Filmkritik zu ‘Der Mandant’

Filmkritik zu ‘Der Mandant’

Der US-Autor Michael Connelly veröffentlichte vor sechs Jahren seinen ersten Roman mit der Titelfigur des Mickey Haller, einem abgebrühten Anwalt in der Hölle von Los Angeles. Im vergangenen April erschien nun mit ‚The Fifth Witness‘ die bereits vierte Geschichte um diese Figur. So langsam ist es also an der Zeit, dass sich die Filmschmiede Hollywoods um die Verfilmung dieser Romanserie kümmert. Mit Matthew McConaughey in der Hauptrolle hat Regisseur Brad Furman jetzt ‚Der Mandant‘, das erste Buch der Serie, verfilmt.

Im Film wird der Name der Hauptfigur auf Mick Haller gekürzt. Aber auch hier ist Matthew McConaughey nicht in der Rolle des typischen Anwalts zu sehen. Statt in einem Büro wickelt der smarte Strafverteidiger seine Geschäfte lieber auf dem Rücksitz seiner dunklen Lincoln Continental-Limousine ab. In der chauffiert ihn sein Fahrer durch Los Angeles von Gerichtssaal zu Gerichtssaal, wo Haller sein Geld damit verdient, günstige Deals für Drogendealer, Prostituierte und andere Klienten auszuhandeln. Doch eines Tages hat der geschiedene Vater einer kleinen Tochter plötzlich einen sehr viel größeren Fisch an der Angel. Er soll Louis Roulet (Ryan Philippe) verteidigen, den Sprössling einer reichen Familie aus Beverly Hills, dem versuchter Mord und Vergewaltigung vorgeworfen werden. Was anfangs nach einer leichten Aufgabe mit dickem Honorar aussieht, entpuppt sich allerdings bald als Hallers größter und gefährlichster Fall, in dem zunächst sein Gewissen und dann seine gesamte Existenz auf dem Spiel steht.

Filmkritik zu ‘Der Mandant’

Matthew McConaughey & Marisa Tomei

Dafür muss man erst einmal eine Erklärung parat haben: Matthew McConaughey spielte bisher eher als breitgrinsender, weißzahniger Blondie-Frauenschwarm. 2005 war er in ‚Sahara – Abenteuer in der Wüste‘ zu sehen, es folgten Filme wie ‚Zum Ausziehen verführt‘, ‚Ein Schatz zum Verlieben‘ oder zuletzt ‚Der Womanzier – Die Nacht der Ex-Freundinnen‘. Und jetzt auf einmal ist er in ‚Der Mandant‘ zu sehen, sicherlich keine hochkarätige John Grisham-Verfilmungen, aber immer noch ein ansehnlicher Gerichts-Thriller, welches ein Schauspiel von McConaughey hervorzaubert, das der Zuschauer sicher nicht erwartet hätte. Er spielt die Titelfigur aalglatt und cool, lässt sich anfangs von Nichts aus der Ruhe bringen. Im Verlauf des Filmes schafft er die überzeugende Darstellung des Wechsels seiner Ruhe zur Verzweiflung. Dabei ist es immer der Hauptdarsteller, der durch seine Art und Weise die Atmosphäre bestimmt. Die Zuschauer lernen Los Angeles als unüberschaubare Welt, als Sündenpool kennen, bei dem McConaugheys Mick Haller nicht als Sunny Boy, sondern als schmutziger, geldgieriger Anwalt auftritt. Hier macht sich der Film nicht einmal die Mühe, Haller als Identifikationsfigur darzustellen. Er ist nicht unbedingt ein Sympathieträger, sondern einfach ein Mensch, der versucht in einem Drecksloch zu überleben und dem dabei jedes Mittel Recht ist. Eine Rolle die Matthew McConaughey anscheinend gefordert und die er gut gemeistert hat.

Und der Zuschauer wird interessiert zusehen, wie diese Person versucht einen verworrenen Fall aufzuklären, dessen Tathergang immer wieder von unterschiedlichen Figuren in Rückblenden erzählt wird. Angefangen bei Ryan Philippes angeklagten Roulet, der natürlich auf Unschuldig plädiert und dementsprechend seine Geschichte auch als eher harmlos darstellt, über Erzählungen verschiedener Zeugen außerhalb und vor dem Gerichtsaal bis hin zur Tatbeschreibung des Opfers. Immer wieder bekommen McConaughey und die Zuschauer neue Geschichten aufgetischt, wodurch der Fall bis zum Ende interessant bleibt.

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Margarita Levieva & Ryan Philippe

Regisseur Brad Furman, der zuvor nur den 2007er Film ‚The Take‘ inszenierte, schafft hier eine gut ausgewogene Mischung von Handlungssträngen, die sich im Gerichtssaal abspielen, wo alle Beteiligten in gut sitzenden Anzügen, durchgestylt und oberflächlich betrachtet, als sauber dargestellt werden und den Szenen, die sich fernab vom Gerichtssaal abspielen. Hier wirkt selbst der abgebrühteste Anwalt irgendwann wie ein heruntergekommener Scharlatan, der an seinem Fall zu zerbrechen droht.

Man sollte ‚Der Mandant‘ nicht zu sehr loben. Es ist ein herkömmlicher ‚Anwalt klärt Fall auf‘-Film, der aber gerade durch seine unerwartete Vielschichtigkeit, die Tiefe der Geschichte – man verdanke es John Romano, der den Roman zu einem ansehnlichen Drehbuch umgearbeitet hat – und nicht zuletzt durch Matthew McConaughey zu überraschen weiß. Hoffentlich hat dieser Gefallen an seiner Rolle gefunden und ist in Zukunft nicht mehr in zweitklassigen Abenteuer- oder Liebeskomödien zu sehen.

Denis Sasse

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‘Der Mandant‘

Originaltitel: The Lincoln Lawyer
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2011
Länge: ca. 118 Minuten
Regie: Brad Furman
Darsteller: Matthew McConaughey, Marisa Tomei, Ryan Philippe, William H. Macy, Josh Lucas, John Leguizamo, Bryan Cranston

Deutschlandstart: 23. Juni 2011
Offizielle Homepage: dermandant.de/


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