Filmkritik zur Komödie ‘Ziemlich beste Freunde’

Filmkritik zur Komödie ‘Ziemlich beste Freunde’

Geschichten über Menschen mit Behinderung gibt es wie Sand am Meer. Immerhin dienen sie vorzüglich um mitleiderregende Geschichten über traurige Schicksale zu erzählen. Wenn dabei nun aber jemand skrupellos mit den Behinderungen der Menschen umgeht, gilt das als menschlich unkorrekt, geradezu verwerflich. Wenn dem wirklich so sein sollte, müssten die beiden französischen Regisseure Olivier Nakache und Eric Toledano im Boden versinken. Mit ihrem Film ‚Ziemlich beste Freunde‘ – auch das Drehbuch stammt von ihnen – wagen sie es, mehr als einen Witz über einen Querschnittsgelähmten zu machen. Aber es scheint zu funktionieren. Die wahre Geschichte, die auf dem Leben von Philippe Pozzo di Borgo basiert, der seit 1993 im Rollstuhl sitzt und eine besondere Freundschaft zu seinem Helfer Yasmin Abdel Sellou aufbaute, wurde 2004 von den beiden Regisseuren als Dokumentarfilm veröffentlicht. Im Anschluss war klar, dass das der Stoff für einen Kinofilm ist. Mit den beiden Darstellern François Cluzet (‚Kleine wahre Lügen‘, ‚So ist Paris‘) und Omar Sy wurde ‚Ziemlich beste Freunde‘ zu einem der erfolgreichsten Filme Frankreichs. Sehr zum Wohlwollen einer Hilfsorganisation für gelähmte Menschen, die sich an 5% der Einnahmen erfreuen dürfen.

Im Film geht es um Philippe (Cluzet), der das perfekte Leben lebt. Er ist reich, gebildet und hat eine Heerschar von Hausangestellten. Nur ist er vom Hals an abwärts gelähmt. Auf der Suche nach einem neuen persönlichen Helfer taucht eines Tages Driss (Sy) auf. Er ist ein Farbiger, der gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde. Eigentlich will er nur eine Unterschrift für seine Arbeitslosenunterstützung. Aber seine unbekümmerte, freche Art macht das charmante Großmaul zur ersten Wahl für Philippe. Spontan engagiert er Driss und gibt ihm zwei Wochen Zeit, sich zu bewähren. Mit dieser Chance für Driss und der drastischen Veränderung im Leben von Philippe beginnt eine wunderbar, verrückte Freundschaft, die beide Leben gänzlich verändert.

Filmkritik zur Komödie ‘Ziemlich beste Freunde’

Oma Sy & François Cluzet

Und es macht Spaß dabei zuzusehen, weil das beschwerte Leben hier in den Hintergrund gedrängt wird. Wo Philippe ohne fremde Hilfe gar kein Leben mehr führen kann, stürzt das Leben auf Driss ein. Seine Ziehmutter schmeißt ihn aus der Wohnung, sein Bruder gerät auf die schiefe Bahn und ohne Dach über dem Kopf muss er sich um seine Zukunft Gedanken machen. Eine Zukunft, die eigentlich gar nicht existiert. Ebenso ergeht es Philippe, der Tag ein Tag aus immer wieder dieselben Prozeduren über sich ergehen lassen muss. Da kommt die neu gefundene Freundschaft, die als pragmatisches Arbeitsverhältnis beginnt, gerade recht. Wenn die beiden Männer auf der Leinwand aufeinandertreffen, sprühen sie geradezu vor Wortwitz. Die Gedanken darüber, dass dort ein Farbiger aus dem Ghetto in dem Haus eines reichen Schwerbehinderten umher spaziert, würde auf beiden Seiten reichlich Angriffsfläche für politisch bedenkliche Sprüche bieten. Davon sieht der Film auch gar nicht ab, aber beide Männer gehen mit einer solchen Leichtigkeit damit um, dass die Wirkung ins Gegenteil gedreht wird. Damit können wir dann auch trotzdem lachen, wenn Driss seinem Arbeitgeber die Schokolade verwehrt, weil es keine Schokolade für Menschen gibt, die ihre Arme nicht danach ausstrecken können. Auch wenn Driss bei der Rasur helfen muss und sich dabei einen Spaß aus den unterschiedlichsten Bartkreationen macht, wird man den alt bekannten Hitler-Style nicht verachten, sondern darüber lachen. Weil die Chemie zwischen Cluzet und Sy stimmt, weil sie sich gut in Szene setzen, weil man ihnen diese Späßchen unter Freunden einfach abkaufen möchte.

Die Freude, die beide durch ihre gemeinsame Zeit erleben, wird aber keinesfalls als Lösung all ihrer Probleme dargestellt. Denn mit diesen müssen sie sich trotzdem weiterhin herumplagen. Philippe muss über seinen Zustand hinweg kommen, wenn er eine Dame kennenlernen möchte, die seit langer Zeit seine Brieffreundin ist. Driss kann sein eigentliches Zuhause nicht ewig meiden, muss sich bewusst werden, dass seine Familie ihn braucht. Beide Männer werden ihr Glück finden, aber nicht allein, sondern durch das Miteinander. Sie werden durch ihre Freundschaft zueinander geprägt, was der Film am stärksten aufzeigt, als sich ihre Wege wieder trennen. Driss nimmt die Angewohnheiten, die er im gänzlich fremden Umfeld erlernt hat, mit in seine Welt, während Philippe immer stärkere Gemütsschwankungen hat, sich verwahrlosen lässt und keinen der neuen Betreuer so nahe an sich heranlässt, wie es bei Driss der Fall war.

Filmkritik zur Komödie ‘Ziemlich beste Freunde’

Anne Le Ny, François Cluzet & Oma Sy

Der Film zelebriert das Thema Freundschaft und setzt es bewusst in den Fokus. Dem kommen keine gesellschaftlichen Unterschiede, Zweifel von Außerhalb oder diverse Grenzüberschreitungen in die Quere. Die beiden Männer halten zusammen, weil sie sich perfekt ergänzen. Da hat keine Nebenfigur eine Chance, ganz gleich ob die Angestellten in der Villa von Philippe, noch die Familie von Driss. Es sind Randfiguren, die zwar ihren kleinen Teil zur Geschichte beitragen, aber keine so bleibende Erinnerung hinterlassen, wie es vor allem bei dem Schauspiel von François Cluzet der Fall ist. Und auch wenn Omar Sy überzogen und fast schon wie eine Comicfigur agiert, wirkt er dabei niemals albern oder unglaubwürdig, sondern bietet mit seiner zappeligen Art und Weise einen Gegenpol zu dem unbeweglichen Philippe, der dem Treiben seines Freundes amüsiert zuschaut.

‚Ziemlich beste Freunde‘ wirft die Möglichkeit von Freundschaften unter unterschiedlichen Bedingungen in den Filmtopf. Schwarz und weiß, reich und arm, ruhig und aufgedreht, klassische Musik und Earth, Wind & Fire – nichts ist unmöglich, wenn zwei Menschen sich treffen, verstehen und eine Bindung zueinander entwickeln, die nicht mehr getrennt werden kann, komme was wolle. Zeitgleich ist der Film aber auch so frech, dass er mit allem durchkommt, was er dem Zuschauer vorsetzt. Dabei ist ‚Ziemlich beste Freunde‘ müsant komisch, traurig dramatisch, vor allem aber liebreizend anmaßend und keck.

Denis Sasse

Filmkritik zur Komödie ‘Ziemlich beste Freunde’

‘Ziemlich beste Freunde‘

Originaltitel: Intouchables
Altersfreigabe: ab 6 Jahren
Produktionsland, Jahr: F, 2011
Länge: ca. 112 Minuten
Regie: Olivier Nakache & Eric Toledano
Darsteller: François Cluzet, Oma Sy, Anne Le Ny, Audrey Fleurot


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