und sie waren bereits ausgebucht. Mit dem Zug koennte man ins benachbarte Danang fahren und einen Bus nehmen fuer die 40km zurueck Richtung Sueden aber erstens faehrt der Zug zu unmoeglichen Zeiten und ist zweitens nicht gerade billig. Somit blieb uns nur Option 3, der Sleeper Bus. Wer Vietnam nicht wenigstens einmal vom Uebernachtbus aus gesehen hat, hat definitiv was verpasst!

Hoi An

ein etwas unscharfer Sleeper Bus

In Vietnam hat man sich beim Bauen der Transportmittel noch nicht wirklich an westliche Koerpermasse angepasst, entsprechen sie doch alle der asiatischen Norm. Das heisst, dass man als westliche Reisende kaum in einem Bus nebeneinander sitzen kann, weil eine Pohaelfte bereits im Gang haengt. Die Gaenge selbst kann man auch nur seitlich begehen, mit Bauch einziehen und Luft anhalten.
Einen Sleeper Bus man man sich folgendermassen vorstellen: drei Reihen (links, rechts und in der Mitte) mit jeweils zwei Sitzen uebereinander, die sich durch nach hinten verstellen in eine Art Bett verwandeln lassen (bloss nicht zu viel erwarten hier, es ist viel zu kurz zum Beine ausstrecken!). In einem dieser Sitze laesst es sich bestimmt gut aushalten. Dummerweise waren diese beim Buchen fuer uns nicht mehr erhaeltlich und wir landeten ganz hinten, in einem Bereich mit 5 nebeneinander liegenden Sitzen (hier laesst sich keine Lehne verstellen) und mit Null Privatsphaere. Wie bereits erwaehnt, versucht es Euch mal in einem dieser asiatischen Liegeplaetze fuer knappe 12 Stunden bequem zu machen, wenn die Flaeche genauso viel Breite aufweist, wie das eigene Hinterteil. Autsch!
Platz ist da hinten ganz offiziell fuer 5, aber wir waren nur zu viert (ein Schlafplatz trennte Katrin von zwei fremden Maennern), beteten aber bei jedem der zahlreichen Stops, dass der Platz frei bleiben wuerde. Am Fenster hatte ich es auch nicht viel besser, denn meine linke Seite war abwechselnd warm vom sich aufheitzenden Bus oder feucht vom eindringenden Regen.
Hoi AnDer Fahrstil des Fahrers glich einem Formel 1 Fahrer und man konnte ihm einfach nicht beim Fahren zuschauen, ohne dass einem schlecht dabei wurde. Mal ganz abgesehen davon, dass man vom staendigen Hupen wach gehalten wurde, aber wie hilflos wuerdet Ihr Euch fuehlen, wenn der Typ wie ein Henker in unuebersichtlichen Kurven ueberholt oder einfach in den Gegenverkehr ausschert und mit dem Finger auf der Hupe darauf hofft, dass der andere Platz macht (was der andere uebrigens auch hofft)?!
Ein wohlgemeinter Rat an alle, die den Sleeper Bus als Fortbewegungsmittel in Betracht ziehen. Macht Euch vorher schlau, welche Firma von Touristen und welche mehr von den Einheimischen genutzt wird. In unserem Bus waren nur 10% Touristen und wir hatten das Gefuehl, wir seien mehr eine Plage als gern gesehene zahlende Kunden. Man sprach kaum mit uns und in Hoi An angekommen, landete unser Gepaeck unsaft auf dem Parkplatzboden, bevor sie sich aus dem Staub machten. Einheimische nutzen diesen Bus fuer laengere Strecken, die mit dem Motorrad nicht zu bewaeltigen sind und andere widerrum transporten mit dem Bus ihre Ware von A nach B. Aus diesem Grund hielten wir in den ersten paar Stunden an jeder Tankstelle, um Fracht aufzunehmen. Da der Stauraum beschraenkt war und alles hin- und her geraeumt wurde um Platz zu schaffen, dauerten diese Stops ewig (und wir bangten um den freien 5. Platz in der letzten Reihe). Das selbe Schauspiel dann ein paar Stunden vor unserer Ankunft in Hoi An, wo wir wieder unzaehlige Male stoppten, um Fracht loszuwerden. Spaeter erzaehlte man uns, dass der Bus 2 Stunden Verspaetung hatte. Wundert tut mich das nicht. Ich frag mich nur, ob das alles mit rechten Dingen zuging, oder ob sich nicht vielleicht der Fahrer und seine Helfer ein paar extra Dong dazuverdienen.
Hoi An diente seit dem 17. Jahrhundert als geschaeftiger internationaler Umschlagsplatz und hat diesem Umstand seine chinesischen, japanischen und europaeischen Einfluesse in Architektur und Kultur zu verdanken. Die Architektur ist teilweise recht europaeisch: bunt bemalte Haeuser mit Fensterlaeden und Hoi AnBlumenkaesten vor den Fenstern. Fuer seine Architektur ist Hoi An allerdings weniger bekannt und die meisten Touristen kommen aus einem ganz anderen Grund. Hoi An kann man guten Gewissens als die Schneiderhauptstadt Vietnams bezeichnen. Sogenannte Tailorshops reihen sich in mehreren Strassenzuegen aneinander und beim Vorbeilaufen wird man gefragt, ob man sich was schneidern lassen moechte. Und zwar bei jedem Geschaeft! Eine aeltere Frau folgte uns sogar fuer eine ganze Weile, weil sie einfach nicht locker lassen wollte. Momentan sind weniger Touristen unterwegs (Nebensaison) und die Schneider haben dementsprechend weniger zu tun.
Wie Katrin und ich in 'unserem' Schneiderladen landeten, ist eine recht witzige Geschichte, die zeigt, wie gerissen die Leute hier sind. Gerade mit dem Sleeper Bus in Hoi An angekommen, ueberliess ich Katrin die Wache ueber unser Gepaeck weil ich eine Toilette suchte. Eine junge Frau gesellte sich in der Zwischenzeit zu Katrin und erzaehlte ihr von dem Tailorshop Nr. 48 und dass wir mal vorbeischauen sollten. Spaeter erloeste sie uns von den Motorradfahrern, die bei ihren Fahrangeboten nicht locker liesen (Rucksack kein Problem!) und rief uns ein Taxi. Als wir knapp 2 Stunden spaeter frisch geduscht und erholt unser Hotel verliesen , kam eine andere junge Frau auf uns zu und fragte, ob wir die zwei Deutschen seien. Es hatte sich also herumgesprochen. Wir liesen uns vermessen und letztenendes lies sich Katrin ein schoenes blaues Kleid und eine Anzugshose schneidern und fuer mich gabs zwei Tops, eine Anzugshose und eine WHoi Aneste dazu. 
Fuer die regelmaessige Lehrstunde in Kultur und Geschichte buchten wir eine fruehe (und damit meine ich sehr fruehe!) Morgentour, die uns 5 Uhr vom Hotel abholte. Es handelte sich um eine Sunrise Tour und der Name verspricht, dass man den Sonnenaufgang sieht. Naja, gesehen haben wir ihn schon mehr oder weniger, allerdings hatten sie wohl vergessen zu erwaehnen, dass man die Sonne nicht ganz romantisch oder spektakulaer bei den alten Tempeln aufgehen sieht sondern waehrend der Fahrt dorthin. Das war aber noch das kleinste Uebel. Seit der vergangenen Nacht regnete es ununterbrochen und das Wetter hatte leider auch an diesem Morgen kein Mitleid mit uns. Es regnete munter weiter und da ich im Bus schlief verpasste ich den einen oder anderen Blick auf den verdaechtig schnell ansteigenden Fluss neben uns. Nach dem Aussteigen bewaffneten wir uns mit Regenschirmen und Regenumhaengen und alsbald sollte auch ich das Problem vom steigenden Wasserstand erfahren. Denn um zu den Tempeln von My Son zu gelangen, ein UNESCO Welterbe und Relikt der Cham Kultur, mussten wir durch einen Fluss waten, der da normalerweise nicht langfliest und dessen Wasser mir bereits bis zu den Knien reichte. Leider musste die Fuehrung durch die My Son Ruinen extrem verkuerzt werden, da es einfach nicht zu regnen aufhoeren wollte und man ein weiteres Hoi AnAnsteigen des Flusses befuerchtete. Das haette bedeutet, dass wir dort festgesteckt haetten. Wirklich schade, denn von den zahlreichen Tempelgruppen sahen wir leider nur eine und aufgrund des starken Regens konnte ich kaum Fotos machen. Aber egal, da mir das Wasser auf dem Hinweg schon bis zu den Knien stand und ich auf dem Rueckweg nicht durch huefttiefes Wasser waten wollte, verlies ich den Ort ohne weiteres Murren. Als wir knapp 2 Stunden spaeter in Hoi An ankamen, hatte es uebrigens endlich aufgehoert zu regnen und die Sonne lies sich wieder blicken - tja so kann es gehen in Suedostasien zur Regenzeit! 
Noch am gleichen Nachmittag sollte es mit dem Bus weitergehen nach Hue, der alten Kaiserhauptstadt Vietnams.


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