Heutzutage ist kaum etwas realistischer als Utopien

Utopische Literatur befasst sich mit unrealisierbaren, gesellschaftlichen Zielen und Wunschvorstellungen. Man zeigt die Welt, das Leben, die Menschen und die Gesellschaft so, wie sie sein sollten, es aber nie sein werden.
Aber auch das Gegenteil ist möglich, die Darstellung von nur scheinbar perfekten Welten.

„Heutzutage ist kaum etwas realistischer als Utopien“, sagte Thornton Wilder einmal und tatsächlich zeigen die beiden folgenden Romane in eindrucksvoller Weise, dass das, was unerreichbar und unrealistisch wirkt, faktisch schneller als erwartet verwirklicht werden kann. Obwohl sich (bis jetzt) weder Orwells, noch Huxleys Vorstellungen komplett erfüllt haben, steht außer Frage, dass beide in der heutigen Welt perplex wären…

1984

George Orwell stellt in seinem dystopischen Roman einen zukünftigen, totalitären Überwachungsstaat dar. Geschrieben in 1948, ist der Titel des Romans die Umkehrung dieser Jahreszahl, „1984“. Heute schon längst Vergangenheit, schien 1984 zum Zeitpunkt des Erscheinens als ferne, ungreifbare Zukunft.

Die Gesellschaft und das Leben in ihr werden beschrieben durch den Protagonisten Winston Smith. Smith lebt in London, das in 1984 zum Weltreich Ozeanien gehört, denn zu dieser Zeit ist die Welt in drei Supermächte aufgeteilt, Ozeanien, Eurasien und Ostasien. Die ersten einhundert Seiten verfolgt der Leser Smith bei seinem unheimlichen Leben, das geprägt ist von Mangelerscheinungen, fortwährender Überwachung und immerwährender Angst. Smith, ein gebrechlicher, intelligenter, aber seinem Schicksal scheinbar ergebener Mann Ende 30, glaubt nicht mehr an das System, sieht allerdings auch keine Möglichkeit, etwas daran zu verändern.  Er ist künstlerisch veranlagt und schließt seine Gedanken in einem Tagebuch ein. Dieses Tagebuch könnte ihm zum Verhängnis werden, dem ist sich Smith bewusst und er schwankt zwischen der Furcht, entdeckt und von der Gedankenpolizei liquidiert zu werden und dem Bedürfnis, überhaupt etwas zu tun.
Man begleitet Smith zur Arbeit, wo er im Dienste der Partei, die übrigens die einzige Macht in Ozeanien ist, die Geschichte verfälscht. Schließlich lernt Smith eine junge Frau kennen, Julia.
Smith und Julia treffen sich heimlich und der einst schwächliche Smith blüht durch diese Beziehung auf. Die beiden engagieren sich im Widerstand gegen die Partei, Smith, weil er das System verachtet, Julia eher, weil sie durch die Partei in ihrem eigenen, persönlichen Leben und Glück beeinträchtigt wird. Schließlich treten beide der geheimnisvollen Bruderschaft bei, einer Vereinigung, die die Partei bekämpft. Ein hohes Mitglied der Partei, O’Brien, zeigt sich als vermeintlicher Freund.
Obwohl Winston Smith klar ist, dass sie eines Tages von der Gedankenpolizei festgenommen werden, will er das System bekämpfen. Julia hingegen träumt davon, mit Smith im Untergrund zu bleiben und mit ihm glücklich zu werden. Ihr Widerstand ist persönlicher und sie ist nicht wirklich bereit, ihr Leben zu opfern. Sie glaubt nicht daran, etwas zu verändern. Womit sie schlussendlich recht behält, denn Julia und Smith werden festgenommen und ihre mutmaßlichen Mitstreiter entpuppen sich als Feinde, Mitglieder der Gedankenpolizei…

Mit diesem Roman verurteilt Orwell den Totalitarismus, im Gegensatz zu Huxley nimmt er eher sozialistische Systeme zum Vorbild. Das Buch wurde lange als „Antikommunistische Kampfschrift“ verstanden, was keinesfalls in Orwells Absicht lag. Er wollte gerade zeigen, dass auch die westlichen Länder schneller dem Totalitarismus verfallen können, als ihnen lieb ist.
Den Text versteht man sehr gut, einfach geschrieben,  stellenweise jedoch ziemlich langatmig und insgesamt nicht gerade leicht zu lesen, da die Stimmung des Buches extrem bedrückend und auf eine Art und Weise dunkel ist, die einem die Lust am Lesen nimmt.
Selbstverständlich regt es zum Nachdenken an, die Handlung ist meiner Meinung nach nur wenig fesselnd. Allerdings wurde schon von vielen etwas Gegenteiliges behauptet…
Ich musste das Buch für die Schule lesen und gemessen an den anderen Büchern, die ich zuvor in der Schule gelesen habe,  ist es das Beste, gemessen jedoch an den Büchern, die ich „privat“ gelesen habe, gehört es zu den Schlechtesten. Aber wie gesagt, ich kenne viele, die dieses Buch schon allein dafür verehren, inwiefern Orwell bereits 1948 die Zukunft vorhersagen konnte und ich muss zugeben, dass das Bedrückendste an der Sache ist, dass sich vieles zumindest im Ansatz bewahrheitete. Wahrscheinlich gehört „1984“ zu den Büchern, die man entweder hasst oder liebt, für die es einfach kein Mittelmaß gibt..

„Schöne neue Welt“

Ähnlich dem Werk Orwells ist auch Aldous Huxleys „Schöne neue Welt“ anzusiedeln, im Original „Brave New World“. Schon 1932 erschienen, zeigt dieses Buch eine „perfekte“ Gesellschaft, in der Wohlstand, Frieden und Glück für alle gewährleistet werden. Diese scheinbar fehlerlose Welt wird gestützt durch ein Kastensystem der Menschen, in das alle Menschen von Beginn an eingegliedert werden. Von Beginn an bedeutet hier schon von der Zeit vor der Geburt an, denn die Kinder werden nicht mehr auf natürliche Weise gezeugt, sondern in Laboren erschaffen und dort mittels pränataler Eingriffe auf das Leben in ihrer Kaste vorbereitet. Nach der Geburt wachsen die Kinder weiterhin in den sogenannten „Brut- und Normzentralen“ auf und nicht bei Eltern, was den Sinn verfolgt, die Kinder bis ins Letzte zu konditionieren, sodass sie mit ihrem späteren Leben wunschlos glücklich sind, sich in der Gesellschaft eingliedern und niemals auf den Gedanken kommen, über das Leben, über Kunst, wahre Gefühle und dergleichen nachzudenken. Alles in dieser Welt basiert auf Wissenschaft, auf Technik und dennoch werden beispielsweise Erfindungen, die die Arbeit im hohen Maß erleichtern, unterdrückt, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden und die Menschen weiterhin glücklich zu machen. Es existieren keine Beziehungen, keine Kunst, keine Geschichte, kein wirkliches Leben mehr, man altert nicht, zumindest nicht so, wie wir das kennen, und die im Buch beschriebene Freiheit schränkt sich selbst durch die fehlenden Konsequenzen und Nachteile ein, sodass die Leute eigentlich unfrei sind.
Konkret handelt das Buch von dem „Wilden“ John (dt. Michel), denn in einigen Reservaten leben die sogenannten „Wilden“, die für die anderen Menschen primitiv scheinen, weil sie eine Art Religion verfolgen, bestimmte Rituale haben,  ihre Kinder auf normalem, natürlichem Weg bekommen und schließlich altern und sterben. John wird in die Zivilisation gebracht, die ihn zuerst fasziniert und schließlich abstößt, seine Situation eskaliert immer mehr…

Interessant sind dabei besonders Huxleys Einfälle, die den Leser immer wieder aufs Neue mitreißen. Sein Buch ist eine Warnung, aber im Ganzen nicht so bedrückend und ausweglos wie Orwells „1984“, seine Schilderungen nicht ganz so drastisch.

Beide Bücher sind sich sehr ähnlich. Mir persönlich sagt „Schöne neue Welt“ mehr zu, gerade weil es nicht so dunkel beschrieben ist wie „1984“. Dabei möchte ich „1984“ selbstverständlich in keinster Weise angreifen, denn es steht außer Frage, dass es ein geniales, zukunftsweisendes und immer aktuelles Buch ist, mir nur schlicht und einfach nicht gefällt.


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