Haushaltsberatungen 2013

Ich habe gerade drei sehr ähnliche Kommentare bei drei Flagschiffen des deutschen Journalismus verfaßt, also kann ich mir kurz die Zeit nehmen, hier den vierten zu hinterlassen. Tatsächlich hat mich meine Großmama darauf stoßen müssen, es ist ein bißchen peinlich.

Bei unserem allwöchentlichen Telefongespräch berichtete sie mir nämlich von ihrem Entsetzen über die Haushaltsdebatte, die diese Woche in Berlin stattgefunden hat. Ob der dortigen Elite unserer politischen Klasse bewußt wäre, dass sie sich mit dieser drögen, nicht selten auch peinlichen Show einen Bärendienst erweisen, völlig egal, welche Partei und fernab des Themas? Ich war für ein ein paar Sekunden baff. Sicher, unter der Woche komme ich nicht dazu, mich so ausgiebig zu informieren wie jetzt zum Beispiel am Wochenende. Aber tatsächlich hatte ich mehr oder weniger vergessen, dass die Beratungen gerade anstehen. Dieses Jahr ist der Saisonauftakt der Politik in Deutschland sogar auf den Politikseiten untergegangen.

Es ist ein bisschen so, als würde auf der Sportseite nur noch über Handball berichtet, obwohl gerade die Bundesliga wieder loslegt. Frau Wulff war Politik. Das Karlsruher ESM-Urteil war Politik. Seit zwei, drei Tagen sind brennende Botschaften Politik. Aber Haushaltsberatungen findet man selbst mit der Suchfunktion nicht, nicht bei ZEIT-Online, nicht bei WELT-Online, nicht bei SPIEGEL-Online. Sogar der letzte Wellenbrecher an diese speziellen Küste, nämlich tagesschau.de, hat eine Menge zu erzählen über die NSU, über die Umbennenung einer Straße, die nicht mehr Hindenburg heissen darf, und natürlich auch wütende Menschen, die Botschaften stürmen, aber nichts über die Beratungen.

Ich will nicht damit nicht sagen, dass das wichtiger ist als die anderen Säue, die da quiekend an mir vorbeiziehen. Obwohl es wichtiger ist, nur ist der Haushalt ja nicht dort entstanden, sondern über Wochen und Monate durch Ausschüsse gelaufen, und das ist in der Tat nur noch ein Anlaß, sich gegenseitig die zentralen Positionen um die Ohren zu hauen, mit denen man in den nächsten Monaten punkten will. Dass eine Bundeskanzlerin bei dieser Gelegenheit einen Masterplan für Deutschland 2013 vorstellt: Wir wollen nicht völlig unrealistisch werden, obwohl das mal so war. Dass ein Oppositionsführer diesen Masterplan mit dem eigenen Masterplan vergleicht: Geschenkt, nicht zuletzt, da das Spenden einer Niere hierzulande mehr Aufmerksamkeit und Sympathie bringt. Aber dass ich wirklich angestrengt suchen muss nach den Zahlen und Fakten, die da letzte Woche beschlossen wurden, das kann es ja wohl nicht sein. Dass ich mich vorbeiwühlen muss an zigtausend Hetzartikeln, die, wie man es auch dreht und wendet, damit der endgültige Triumph des Doofen sind: Kann ich mich jetzt so auf die Schnelle nicht mit abfinden.

Stellen wir uns nur mal für fünf Minuten vor, diese Kulturrevolution hätte schon vor dem kalten Krieg stattgefunden, wo ein dämliches Hobbyvideo nicht nur in der Lage ist, internationale Krisen auszulösen, sondern auch die gesamte klassische Politik nicht nur von den Titelseiten, sondern schlichtweg aus den Zeitungen drückt. Ich würde auf geschmolzene Ruinen und einen von Asche verhangenen schwarzen Himmel schauen, und mit 18 Fingern tippen, weil die Strahlenbelastung immer noch verdammt hoch ist.

Leider Gottes ist das mittlerweile immer noch realistischer als eine Haushaltsdebatte, die es tatsächlich verdient hätte, in den Zeitungen abgedruckt zu werden aus Gründen, die über Gewohnheit hinausgehen.

Und, Sie haben Spaß? Geniessen Sie das Wochenende. Und das Wetter, versteht sich ja von selbst.

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