Falter-Mythos: die Wassersäule

Eine beliebte Kenngröße von Faltcaravan-Herstellern zur Bewerbung ihrer Produkte ist die Zeltwassersäule. Hohe Werte bei der Wassersäule, so die einhellige Botschaft der Anbieter, sind mit einer hohen Dichtigkeit des Zeltanhängers gegen Regenwasser gleichzusetzen. Doch was ist dran an dieser Aussage? In diesem Beitrag klären wir auf und zeigen, worauf es in Punkto Dichtigkeit neben einer hohen Wassersäule noch ankommt.

Wassersäule

Was die Wassersäule ist

Laut Wikipedia ist die Wassersäule (auch genannt Wasserdrucksäule oder Wasserdichtigkeit) eine Maßeinheit, um die Wasserdichtigkeit z.B. von technischen Geweben (z.B. Zelte, Funktions- und Regenbekleidung) anzugeben. Erreicht das Material einen bestimmten Schwellenwert bzgl. der Wassersäule ohne das Wasser durchdringt, darf es offiziell als wasserdicht bezeichnet werden.

Bis 1980 wurde die Wassersäule auch als Wert für den Druck genutzt, abgelöst hat sie die Einheit bar.  Allerdings hat sich das bar in speziellen Arbeitsumfeldern wie z.B. der Medizin, dem Orgelbau oder dem Sanitärbereich bisher nicht durchsetzen können, es wird weiterhin die Einheit Wassersäule verwendet.

Auch im Camping & Outdoorbereich nutzen Hersteller meist die Wassersäule zur Kennzeichnung ihrer Produkte. Zum Einsatz kommt üblicherweise die Einheit ‚mmWS‘ (Millimeter Wassersäule) bzw. manchmal auch ‚mmH2O‘ (Millimeter Wasser).  1.000 mmWS entsprechen einem Druck von etwa 9806,65 Pascal bzw. 0,0980665 bar.

Wie die Wassersäule bestimmt wird

Die Deutsche Industrienorm (DIN) EN 20811:1992-08 bzw. ihr internationales Äquivalenten ISO 811:1981-10 definieren exakt die Methode zur Ermittlung der Wassersäule. Die Norm sieht folgenden hydrostatischen Wasserdruckversuch vor: die Außenseite des zu prüfenden Materials wird Wasser ausgesetzt. Beginnend mit einer Wassersäule und einem Druck von 0, steigt die Säule je nach Norm kontinuierlich um 100 mmWS oder 600 mmWS pro Minute an. Gemessen wird dann die Zeit, bis der dritte Tropfen auf der Innenseite des Materials zu sehen ist. Der Wasserdruck, der zu diesem Zeitpunkt wirkt, wird dann in Millimeter Wassersäule angegeben.

Nach der Europäischen Norm (EN) 343:2003 („Schutzkleidung gegen Regen“) ist ein Material mit einer Wassersäule ab 800 mmWS ‚wasserdicht (Klasse 2)‘ und ab 1.300 mmWS ‚wasserdicht (Klasse 3)‘. Spezialkleidung, beispielsweise für Segler, kann Werte bis zu 20.000 mmWS erreichen.

Welche Wassersäule für einen Faltcaravan üblich ist

Für Faltcaravans und Zelte gilt laut DIN Norm, dass diese ab 1.500 mmWS als wasserdicht anzusehen sind. Auch bei heftigem Niederschlag, so die Aussage, bleibt dann der Innenraum trocken. Dies ist unserer Erfahrung nach nicht ganz richtig. Ergänzend zu den Laborwerten kommt es in der Campingpraxis zusätzlich auf die Witterungsbedingungen an. Windet es zum Beispiel heftig, dann sollte der Wassersäulenwert höher liegen, da Luftströmungen ebenfalls Druck ausüben. Weitere Faktoren der Dichtigkeit gegenüber Wasser sind u.a. die Qualität und Alter der Zeltplanenbeschichtung, der Aufbau des Faltcaravans sowie die Verarbeitung der Zeltnähte. Eine Ausnahme bilden zudem die Baumwollzelte. Diese haben oft nur Wassersäulen von maximal 750 mmWS, werden aber durchs Aufquillen der Fäden dicht genug, um das Wasser abzuleiten. Vor diesem Hintergrund geben einige Hersteller hier zwei Werte für die Wassersäule an, die technische und tatsächliche.

Mit mindestens 2.000 mmWS sollte die Bodenplane eines Faltcaravans zudem einen höheren Wassersäulenwert aufweisen als die Zeltplanen. Grund dafür ist ihre punktuellen Belastungen, z.B. durch Stuhl- oder Tischbeine. Durch direkten Kontakt mit Steinen, Wurzeln und Campingausrüstung wird die Plane zudem stärker als die Zeltwände beansprucht, über die Zeit nutzt sie (und ihre Wasserdichtigkeit) rascher ab.

Während der zahlreichen Campingreisen hielt unser Faltcaravan jedem Niederschlag stand. Schwachpunkt war jedoch die Bodenplane, insbesondere bei unebenen, mit Vertiefungen versehenen Stellplätzen. Hier sorgte der Druck von den Stühlen dafür, da Wasser vom Boden in das Zeltinnere eindrangen. Zukünftig würden wir daher nur zu Zeltunterböden mit einer hohen Wassersäule greifen.

Fazit

Eigentlich sollten aktuelle Faltcaravan-Modelle eine ausreichend hohen Zeltwassersäulenwert haben. Eigentlich. Beim Neukauf solltest Du im Zweifelsfalls beim Händler bzw. Hersteller nachfragen. Beim Gebrauchtkauf empfehlen wir Dir zuvor eine kleine Internetrecherche durchzuführen.

Weitere Infos

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