FNML > Wohnung mit Samba

Es war eine Wette. Und offensichtlich habe ich verloren sonst wären wir nicht in Coburg. Shit.

2002 beendete ich meine Weiterbildung zum „Nutzloser Internet-Hype Fantasieberuf“ mit dem Gefühl, gerade der Arbeitsagentur einen Haufen Geld gekostet zu haben, ohne dass es mir etwas gebracht hätte. Immerhin wusste ich jetzt mit absoluter Sicherheit, dass ich mich eher erschießen würde, als „irgendwas mit Internet“ zu machen.

Lapis hatte noch ein gutes Stück Studium vor sich, auch wenn mich die leise Ahnung beschlich, dass ihr Fach sinnvoller und gefragter ist, als mein Strauß Orchideenfächer. Trotzdem. „Wir gehen da hin, wo der oder die Erste von uns was findet“ schien mir fast ein wenig unfair.

Also schrieb ich Bewerbungen und sie schrieb ihre Diplomarbeit. Und als ich noch frustriert Bewerbung um Bewerbung zurück erhielt, hatte sie das erste Vorstellungsgespräch. Zu dem sie nicht wollte, weil der Mann, der sie einlud „komisch“ klang. Sie fuhr lieber zu den anderen zwei. Ich hatte während des Jahres unserer „Wette“ genau ein Vorstellungsgespräch.

Und so kam es, dass wir im heißen Sommer 2003 im ICE nach Würzburg saßen. Zum Glück funktionierten damals die Klimaanlagen noch. In Bamberg stürzte ich dann erst mal zwischen den Regionalzug und das Gleis, weil ich den lächerlichen halben Meter Abstand nicht richtig überspringen konnte. Fürderhin stellt euch Skeltem mit schmerzverzerrtem Gesicht humpelnd vor.

Bis zum Antritt von Lapis’ neuer Stelle waren es nur noch ein paar Wochen und wir mussten alls ziemlich hastig abwickeln. Wir hatten genau einen Tag Zeit, um uns in Coburg eine Wohnung zu suchen. Drei mögliche Kandidaten hatten wir schon, revolutionär, im Internet ausgesucht und Besichtigungstermine gemacht.

Die erste Wohnung lag an einer Straße. Das ist nicht ungewöhnlich, aber diese lag an einer Hauptachse, die Coburg mit Irgendwo anders verbindet. Oder besser gesagt: mit allem anderen. Dementsprechend war der Verkehr.

Sie: Wie findest du sie?

Ich: WAS?

Sie: WIE FINDEST DU DIE WOHNUNG?

Ich: DU MUSST LAUTER SPRECHEN, DER KONVOI GURKENLASTER ÜBERTÖNT ALLES!

Sie: WAS KOSTET SIE?

Vermieter: 900. KALT.

Ich: AHAHAHAHAHAHA.

Dann gingen, oder in meinem Fall: humpelten, wir zur zweiten Wohnung. Die war ganz hübsch, Jeder von uns hätte eine großes Zimmer gehabt. Ich verliebte mich sofort in die dunkel gestrichenen Wände und das kleine Fenster mit Blick auf das Coburger Wahrzeichen, die Veste. Allein: die Wohnung lag auf dem Gelände eines Öl-Handels. Heizöl!

Lapis: Habe ich aus Versehen etwas getrunken, oder warum verschwimmt alles?

Ich: Das erinnert mich daran, dass ich früher gern die Eddings gerochen habe. Bis ich ganz schwummrig wurde.

Sie: Halte mich…

Ich …

Sie: :rumms:

Zur dritten Wohnung mussten wir die ganze Stadt durchqueren. Unter normalen Umständen dauert das vielleicht 10 Minuten. Aber an jenem Wochenende gab es nicht nur einen Temperaturrekord, der erst fünf Jahre später wieder eingestellt wurde. Lahmte mein gezerrtes Bein nicht nur. Es war auch noch Samba-Fest. Das Coburger Samba-Fest zu beschreiben bedarf es eigentlich einer eigenen Miszelle und die habe ich tatsächlich schon geschrieben. Jetzt genügt es vielleicht zu erwähnen, dass die Stadt voll war. Japanische U-Bahn bei Feierabend-voll. Und laut. Sehr, sehr laut.

FNML > Wohnung mit Samba Wohnung mit Samba" /> Wohnung mit Samba" title="FNML > Wohnung mit Samba" />Bei der avisierten Wohnung erwartete uns Else Kling aus der „Lindensraße“. Oder zumindest jemand, der genau so aussah genauso grantelte und genau so sympathisch war. Immerhin brabbelte sie fränkisch und nicht bayrisch vor sich hin. Die Wohnung lag über einem Imbiss und war „renovierungsbedürftig“.

Else Kling: Dredns da ned hin, da is noh ned feddich.

Lapis: Was ist DAS denn?

EK: Noch … nicht … fertig. Kummd alles noh wech.

Ich: Was ist das für ein Geruch?

EK: Der Dina.

Ich: Diner?

EK: Der Dürge. Dö-ner.

Lapis: Das Fenster is ja noch …

EK: NOH NED FEDDICH!

Ich: Wir gehen jetzt langsam, rückwärts raus und sehen ihr nicht in die Augen. Und: lächeln!

Also entweder die A7 oder Saudi-Coburg. Ich war für die Ölquelle, weil die Wohnung schöner war und argumentierte, dass, wenn man wegen der Dämpfe das Bewusstsein verloren hat, hört man auch die Tanklaster nicht mehr. Lapis fand die Autobahnraststätte schöner, weil …. habe ich vergessen. Ich glaube, es war das riesige Bad.

Ein Jahr später fanden wir dann endlich eine schöne Wohnung. Meine Nerven werden allerdings nie mehr die gleichen sein.


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