Furnier ist das Filet des Baumes

Tisch und Raum mit FurnierFurnier ist ein hochwertiges Naturprodukt aus hochwertigstem Holz. Wie viel Arbeit aber hinter einem einzigen Furnierblatt steckt, dessen ist man sich kaum bewusst. „Vom Baum im Wald bis zum verkaufsfertigen Furnier ist es ein langer Weg. Nur das Beste vom Holz erfüllt die Ansprüche unserer Kunden und erwacht als individuelle Akzentuierung von Möbeln, Schiffsinterieur oder luxuriösen Innenausstattungen von Autos zu einem attraktiven Leben“, so Axel Groh, Geschäftsführer und Mitinhaber der Karlsruher Firma Schorn & Groh.

Für die Furnierherstellung werden global maximal 200 erlesene Holzarten verwendet – von mindestens 40.000 weltweit. Schon die Auswahl eines passenden Baumes gleicht der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. „Nur ganz wenige Bäume sind für die Herstellung hochwertigen Furniers überhaupt geeignet. Man muss quasi in den Baum hineinschauen, die inneren Werte erkennen und dann entscheiden, ob er sich für die Furnierherstellung eignet und wenn ja, welche Stücke davon ein optimales Ergebnis erwarten lassen“, berichtet der studierte Forstwirt. Ist der passende Baum gefunden, müsse noch entschieden werden, welche Stärke das Furnier haben soll und ob es zum Beispiel wie ein Apfel geschält oder wie ein Brot geschnitten beziehungsweise gemessert wird. „Jede dieser Entscheidungen ergibt am Ende des Herstellungsprozesses ganz unterschiedliche Oberflächenmuster, die in ihrer Vielfalt und Farbgebung einzigartig sind. Diese Vielfalt macht echtes Furnier zu einem hochwertigen Unikat aus dem „Filetstück“ des Baumes –
Einheitsoberflächen aus Holz imitierendem Kunststoff können da nicht mithalten. Das wäre, als wolle man echtes Parkett und künstliches Laminat auf eine Stufe stellen“, erklärt der Unternehmer.

Es klingt ungewöhnlich, aber Furnier ist neben seiner Individualität ein echter Umweltschützer. „Für die Herstellung der hochwertigen Furnierblätter eignen sich nur Bäume einer bestimmten Größe beziehungsweise einer entsprechenden Dicke. Diese entnehmen wir einzeln dem Wald und schaffen so nebenbei Platz und Licht für nachwachsende Pflanzen und Bäume“, erklärt Groh. Im Ergebnis bleibt der Wald eine gesunde Mischung aus jungen und alten Bäumen, die sich gegenseitig vor Wind und Wetter schützen. „Bei heute in Mode gekommenen einheitlich gepflanzten Monokulturen sieht das schon ganz anders aus. Ein Sturm oder ein Feuer genügen und riesige Flächen werden zerstört“, gibt Groh zu bedenken. Außerdem würden für die Furnierproduktion auch einzelne Bäume aus ursprünglichen Mischwäldern verwendet, die durch den abwechslungsreichen Bewuchs besonders resistent gegen Schädlinge seien. „Monokulturen sind da viel anfälliger. Mit der Verwendung von Furnier fördert man also die Gesundheit des Waldes.“ Ein weiterer Pluspunkt für Furnier sei die optimale Nutzung des gesamten Baumes. „Aus einem Kubikmeter Rohholz kann man furnierte Oberflächen für etwa 15 komplette Schlafzimmer herstellen mit Bett, Schrank und Beistellmöbel. Würde man diesen einen Kubikmeter Holz in 25 Millimeter starke Bohlen sägen, kämen genau zwei Massivholzschränke dabei heraus“, so Groh. Das sei mit einer der wichtigen Gründe, warum teure und hochwertige Hölzer nur als Furnier angeboten werden.

Selbst ein Kubikmeter Holz reichte allerdings noch lange nicht für ein Projekt aus, an das sich der Furnier-Experte besonders gerne zurückerinnert. „Wir haben vor einigen Jahren das Hotel ‚Grand Hyatt’ in Shanghai mit feinsten Furnieren beliefert. 250.000 Quadratmeter Oberfläche wurden dabei mit drei unterschiedlichen Holzarten veredelt“, so Groh. Für das passende Holz seien die Mitarbeiter in ganz Europa unterwegs gewesen – ein immenser Aufwand. Aber auch die Arbeit in etwas kleineren Dimensionen mache Spaß: „Mir ist eine ältere Dame aus der Nachbarschaft in guter Erinnerung geblieben, deren furnierter Beistelltisch eine ‚Ecke abhatte’. Das passende Furnier war schnell gefunden und das Tischchen sah nach der Reparatur wieder aus wie aus wie vom Möbelhersteller.“


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