“Hausbesetzungen sind nichts Neues” – Geschichte wird nicht nur gemacht…

+++ Bitte um Unterstützung +++  Die Geschichte der Häuserkämpfe gerinnt vielfach zum Mythos. +++ Für ein Buch zu den Hausbesetzungsbewegungen nach 1990 suche ich Daten und Fakten für eine Chronologie +++

Vor ein paar Tagen lief bei SWR2 ein Radio-Feature über verschiedene stadtpolitische Auseinandersetzungen in Berlin “Bei uns brennt die Luft. Die etwas anderen Hausbesetzer” Aufhänger sind die Proteste von Mieter/innen am Kottbusser Tor und die Besetzung der Seniorenfreizeitstätte in der Stillen Straße in Pankow. In der Anmoderation heisst es:

Hausbesetzungen sind nichts Neues. Seit Ende der 1970er-Jahre machen sie Schlagzeilen. Bislang waren die Besetzer meist junge Leute, politisch eher links, Menschen, die das politische Gefüge als solches kritisieren. Ihnen gegenüber Heerscharen von Polizisten. Doch 2012 änderte sich dieses Bild: In einem Besetzercamp am Berliner Cottbusser Tor protestieren Anwohner gegen Verdrängung durch Luxussanierungen und steigende Mieten. In Pankow besetzen Senioren kurzerhand ihr Zentrum, um dessen Schließung zu verhindern.

“Hausbesetzungen sind nichts Neues” sagt Erika Harzer, doch die letzte große Hausbesetzungsbewegung liegt zumindest in Berlin mittlerweile über 20 Jahre zurück.

“Hausbesetzungen sind nichts Neues” – Geschichte wird nicht nur gemacht…

Geschichte wird nicht nur gemacht…  Aufruf zur Erstellung einer Häuserkampf-Chronologie seit 1990

Um den Bezug zu diesen Erfahrungen und Protesten nicht nur auf eine Reminizenz an einen Mythos von den “Häuserkämpfen” zu verkürzen, macht es sicherlich Sinn sich die Geschichte nochmals anzueignen. Anders als viele andere Protestbewegungen wurden die  Häuserkämpfe kaum in zusammenfassenden Schriften und Dokumentationen für die Nachwelt festgehalten. Das Selbstverständnis der Aktiven ware es eher Geschichte zu machen, als aufzuschreiben.

 

Bibliothek des Widerstandes für mehr Bewegungswissen

Um das Verlorengehen von Bewegungswissen zu verhindern, hat der Laika-Verlag ein tolles Projekt gestartet und 2010 begonnen eine “Bibliothek des Widerstandes” zu erstellen. Zu allen möglichen Bewegungen der (radikalen) Linken in den vergangen Jahrzehnten werden Filme und Begleitbücher herausgegen:

Unser Ziel ist es, die weltweit 100 wichtigsten Filme seit Mitte der sechziger Jahre zu veröffentlichen. Die einzelnen Editionen bestehen aus ein bis drei DVDs und einem etwa 100seitigen Buch mit zahlreichen Fotos

Cover-HK-Bd-21Geplant sind auch drei Bände zu Hausbesetzungen. Der erster Band ist seit Dezmember 2012 fertig und kann auch bestellt und erworben werden: Wolf Wetzel u.a.  2012: Häuserkampf I: Wir wollen alles – der Beginn einer Bewegung (1970 bis 1989)

Ein weiterer Bande zur Hafenstraße solle im kommenden Jahr folgen. Für den Band III zu den Hausbesetzungen in den 1990er Jahren versuche ich gerade eine Chronologie der Hauserkämpfe nach 1989 zusammenzustellen. Insbesondere für die zweite Hälfte der 1990er Jahren gibt es da große Lücken und auch die Ereignisse außerhalb der großen Hausbesetzungs-Zentren dieser Zeit (Berlin, Leipzig und Dresden) würde ich mich über Hinweise sehr freuen.

Aufruf zum Mitmachen: Vielleicht können sich ja alle mit einem guten Erinnerunsgvermögen, gut sortierten Privatarchiven oder sauber abgelegten Lokalzeitungen an dieser Form einer Crowd-Writing-History beteiligen. Die Chronologie soll keine vollständige Erfassung aller jemals besetzten Häuser und Räumungen sein, sondern vor allem wichtige Ereignisse widerspiegeln. Schön wären kurze Notizen, aus denen Zeitpunkt, Ort und Ereignis hervorgeht. Das Format der Chronologie im Buch wird in etwa so gestaltet sein:

1989

Die Rote Flora ist ein Autonomes Zentrum im Restgebäude des ehemaligen Flora-Theaters und liegt im Schanzenviertel im Hamburger Stadtteil Sternschanze. Es wurde am 1. November 1989 nach dem erfolgreichen Widerstand gegen den Umbau zu einem Musicaltheater besetzt und genutzt.

1989/1990

Zum Jahreswechsel 1989/90 wird in der Schönhauser Alle 20/21 das erste Haus in Ostberlin besetzt. In den folgenden Monaten folgen etwa 120 Besetzungen von leerstehenden Altbauten in den Ostberliner Stadtteilen Mitte, Prenzlauer Berg und Friedrichshain.

März: Im Leipziger Stadtteil Connewitz werden in kurzer Folge 14 Häuser in der Stöckartstraße und umliegenden Straßenzügen besetzt

November 1990:  Mit dem erste westdeutsche Polizeieinsatz in Ostberlin räumen etwa 4.000 Polizei-Beamt/innen nach einer zweitägigen Straßenschlacht die besetzten Häuer in der Mainzer Straße

1992

Eine Gruppe von obdachlosen Menschen besetzt die leerstehende Brunnenstrasse 183 in Berlin, wurden aber recht bald von der Polizei vertrieben. Die zweite Besetzung noch im selben Jahr wurde geduldet, mit einem Teil der Erbengemeinschaft wurden »mündliche Mietverträge« vereinbart.

to be continued…  

Ich bin gespannt auf eure Beiträge!



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