Filmkritik zu ‘In Time – Deine Zeit läuft ab’

Filmkritik zu ‘In Time – Deine Zeit läuft ab’

Regisseur Andrew Niccol erschuf 1997 mit ‚Gattaca‘ einen beeindruckenden Beitrag zum Science-Fiction Genre, der sich mit dem weitläufigen Thema der Gentechnik in Kombination mit der Befruchtung durch einen künstlich erschaffenen Embryo beschäftigt, um damit die Perfektion der Gesellschaft zu bewirken. Nachdem Niccol zuletzt 2005 mit ‚Lord of War‘ aktiv war, kehrt er jetzt nach einer sechsjährigen Pause mit dem dystopischen Sci-Fi Thriller ‚In Time‘ in die Kinos zurück. Hier ist der Ausspruch „Zeit ist Geld“ nicht mehr nur eine metaphorische Floskel, sondern die pure Realität, in der Justin Timberlake und Amanda Seyfried um jede Minute kämpfen müssen.

‚In Time‘ zeigt eine Zukunft, in der jeder Mensch mit 25 Jahren aufhört zu altern. Von diesem Moment an, tickt eine biologische Armbanduhr die verbleibenden 365 Tage herunter bis sie und somit das Leben des Menschen zum Stillstand kommt. Die Reichen können sich Tausende von Jahren und somit ewige Jugend und Unsterblichkeit erkaufen, während die Armen betteln, leihen und Minute für Minute stehlen, nur um den Tag zu überstehen. Will Salas (Justin Timberlake) ist einer der weniger Glücklichen. Jeden Tag erwacht er mit wenigen Stunden auf seiner Lebensuhr. Jeden Tag muss er genug Zeit verdienen, um den nächsten Morgen zu erleben. Als jedoch ein reicher Fremder in sein Leben tritt und kurz darauf stirbt, wird Will fälschlicherweise des Mordes bezichtigt. Plötzlich ist er auf der Flucht – zusammen mit der aus reichen Verhältnissen stammenden Sylvia (Amanda Seyfried), einer Geisel, die sich im Verlauf der Zeit immer mehr mit seiner Weltanschauung identifizieren kann.

Filmkritik zu ‘In Time – Deine Zeit läuft ab’

Amanda Seyfried & Justin Timberlake

‚In Time‘ wandelt auf ähnlichen Pfaden wie es ‚Gattaca‘ vor vielen Jahren getan hat. Regisseur Andrew Niccol möchte wie damals, dass die Zuschauer über den dargestellten Zustand zum Nachdenken gebracht werden. Wo in ‚Gattaca‘ noch die künstliche Befruchtung und die perfekte Gesellschaft angestrebt wurden, bietet ‚In Time‘ die Analogie auf die schnelllebige, geldversessene Gesellschaft, die in unserer Realität gar nicht mehr so weit entfernt ist. Der Science-Fiction Film gilt als Spiegel zur wirklichen Welt, zeigt Fehlverhalten überspitzt auf, so dass Niemanden auf die Füße getreten wird, sich aber doch jeder angesprochen fühlen darf. An der Oberfläche ist hier die Zwei-Klassen-Gesellschaft vorzufinden, die recht simpel in Arm und Reich unterteilt wurde. Wo Schauspieler Vincent Kartheiser (‚Mad Men‘) am Höhepunkt des Reichtums angekommen ist, verbarrikadiert in seiner Villa lebt, wo er seine scheinbar geklonte Familie gefangen hält, ihnen die Augen verschließt vor der Wahrheit, die dort draußen vorzufinden ist, leben andere Menschen am Rande des Todes. Da kommt das Duo Timberlake und Seyfried als Will und Sylvia gerade recht, die wie Robin Hood von den Reichen stehlen um es den Armen zu geben. Timekeeper Raymond Leon, der ihnen immer ganz dicht auf den Fersen ist, sieht das begangene Verbrechen nicht im Stehlen von Zeit, sondern im Verteilen – denn das bringt das System durcheinander, die Armen kommen aus ihren Ghettos, können sich einen höheren Status erkaufen. Nicht nur Anleihen von Robin Hood sind hier zu erkennen, auch das ‚Natural Born Killers‘-Gangsterpaar Mickey und Mallory standen Pate für die Raubzüge der beiden Hauptprotagonisten, die hier zwar weitaus harmloser von statten gehen, sich aber ebenso gegen die bestehenden Gesellschaftsstrukturen richten.

Justin Timberlake mimt den typischen Helden, der in seine Rolle hineingedrängt wird und sich recht schnell – er hat aber auch keine Zeit – damit abfindet, dass er fortan gegen ein ganzes System antreten muss. Er ist auf der Flucht und sucht die Konfrontation, billigt es nicht länger, dass die Menschen leiden müssen. Er ist der Gute, der die Bösen eigenmächtig bestraft, da selbst die Zukunftspolizei, die Timekeeper, ihre Aufgabe nicht in der Schaffung von Gerechtigkeit sehen, sondern in der Verwaltung der Zeit, die sich unter den Menschen im Umlauf befindet. Cillian Murphy, der Ranghöchste Timekeeper in diesem Film, ist dabei auch zugleich der Unachtsamste. Er wird als der außergewöhnlichste der Zeitpolizei beschrieben, der sich sogar traut aus Fenstern zu springen – es folgt keine weitere Erklärung, warum die anderen Timekeeper solche Sprünge nicht vollziehen. Dennoch lässt er die Flüchtlinge immer wieder entkommen, lässt sich von Sylvia anschießen, baut mehr als einen Autounfall und verliert dabei selbst immer mehr Zeit – für einen Timekeeper, der bereits über fünfzig Jahre im Dienst ist, wirkt Raymond Leon zwar gefährlich, aber doch etwas inkompetent.

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Cillian Murphy

Dass Cillian Murphy in die Rolle eines über Fünfzigjährigen schlüpfen konnte, verdankt der Film seiner Prämisse, dass die Menschen ab einem Alter von 25 Jahren nicht mehr altern. Hieraus resultiert, dass Andrew Niccol seinen Film mit jungen Gesichtern füllen konnte. Olivia Wilde, Jahrgang 1984, spielt die 50-jährige Mutter von Justin Timberlake, Jahrgang 1981 – ohne das die Maske sich bemühen musste, die Schauspielerin unnötig alt aussehen zu lassen. Alles ist jung und knackig, hier herrscht die Ästhetik des Schönen. Vielleicht spielt der Film auch gar nicht in irgendeiner fiktiven Stadt der Zukunft, sondern im heutigen Hollywood, wo bereits jetzt dank diverser Möglichkeiten, nicht mehr gealtert werden muss.

Neben Cillian Murphy als Timekeeper und Vincent Kartheiser als zeitgieriger Großindustrieller werden die Minutemen, eine kleine Gangsterbande in den Ghettos, unter der Leitung von Schauspieler Alex Pettyfer als Gegenspieler etabliert, womit der Film ein Dreigestirn an Bösewichten präsentiert, die allesamt ihre interessanten Facetten vorzuweisen haben: Der Drahtzieher im Hintergrund, der sich die Hände nicht schmutzig machen will und glaubt, dass er mit seiner Zeit alles kaufen kann, der fanatische Timekeeper, der seinen Job ohne Kompromisse und Rücksicht auf Verluste erledigt sehen will und die Ganoven, die sich an die Regeln des Ghettos halten und den Menschen eine wirklich undankbare Zeit bescheren. Damit möchte ‚In Time‘ zu viele Fässer auf einmal aufmachen, kann aber den Deckel nicht überall gänzlich hinunter hieven. Die Bösewichte bleiben schwach charakterisiert, Andeutungen über ihre Vergangenheiten und Beweggründe werden nicht zu Ende erzählt. Genauso wenig erfahren wir, was es mit den Lebensuhren auf sich hat, sie werden als Gott gegeben dargestellt. Der Zuschauer wird in eine fremde Welt geworfen, in der er sich nicht zu Recht finden wird. Es wirkt alles so normal, ist aber doch so fiktional, dass es ein verwirrender Umstand ist, mit dem erst einmal umgegangen werden will. Um all seine Anspielungen ausführlich aufzuarbeiten, hätte der Film sich weitaus mehr Zeit nehmen müssen. Aber auch den Machern dieses Filmes scheint es an der nötigen Zeit gefehlt zu haben.

‚In Time‘ leidet darunter, dass versucht wurde, zu viele Stränge in zu wenig Zeit unterzubringen. So vielschichtig hier gearbeitet werden soll, so sehr verkümmert jede Schicht an der Oberfläche. Der Film schafft es nicht tiefer in seine eigene Materie einzudringen, bloße Anspielungen sollen ausreichen um ein Science-Fiction Thema aufzugreifen, welches mit fokussierter Herangehensweise besser hätte inszeniert werden können. Was wir zu sehen bekommen sind eine Menge hübscher Schauspieler, ausbaufähige Handlungsansätze und ein Filmende, welches jederzeit in eine Fortsetzung à la ‚More Time‘ verwandelt werden könnte.

Denis Sasse

Filmkritik zu ‘In Time – Deine Zeit läuft ab’

‘In Time – Deine Zeit läuft ab‘

Originaltitel: In Time
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2011
Länge: ca. 109 Minuten
Regie: Andrew Niccol
Darsteller: Justin Timberlake, Amanda Seyfried, Cillian Murphy, Olivia Wilde, Vincent Kartheiser, Johnny Galecki, Matt Bomer, Alex Pettyfer


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