Geistige Größe im Dienste der Armen: Agnes von Böhmen (1211-1281)

800. Geburtstag am 20. Januar 2011
Agnes von Böhmen, auch Agnes von Prag, wurde vom Volk schon zu Lebzeiten als Heilige verehrt. Die Kirche allerdings, der sie einen Großteil ihres Lebens weihte, teilte diese Haltung nicht, und ihre Heiligsprechung zog sich über sieben Jahrhunderte hin. Die tschechische Klostergründerin und Äbtissin besaß Führungseigenschaften, die ihr, wäre sie ein Mann gewesen, höchstwahrscheinlich eine herausragende Stellung in weltlichen wie kirchlichen Kreisen des damaligen Europa gesichert hätten.
Bereits als Dreijährige wird Agnes von Böhmen zum Objekt der väterlichen Politik. Für die Tochter des böhmischen Königs Ottokar I. Premysl und seiner zweiten Frau Konstanze von Ungarn erscheint ein Kloster als richtiger Aufenthaltsort. Nachdem sie mit einem Cousin verlobt wird, ist für sie die Erziehung in einem Trebnitzer Zisterzienserinnenkloster festgelegt. Da der Verlobte stirbt, wird Agnes mit acht Jahren dem Sohn des deutschen Kaisers Friedrich II. versprochen. Aus der Heirat wird nichts, da der vorgesehene Ehemann, Heinrich VII., sich anders entscheidet. Sogar der englische König Heinrich III. Plantagenet soll Agnes’ Ehemann werden und spricht in Prag vor, aber auch er löst später die Verlobung. Den deutschen Kaiser Friedrich II. kann Agnes als Bewerber bereits eigenständig ablehnen. Die hochherrschaftlichen Vermählungspläne sind umfangreich dokumentiert.
Nach der demütigenden Heiratspolitik des Vaters überlässt nach dessen Tod der neue König, ihr Bruder Wenzel II., Agnes selbst die Entscheidung über ihre Lebensführung. 1232 gründet sie in Prag ein Armenspital. Ein Jahr später lässt sie einen doppelten Klosterbau errichten – das Kloster der Minoriten-Brüder des Heiligen Franziskus und das Frauenkloster der Heiligen Klara. Sie folgt dabei begeistert dem Beispiel ihrer kurz zuvor verstorbenen und heiliggesprochenen Cousine Elisabeth von Thüringen. Grundlage für Agnes’ Wirken sind die Lehren des Franziskus von Assisi und seiner Anhängerin Klara. Mit Klara von Assisi korrespondiert sie auch.
Im europäischen Adel sorgt sie für Aufsehen, denn über die Spital- und Klostergründungen hinaus will sie auch die kirchliche Politik beeinflussen. Sie tritt 1234 dem von ihr gegründeten Klarissinnen-Kloster bei. Ein Jahr später wird sie vom Papst zur Äbtissin ernannt. Ihr Gelübde zu einem Leben in absoluter Armut, gemeinschaftlicher wie individueller Armut, entspricht nicht den Plänen Papst Gregors IX.. Diesem ist die neue Armutsbewegung ein Dorn im Auge. Kompromisse verweigert sie und tritt als Äbtissin zurück. Sie erscheint nunmehr nur noch als „soror maior“ (ältere Schwester), aber mit dem Einfluss einer Äbtissin auf ihre Umgebung. Einen eigenen Orden nach der ursprünglichen Franziskanerlehre gründet sie nach dem Tode von Gregor IX.: Es entsteht der einzige original tschechische Orden, die Kreuzbrüder mit dem Roten Stern, die sich erst in späterer Zeit vom karitativen Anspruch einer Agnes von Böhmen lösen und eine herrschaftliche Selbstdefinition annehmen, als Kreuzherren mit dem Roten Stern.
Agnes setzt nicht nur ihre kirchlichen Pläne durch, sie nimmt trotz der vorgeschriebenen Klausur auch Einfluss auf die weltliche Politik. Ihrer königlichen Familie kann sie helfen, weil sie jahrelang auf der Seite der päpstlichen Kurie steht. Für ihren Bruder Wenzel II. hält sie die Verbindung nach Rom aufrecht und es gelingt ihr, für ihn einen Zwist mit dem Sohn Ottokar II.
Premysl zu schlichten. Auch ihrem Neffen steht sie bei, dessen architektonisches Wirken in die Geschichte einging, und sein Niedergang wird auch für sie zu einem harten Schicksalsschlag. Nach der Schlacht auf dem Marchfeld 1278 wird das Königreich Böhmen von jahrelangen Kriegen, Hungersnöten und Epidemien heimgesucht. Die fast 70jährige Agnes stirbt 1281 oder 1282, ohne dass einflussreiche Kräfte ihre Heiligsprechung erwirken können. Sie wird im von ihr gegründeten und nach ihr benannten Agnes-Kloster bestattet. Nach ihrem Tod sollen die PragerInnen in tagelanger Prozession an ihrer „heiligen Frau“ vorbeigezogen sein.
Die Kirche kann sich trotz wiederkehrender Anträge nicht dazu durchringen, die Meinung des Volkes zu teilen. Sie verweigert der außergewöhnlichen Kirchenfrau die Ehre. Ihr Leben voller Entsagung, Aufopferung für die Armen und Wundertaten findet erst volle 708 Jahre später Anerkennung. Papst Johannes Paul II. kanonisiert Agnes von Böhmen am 12.11.1989, nur einige Tage vor der »Samtenen Revolution«. Sie gilt heute als tschechische Nationalheilige und ihr Andenken als „Krone, die Kranke pflegt“ ist in der Bevölkerung ungebrochen.
Der Historiker Petr Kubín stellt auf die Frage, welchen Stellenwert Agnes heute in ihrem Land hat, fest: „Ich würde sagen, dass sie an herausragender Stelle steht. Sie kommt sogar gleich nach dem Heiligen Wenzel, dem Hauptpatron Böhmens.“
FemBio (Hannover/Boston) von Professorin Luise F. Pusch ist das weltweit umfassendste Frauenbiographie-Portal und steht für den größten Schatz an verfügbaren Frauenbiographien – mit den Schwerpunkten Europa und Amerika.
Original-FemBiografie zu Agnes von Böhmen von Marie Sasa Lienau auf http://www.fembio.org
Bearbeitet von Evelyn Thriene
FemBio Pressestelle, Zähringerplatz 11, D-78464 Konstanz

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