Gotteshäuser brennen in Deutschland

 Quelle: http://islam.de/16966.php

Moscheen und Synagogen werden wiederholt angegriffen. Muslime
zwischen Vorwurf der Opferrolle und Angst vor Anschlägen. Auszug aus den täglichen Diskriminierungen.

Wenn Muslime von täglichen Diskriminierungen, Anfeindungen oder gar Angriffen berichten, wird ihnen gerne vorgeworfen in eine Opferrolle oder Beleidigtsein zu verfallen. Gleichzeitig werden die Muslime in Deutschland beschuldigt, nicht genügend gegen ihre „Al-Kaida-Glaubensbrüder“ in Pakistan zu tun.

Viele Muslime fragen sich, was alles noch geschehen soll, damit ihre Sorgen ernst genommen werden. Ein kurzer Abriss aus den täglichen Konfrontationen, denen Muslime ausgesetzt sind, zeigt, wie ernst die Lage geworden ist.

Nach dem Schock über den grausamen Mord an der Muslima Marwa El-Sherbini durch einen Islamhasser, hatten die Muslime gehofft, dieser mörderische Höhepunkt würde hierzulande ein Umdenken einleiten. Doch stattdessen brennen immer häufiger Moscheen und andere Gotteshäuser. Selten sind diese Nachrichten in den Medien mehr als eine Randnotiz wert. Stattdessen lassen einige Massenblätter nicht nur die nötige Trennschärfe zwischen Terrorismus und Islam vermissen, es werden sogar in reißerischen Berichten über Familientragödien ethnische Herkünfte herangezogen, automatisch ein muslimischer Glauben abgeleitet und dann als wichtige Information zur Tat verkauft – ergo mit dem Islam verbunden.

Nicht nur Moscheen werden in Brand gesteckt, auch Synagogen werden in Deutschland – wieder, oder noch immer – angegriffen. Erst vor wenigen Wochen wurde die neuer Mainzer Synagoge mit einem Molotowcocktail angegriffen, bei der glücklicherweise niemand zu Schaden kam. Alleine auf die große Berliner Sehitlik Moschee wurden in den vergangenen sechs Monaten über vier Anschläge verübt – das ist fast jeden Monat einer. Der letzte in der Nacht auf den vergangenen Freitag, bei dem ein Brandsatz auf die Moschee geschleudert wurde – das war in der Nacht nach dem letzten Opferfesttag. Das Opferfest entspricht dem größten muslimischen Fest im Jahr, der Anschlag kommt einem zu Weihnachten gleich. Die Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, sieht in dem mutmaßlichen Brandanschlag "ein weiteres alarmierendes Indiz für ein Erstarken rechtsradikalen Gedankenguts in Deutschland".

Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland, hat wiederholt auf ein wachsendes Klima der Angst innerhalb der muslimischen Gemeinde in Deutschland hingewiesen. „Gerade in einer Zeit, in der Muslime vermehrt Übergriffen ausgesetzt und verängstigt sind, brauchen sie deutliche Signale, dass sie zur deutschen Gesellschaft dazugehören“, sagte Mazyek. Zu Recht fordert Mazyek anlässlich des Anschlages auf die Sehitlik-Moschee, dass der Berliner Innensenator die Moscheen besser schützen lassen soll.

Dass es bei den Taten häufig nicht mehr um Jugendstreiche handelt, sondern um organisierte Machenschaften, zeigt das Bespiel, als in einer konstatierten Aktion Tierreste in Form von abgeschnittenen Schweineohren an viele größere Moscheegemeinden in Deutschland verschickt wurden.

Tagtäglich erhalten muslimische Einrichtungen ernstzunehmende Hass- und Drohmails. So erhielt islam.de beispielsweise vor wenigen Tagen eine Nachricht mit dem Titel „Eure Ausrottung steht bevor“, in der es unter anderem hieß: „Unterschätzt niemals die Grausamkeit des deutschen Volkes sonst ergeht es euch genauso wie den Juden“. Solche Delikte werden von den muslimischen Einrichtungen und Verbänden dann an die polizeilichen Stellen weitergeleitet.

Deutschland tut sich keinen Gefallen, wenn Medien, öffentliche Stimmen oder gar führende Politiker immer häufiger versuchen Fehlentwicklungen, kriminelle Tatbestände oder sogar Kofferbombenattrappen in die Nähe von Muslimen oder des Islams zu rücken – und gleichzeitig Angriffe auf Andersgläubige und ihre Gotteshäuser in Deutschland ignorieren oder verharmlosen. Besonders im Ausland wird diese Entwicklung mit großer Besorgnis zur Kenntnis genommen. Man erwartet von Deutschland, insbesondere vor dem Hintergrund seiner dunklen historischen Kapitel, eine besondere Sensibilität und Früherkennung, solchen Entwicklungen Einhalt zu gebieten (O. Bauer).


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