Für Elis, Ute und uns andere

Das Leben ist vielseitig. Diese Tatsache wird niemand bestreiten. Vielschichtig. Und das Leben bedient sich ganz unterschiedlicher Zeitrechnungen, die mit dem menschlich eingerichteten 24-Stunden-Takt, dem Wunsch nach Ordnung und Struktur, nichts zu tun haben. Mal ist so ein Tag ruhig und beschaulich. Träge. Ja, beinahe zäh. Angenehm gestreckt, so dass man Zeit genug hat, seine Gefühle zu sortieren. Das Erlebte zu verdauen. Und dann gibt es Tage, die sind wie ein ganzes gefühltes Leben. Von vorne bis hinten. Gestern war so ein Tag. Was haben wir gelacht. Unsinn gemacht und Spaß gehabt. Und abends einen guten Freund betrauert. Leben und Tod. Das unbändige Leben in seiner Gesamtheit. Zunächst ein perfekter, wunderbarer Start in den frühen Morgen, ein herrliches Erwachen. Dann ein erfüllter, erfolgreicher Arbeitstag. Intensive Gespräche. Momente der Entscheidung. Erleichterung. Sogar Leichtigkeit. Und abends ein großes Glas kühlen Weißweins des natürlich-gar-nichts-Vergessens, viel zu schnell getrunken, von dem mir heute Morgen noch schlecht ist. Mir serviert im Pessimismus, in Wut und Hoffnungslosigkeit. Auch in Ignoranz vor der Wahrheit. Und in Ignoranz vor der immer präsenten Schönheit der Welt. Der Vollkommenheit in der Unvollkommenheit. Und in meiner tief empfundenen Trauer und meinem Mitgefühl für die, die noch viel mehr trauert, den Verlust von so Kostbarem betrauert, weigere ich mich standhaft, unsere Tage hier im Paradies, auf der Erde, zu reduzieren. Nichts ist nur schlecht. Ja, absolut, auch ich finde das Leben manchmal total daneben, und man kann mich sogar dabei ertappen, wie ich, zum Glück nur selten, mit dem Universum schimpfe. So ganz global. Um dann zurück zu meinem Punkt des Inneren Friedens zu gelangen. Zu flüchten. Nach Hause zu kommen. In mich und meinen Entschluss. Dem Gefühl und auch der Logik, dass das Leben .... vielseitig ist. Nicht mehr und nicht weniger. Und zu meiner festen Überzeugung, dass in der wahren Trauer die Fähigkeit des Genusses liegt, tief verankert. Die Fähigkeit des Genusses, mit jemandem zusammen zu sein. Die Fähigkeit zu lieben. Die Fähigkeit zu erkennen, was unsere Reichtümer ausmacht. Die wahre Trauer, so fühle ich es, hat nur ganz kurz mit Wut oder Missmut zu tun. In der wahren Trauer, gefühlt mit jeder Faser unseres Herzens, die uns den Verstand zu rauben glaubt, dann und wann, steckt, unerschütterlich verwurzelt, der Mut zum Leben. Das Ja zum Leben. Die Lust am Leben. In guten wie in schlechten Tagen. In Freude und Zusammensein, in Geborgenheit und mit all den schönen Gefühlen, die wir so gerne mögen. Und in der Trauer steckt, nicht minder tief verankert, der Mut zum Leben mit seinen Abschieden. Steckt der Mut zum Leben mit den Toden, die wir sterben, dem Loslassen und Akzeptieren lernen ..... Auf alle, die gegangen sind. Ihr seid in unseren Herzen ..... Auf alle, die hier sind. Mit denen wir jetzt zusammen sein dürfen ..... Um heute zu trauern. Und um morgen erneut das Leben zu feiern.

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