Frauenheld im Bademantel

Frauenheld im Bademantel

Erst kürzlich sagte Udo Jürgens in einem Interview, dass ihm bei der Verfilmung seines autobiografischen Romans Der Mann mit dem Fagott die Horrorvorstellung beschlichen habe, «dass das peinlich wird – und das ist ganz leicht möglich». Gerade wenn es um keine fiktive, sondern eine wahre Geschichte gehe. «Ich sehe so viele Dinge, auch Filme, die mehr als peinliche Sequenzen haben», sagte Jürgens.

Bei der elf Millionen Euro teuren Produktion von Miguel Alexandre (Die Frau vom Checkpoint Charlie), die das Erste heute und morgen ausstrahlt, ist die Sorge des Sängers unbegründet. Mit dem ARD-Zweiteiler ist eine Familiensaga gelungen, die mehr ist als ein Film über den Musiker und Frauenheld Udo Jürgens. Vielmehr wird die bewegte Lebensgeschichte der Bockelmanns erzählt, die Jürgens (bürgerlich: Udo Jürgen Bockelmann) bereits 2004 gemeinsam mit der Autorin Michaela Moritz auf mehr als 700 Seiten niederschrieb.

Sie handelt von Heinrich und Rudi Bockelmann, Großvater und Vater des Sängers, die sich Karrieren als Bankier in Russland und Bürgermeister in Österreich aufbauten, bevor die Weltkriege sie aus dem Leben rissen und ihre Ideale auf die Probe stellten. Mittendrin der heranwachsene Udo, der auf dem Klavier das Donnern der Bomber nachahmt, bevor er als junger Mann «seine» Musik in Amerika sucht und schließlich zum Weltstar wird.

Gekonnte Besetzung und spannende politische Verwicklungen

Gründe, diesen Film zu mögen, gibt es reichlich. Für den Zweiteiler konnten bekannte deutsche TV-Gesichter gewonnen werden, die ihren Figuren die Glaubwürdikeit verleihen, die sie verdienen. Christian Berkel überzeugt als charismatischer Idealist Heinrich Bockelmann ebenso wie Ulrich Noethen als gehörnter Mitläufer Rudi Bockelmann.

David Rott verkörpert die Eleganz und den fast zurückhaltenden Charme des jungen Udo Jürgens unaufdringlich und glaubhaft und gewinnt damit das Herz seiner ersten großen Liebe Gitta (Valerie Niehaus).

Heimlicher Star ist aber Alexander Kalodikis, der Jürgens als Kind spielt. Ein kleiner Junge, der schwächer ist als die anderen, sich nicht prügeln will, sondern lieber nachts zu den russischen Zwangsarbeitern schleicht oder sich ans Klavier setzt, um eigene Melodien zu spielen. Eine treue Seele, die immer etwas besorgt und ängstlich dreinschaut, weil sie die Außenwelt viel intensiver wahrnimmt als ihre Altersgenossen.

Der historische Hintergrund lässt Der Mann mit dem Fagott zu einer Zeitreise durch 100 Jahre europäischer Geschichte werden und wirkt dabei nie aufgesetzt, sondern wird stets als persönliches Schicksal der Figuren erzählt. Diese stehen nichtsdestoweniger stellvertretend für Schrecken und Verzweiflung während der Weltkriege, aber auch für Nächstenliebe und Mut. Gedreht wurde unter anderem an Originalschauplätzen wie Schloss Ottmanach in Österreich, wo Jürgens tatsächlich aufwuchs. Auch sonst wurde mit viel Liebe zum Detail gearbeitet – von den Requisiten über die Kostüme bis hin zu den auf jung oder alt getrimmten Schauspielern.

Sämtliche Musik stammt aus Jürgens’ Feder

Natürlich ist dieser Film für Geschichtsinteressierte ebenso etwas wie für Fans von Udo Jürgens. Nicht nur, weil der Sänger gleich in dreifacher Ausführung im Film vorkommt: als Kind, junger Mann und als er selbst, denn Jürgens hat als Gaststar einige mitunter sehr emotionale Szenen im Film. Auch seine Musik kommt nicht zu kurz – und die gibt es im ARD-Zweiteiler im Original zu hören. David Rott überließ den Gesang nämlich Jürgens, der für die komplette Filmmusik verantwortlich ist. Das kann zunächst etwas befremden, ein Genuss für die Ohren ist es aber allemal.

Das gilt auch für die Melodie des Fagottspielers, die sich wie ein roter Faden durch den Film und die drei Generationen der Bockelmanns zieht. 1891 hörte ihn Heinrich Bockelmanns auf Bremens Straßen ein russisches Lied spielen und beschloss, nach Moskau auszuwandern, womit die Familiensaga beginnt. Noch oft sollte ihm der Mann mit dem Fagott auf die eine oder andere Weise begegnen und sich als Talisman für ihn, seine Söhne und deren Söhne erweisen. Dem Zuschauer hilft er, die mitunter großen Zeitsprünge zu meistern.

Udo Jürgens selbst seien insbesondere bei den Szenen über ihn «die Tränen runtergelaufen», wie er im Interviewverriet. Schon während der Dreharbeiten habe er sich in Kalodikis und Rott wiedererkannt und gemerkt, «wir könnten an etwas Großem dran sein».

2012 geht Jürgens wieder auf Deutschlandtournee unter dem Motto «Der große Wahnsinn». Zugaben gibt es dann wie immer im weißen Bademantel. Wie es dazu kam? Auch das erfahren Sie in Der Mann mit dem Fagott.

Bestes Zitat: «Wenn du was willst, dann kriegst du das auch – geh’ einfach geradeaus.» (Heinrich Bockelmann zu seinem Enkel Udo)

Titel: Der Mann mit dem Fagott – Teil 1 und 2
Regie: Miguel Alexandre
Darsteller: Christian Berkel, David Rott, Ulrich Noethen, Valerie Niehaus, Melika Foroutan, Herbert Knaup und andere
Sendetermin: Teil 1: Donnerstag, 29. September 2011; Teil 2: Freitag, 30. September 2011, jeweils 20.15 Uhr, Das Erste

Am 29. September 2011 ist Udo Jürgens zu Gast bei Reinhold Beckmann (22.55 Uhr, Das Erste). Im Anschluss zeigt der Sender das Making-of zum Film (0.10 Uhr, Das Erste). Am 30. September folgt auf den zweiten Teil ein Live-Konzert des Sängers von 2006 (22 Uhr, Das Erste).

Entscheiden Sie hier, wer der schönere Udo Jürgens ist.

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Udo-Jürgens-Film – Frauenheld im Bademantel

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Tags: Der Mann mit dem Fagott, Michaela Moritz, Miguel Alexandre, Udo Jürgen Bockelmann, Udo Jürgens

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