Film: Boyhood (2014)

Quelle: www.moviepilot.deRegie: Richard Linklater

Kinostart: 05. Juli 2014

Lauflänge: 166 Minuten

Genre: Drama

So kurz vor den Oscars kann man sich ja mal ein paar der Nominierten anschauen. Dieses Mal einen, den ich im Kino leider verpasst habe, der mich aber schon seit dem ersten Trailer wahnsinnig interessiert hat.

In Boyhood begleiten wir den kleinen Schulanfänger Mason (Ellar Coltrane), der mit seiner Mutter (Patricia Arquette) und seiner älteren Schwäste Samantha (Lorelei Linklater) zusammen lebt. Wir sehen, wie Mason heranwächst und mit den Problemen eines normalen Lebens zu kämpfen hat. Viele Umzüge, einen Vater (Ethan Hawke), den er nur alle paar Wochen zu sehen bekommt, fragwürdige Stiefväter, bis hin zu üblichen Teenager Problemen. Dabei werden nicht nur zwölf fiktive, sondern tatsächliche reale Lebensjahre erzählt und begleitet.

Von einem Film, der ganze zwölf Jahre gedreht wurde, erwartet man in gewisser Weise, dass er seinen Aufwand auch wert ist. Doch warum ist es notwendig diesen Film auf so aufwendige und einzigartige Weise zu drehen? Schließlich ist Boyhood nichts anderes, als eine sehr lange Coming-of-Age-Story, wie wir sie schon oft gesehen haben. Durch diese Machart wird das Thema des Erwachsenwerdens, jedoch nochmal doppelt unterstrichen. Denn es ist nicht nur die Handlung, die erwachsen wird, sondern der ganze Film, der mit der Zeit wächst.

Die stolze Laufzeit von fast drei Stunden schreckt natürlich zu Anfang etwas ab und auch wenn man dem Film seine Länge anmerkt, hatte ich nie dass Gefühl, dass er sich unnötig hinzieht. Man erwartet ja auch von einem Film, der zwölf Jahre gedreht wurde nicht, dass er nach 90 Minuten aus erzählt ist, sondern dass er sich für die Entwicklung der Handlung, der Darsteller und auch der immer präsenten Gegenwart Zeit nimmt. Deswegen lässt sich auch kein typischer dramaturgisch korrekter Aufbau der Handlung erkennen. Vielmehr lebt der Film von stätigen Höhen und Tiefe, wie auch das wahre Leben. Dennoch wirkt es weniger wie eine Dokumentation, wie man vielleicht denken könnte, sondern hat schon den Anspruch eine fiktive Geschichte erzählen zu wollen.

Besonders interessant für mich war, dass Mason wohl genau mein Alter und meine Generation darstellen dürfte. Somit hat er Kindheit und Jugend und schließliches Erwachsen werden in genau den Jahren verbracht wie ich, was für mich und Leute in meinem Alter natürlich noch einen ganz anderen Blick auf den Film werfen lässt. Man sollte sich auch vor Augen führen, dass selbst das Drehbuch von der vergangenen Zeit gezeichnet wurde und, soweit ich richtig recherchiert habe, sogar von den Darstellern selbst gestaltet wurde. Das bedeutet, alle äußeren Einflüsse, die die Charaktere erleben, seien es Musik, Videospiele, Politik oder Gesellschaftskritik, sind aus dem Moment heraus entstanden und machen den Film somit authentischer denn je.

An dieser Stelle lässt sich auch ein Zitat erwähnen, welches diese Magie des Film am besten einfängt:

You know how everyone’s always saying seize the moment? I don’t know, I’m kind of thinking it’s the other way around, you know, like the moment seizes us.

Es war also durchaus berechtigt den Film auf diese Art zu drehen und darzustellen. Denn schließlich ist es nicht nur ein Coming-of-Age Film der unheimlich lange gedreht wurde, sondern eine einfühlsame und aus dem Leben gegriffene Geschichte, die mittels eines geglückten Experiments realisiert wurde. Somit ein Film, den es sich lohn anzusehen und der es schafft eine relativ übliche Geschichte so lebensnah darzustellen, dass man trotz seiner Länge nie uninteressiert ist.

Bewertung: 8.0/10.0


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