Geht er frei? Neuerlich fesselt Justizdrama über OJ Simpson Amerika

Heute um 10 Uhr Ortszeit findet in Nevada eine Anhörung vor dem Begnadigungsausschusses des US-Staates statt: Es solle entschieden werden, ob der wegen eines Raubüberfalls in 2007 verurteilte ehemalige Football-Star OJ Simpson (70) vorzeitig aus der Haft entlassen werden darf.

Simpson macht seine Aussagen über eine Video-Schaltung vom Lovelock Correctional Center nahe Las Vegas: Er wird verbunden sein mit dem sechsköpfigen Gremium in Carson City. Er dürfte vor allem auf gute Führung plädieren. Und dass er keine Gefahr für die Bevölkerung darstelle.

Simpson war zu neun bis 33 Jahren Haft wegen eines gewalttätigen Einbruchs in ein Hotel in las Vegas verurteilt worden. Er wollte damals Andenken-Gegenstände einkassieren, die ihm – seiner Meinung nach – gestohlen worden wären.

Neun Jahre hat er für das Verbrechen bereits abgesessen. Sollte das Gremium seinem Antrag zustimmen, könnten sich am 1. Oktober die Gefängnistore öffnen für “OJ”, wie der Ex-Sportstar in den USA genannt wird.

Weltberühmt wurde OJ Simpson natürlich durch den Mordprozess nach dem gewaltsamen Tod seiner Frau Nicole Brown Simpson und dessen Freund  Ron Goldman. Beide wurde erstochen aufgefunden, Simpson nach einer wilden, im TV live übertragenen Flucht in seinem “Bronco SUV” verhaftet.

Der Mordprozess hielt wochenlang die USA und die Welt in Atem. Der dramatischste Moment kam, als Simpson einen bei der Tat angeblich vom Mörder getragenen Handschuh anprobierte, der aber nicht passte. Simpsons Staranwalt Johnny Cochran appellierte mit der berühmtesten Phrase der US-Justizgeschichte an die Geschworenen: “If the glove does not fit you must aquit!” Übersetzt: Wenn der Handschuh nicht passt, müssen Sie ihn freisprechen.

Tatsächlich kam es zur Sensation: Es hieß am Ende “nicht schuldig”.

In einem Zivilprozess später kamen die Geschworenen zu einem gegenteiligen Urteil: Simpson wurde zu einer Millionen-Entschädigung an die Angehörigen der Mordopfer verdonnert, Simpsons Vermögen gepfändet. Er lebte fortan mit einer Art Rente.

Im September 2007 stürmte er gemeinsam mit drei Komplizen jedoch ein Suite im “Palace Station”-Hotel in Las Vegas und entwendete mit vorgehaltener Pistole Sport-Andenken von Dealern, die er für sein Eigentum hielt.

Damit landete er letztendlich doch im Gefängnis – für die Angehörigen der Mordopfer war es eine Genugtuung.


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