Hitler war Pop

Hitler war Pop
Hitler war Pop. Hitler ist Pop. Kaum eine Figur des 20. Jahrhunderts ist mittlerweile so sehr instrumentalisiert worden wie der deutsche Diktator. "Adolf", egal ob als Tunte oder Comicfigur zum Besten gegeben, eignet sich offenbar gut, um das Unglaubliche ironisch zu kommentieren und darüber der Geschichte habhaft zu werden. Vielleicht ist die popkulturelle Verarbeitung dieser Figur aber auch eine bedenkenswerte Trivialisierung. Hitler als Witzfigur, die Nazis als Deppen - das sind Images, die heute zur Darstellung von NS-Geschichte in den Medien gehören.
Aber die Wahrheit ist: Es gab Hitler, und Millionen von Menschen in Deutschland, Österreich und auch anderen Ländern waren diesem Mann ergeben. Neu ausgewertete Briefe der Deutschen an die Reichskanzlei aus den Beständen des Bundesarchiv Berlin zeigen das sehr deutlich: Der Führerkult war in Fleisch und Blut übergegangen. Sich Hitler an den Hals geworfen, ihn religiös überhöht als „Heiland“ vergöttert zu haben, scheint heute geradezu absurd. Sich das Verhalten der Deutschen vor 70 Jahren jedoch noch einmal genau vor Augen zu halten, ist nach wie vor aufrüttelnd. Es gehört zu einer aufgeklärten Kultur ohne Geschichtsvergessenheit, sich auch immer wieder damit zu konfrontieren, wie der Nationalsozialismus möglich geworden ist und wieso die meisten Deutschen sich Hitler so auslieferten, ihn kritiklos hochstilisierten, keinerlei Distanz wahrten. In der Geschichte war Hitler keine Comicfigur. Er hatte Macht und kostete Millionen Menschen das Leben. Vielfach ist in der Literatur der Aufstieg des Nationalsozialismus mit Hitlers besonderem Charisma erklärt worden.
Mit Hitlers Charisma zu argumentieren oder die ausgeklügelte Inszenierung dieses Charismas zu betonen, führt jedoch immer wieder nur zu dem gleichen falschen Punkt: dass die Deutschen damals keine so große Schuld treffen konnte, weil entweder eine sozusagen göttliche Autorität oder kaum fassbare Vermarktungsstrategien am Werk waren, die die Deutschen verführten und Hitler in seine Position brachten. Aber die Wahrheit ist auch, dass Hitler und der Führerkult den Massen nicht nur aufgezwungen,
sondern von ihnen miterschaffen worden ist. Hitler bot eine große Projektionsfläche für alle möglichen Sehnsüchte der Deutschen, wie sie deutlich in den abgedruckten Quellen der Neuerscheinung "Geliebter Führer. Briefe der Deutschen an Adolf Hitler" hervortreten. Hitler ist ebenso ein Produkt der Fantasien der Deutschen gewesen.
„Lieber Onkel Adolf“, „Sehr verehrter Herr Reichskanzler“, „Geliebter Führer“ – so oder ähnlich begannen viele Briefe, die bis 1945 zu Tausenden in der Kanzlei des Führers oder auf dem Obersalzberg eingingen. Aus allen Teilen der Bevölkerung schrieben die Menschen an ihren „Führer“, vom Professor bis zum Arbeitslosen, von der Nonne bis zum SA-Mann. "Mein Lieber Führer! Wo Du in Godesberg warst, wollte ich Dir Blümchen schenken, aber da warst Du schon fort. Das hat mir sehr leid getan. Ich möchte Dich so gerne Heiraten." Dieser und ähnliche Briefe zeichnen ein Bild der Deutschen vor 70 Jahren - vielleicht deutlicher, als manche lange Studie.
Zusammengestellt sind die "Briefe an Hitler" in:
Ebeling, T. u.a. (Hg.), "Geliebter Führer". Briefe der Deustchen an Adolf Hitler, Berlin 2011 (16,90 Euro)

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