Filmkritik ‘Ziemlich beste Freunde’ (Kino)

Ein aktueller Blick auf die Box Office Kinocharts aus Frankreich und Deutschland zeigt, “Ziemlich beste Freunde” scheint derzeit ein absolutes Muss zu sein, was Kinofilme angeht. 15 Wochen hält sich der Film in Frankreich bereits in den Top 10 und Deutschland kommt auch schon auf immerhin 6 Wochen – wobei noch immer kein Ende in Sicht ist.

Grund genug also, dass wir uns bei einem spontanen Kinobesuch für “Ziemlich beste Freunde” entschieden haben. Ganz ehrlich, wäre er aktuell nicht mehr an der Spitze der Kinocharts platziert, wäre der Film wohl total an mir vorbeigegangen.

Philippe ist durch eine Querschnittslähmung an den Rollstuhl gefesselt und auf die Hilfe anderer angewiesen. Bei der Suche nach einem geeigneten Pfleger begegnet er Driss. Aus irgendeiner Eingebung heraus beschließt Philippe, dem unbekannten aus der Pariser Vorstadt eine Chance zu geben. Denn gerade seine freche, fast schon respektlose Art erweckt in Philippe wieder alte Lebensgeister. So unterschiedlich die beiden sind, so perfekt scheinen sie zusammen zu passen.

Deutscher Trailer zu “Ziemlich beste Freunde”

Filmkritik “Ziemlich beste Freunde”

Auch wenn Omar Sy erfolgreich für die komischen Momente im Film sorgt und dadurch aus “Ziemlich beste Freunde” erst eine richtige Tragikomödie wird, statt eines Melodramas, nehme ich ihm seine Rolle nicht ganz ab. Es wirkt alles zu aufgesetzt, zu viel, als dass es tatsächlich so abgelaufen sein könnte. Der Film mag ja grundsätzlich auf einer wahren Begebenheit beruhen, aber es scheint fast schon offensichtlich, was wahr und was aufgrund von künstlerischer Freiheit ergänzt worden ist.

Auf der anderen Seite François Cluzet in der Rolle des Querschnittsgelähmten, der eine absolut überzeugende und charismatische Darbietung abliefert. Wenn man bedenkt, dass ihm nur seine Mimik blieb um agieren zu können, eine fast schon unglaubliche Leistung. Ihm hätte ich wohl noch Stunden zugucken können ohne, dass es mir langweilig geworden wäre.

Ich gönne “Ziemlich beste Freunde” den internationalen Erfolg absolut. Jedoch muss ich zugeben, dass ich persönlich es nicht ganz nachvollziehen kann. Es handelt sich um einen durchaus guten und sehenswerten Film, doch ist er weit davon entfernt, dass ich ihn tatsächlich aktiv weiterempfehlen würde.
Obwohl der Film bereits in seiner 7. Woche läuft, wurde “Ziemlich beste Freunde” in unserer kleinen Stadt am Samstagabend zur Prime Time immer noch im größten Kinosaal gezeigt und die Vorstellung war tatsächlich zu gut zwei Drittel gefüllt.
“Ziemlich beste Freunde” schafft es durch seine Thematik, die besondere Umsetzung und die gelungene Kombination aus Humor und Drama auch die üblichen “Kinomuffel” zu motivieren. Nicht durch Special Effects und brandheiße Action, sondern mit sehr viel Gefühl.

Auch wenn zu keiner einzigen Minute Langeweile aufkommt und der Erzählfluss wunderbar funktioniert, fehlt irgendwie das I-Tüpfelchen. Ich kann nicht genau sagen, was es ist, aber es wirkt irgendwie unvollkommen. Vielleicht auch einfach nur dadurch, dass man als Zuschauer gefühlt mitten in der Geschichte entlassen wird. Es gibt kein abschließendes Ende, was durch die Einblendung von zwei erklärenden Sätzen während des Abspanns irgendwie versucht wird nachzuholen.

Über 172 Millionen Euro hat “Ziemlich beste Freunde” weltweit bisher eingespielt. 123 davon alleine in Frankreich und bisher 29,5 Millionen Euro in Deutschland. Das ganze bei Produktionskosten von gerade mal geschätzten 9,4 Millionen Euro.
Pozzo di Borgo, der Mann dessen Lebensgeschichte als Grundlage für diesen Film diente, willigte zu der Verfilmung nur unter der Bedingung ein, dass 5% Prozent der Erlöse an seinen Förderverein für Behinderte gehen. DAS sind die Geschichten die das Leben schreibt und bei denen ich eine Gänsehaut bekomme.
Leider kam dieses Gefühl bei dem Film selbst nicht so ganz rüber.

7 von 10 Freeks
Darsteller:
François Cluzet, Omar Sy, Anne Le Ny
Regie:
Olivier Nakache, Eric Toledano


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