Hi- und Bussi-Fasten

Heute ist Aschermittwoch. Damit beginnt für die Christen die 40-tägige Fastenzeit vor Ostern, die übrigens genau besehen 46 Tage währt, allerdings sind die sechs Sonntage keine Fastentage und werden deshalb nicht mitgezählt, aber das nur am Rande.

Was tut man also in der Fastenzeit? Nein, „Fasten“ hat nicht nur etwas mit Essen und Trinken zu tun, sondern auch damit, irgendwelche eingefahrenen Pfade zu verlassen, sprich: etwas nicht zu machen oder ganz bewusst zu machen oder anders zu machen. Und falls Ihnen dazu jetzt gar nichts einfallen sollte, hätte ich da gleich einen Vorschlag: Überdenken Sie doch mal Ihre E-Mail-Kommunikation!

Denn da gibt es doch einige gravierende „Sünden“, die man zumindest mal 40 Tage lang versuchen könnte zu unterlassen, als da sind: eine zu kumpelhafte Anrede oder zu kuschelige Grüße. Konkret:

1. Zu kumpelhaft: „Hi“ – Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht, ich möchte jedenfalls von Kunden und Geschäftspartnern nicht mit „Hi“ angeredet werden. „Hi“, das sage ich nicht mal zu meinem Nachbarn, wenn ich ihn auf der Straße treffe. Für die Anrede „Hi“ muss man nach meinem Dafürhalten mindestens “Schweine miteinander gehütet” haben – und das ist im Geschäftsleben meist nicht der Fall. Wenn Sie mich jetzt für empfindlich oder doof halten, dann lassen Sie uns doch dazu einfach mal Herrn Karrierebibel befragen …

2. Zu kuschelig: „Liebste“ – Eine andere neue „Mode“ in E-Mails ist das Verabschieden mit einer Überportion an Liebe. So erhalte ich von mir kaum bekannten Menschen „Liebste Grüße“ oder „Ganz liebe Grüße“ – drunter geht’s anscheinend nicht mehr. (Fehlt bloß noch, dass sie „Bussi“ schreiben!) Angeheizt wird die ganze Kuschelkommunikation noch durch die Milka-Kampagne: „Trau dich zart zu sein“. Bei der fehlt nicht nur ein Komma, sondern es wird dazu aufgerufen, zu umarmen anstatt Hände zu schütteln oder jeden Satz mit einem Smiley zu beenden, was ich an dieser Stelle nicht weiter kommentieren möchte …

Andererseits bin ich natürlich Dienstleisterin und habe mich somit nach der „Betriebstemperatur“ meiner Kunden zu richten. Und wenn die nun durch Mails mit Liebessuperlativen stetig steigt, dann muss ich wohl oder übel „zart“ sein, sprich: Dann spring ich halt über meinen Schatten und schreibe unter jede E-Mail „Tschüssiküssi“ – aber erst nach Ostern! Smiley.


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