"Freud" / "Freud - The Secret Passion" [USA 1962]


Obwohl John Huston das Originaldrehbuch des namhaften Existenzphilosophen Jean-Paul Sartre ablehnte, wollte sich der Filmemacher nicht der Eindrücke erwehren, die Sartre dem Stoff einimpfte. "Freud" mag für Freud-Erstentdecker nützlich sein, einen kompetenten Querschnitt zu erhalten. Vornehmlich über die frühe, kontrovers angefeindete Forschung des 19. Jahrhunderts (mit chronologisch fein säuberlich angeordneten Themen wie Hysterie, Neurose, Traum, Ödipuskomplex sowie Trieb- und Todeswünschen) des österreichischen Psychoanalytikers verirrt sich Hustons Biopic anhand einer spezifischen Fallstudie in schauerromantischen, in mithin außergewöhnlich unwirklichen Impulsen verdrängter Sexualität (vorzüglich gruselig: ein zum Krankenhaus umfunktioniertes Bordell). Voller gestalterischem Geschick erinnern diese nicht zufällig an jene dadaistischen wie surrealistischen Strömungen, die Anfang des 20. Jahrhunderts bürgerliche Vorstellungsstatuten in Frage stellten, indem sie das Unbewusste kitzelten. Sartres Einfluss aber schlägt sich andernorts nieder. "Freud" ist manisch kontrolliertes (Theater-)Kino, dessen Protagonist (durchweg ungewohnt und ein Müh zu blasiert: Montgomery Clift) um Wahrheit und Wissenschaftsillusionen, um seinen Platz im Leben ringt, das zwar "frei" scheint, gleichwohl "ausgefüllt" werden muss – mit unliebsamen Entscheidungen, mit dem Kampf gegen eine gottgeleitet normierte Denkstruktur. Nicht zuletzt die ausgetüftelten Dialoge sind es, die diesen Film zu einer einnehmenden Expedition des Geistes machen, die viel weniger küchenpsychologisch aufgeladen wirkt als Hitchcocks dahingehend allzu plumpes Seelenrührstück "Marnie". Eine Entdeckung. Allemal. 
7 | 10

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