Extrem Schwer – Fazit über das neue Format von RTL2

Gestern habe ich mir die neue Sendung „Extrem Schwer“ auf RTL2 angesehen. Dieses Format kommt aus den USA und ich finde es teilweise super, dass sie auch in Deutschland mehr und mehr auf diese Themen eingehen.

Felix Klemm ist der Personal Trainer hinter dem Format. Er ist Diplom Sportwissenschaftler der Deutschen Sporthochschule Köln. Er selbst nennt sich Spezialist für natürliche Gewichtsreduktion.

Er hat vor ca. 2 Jahren das Unternehmen Outdoor Gym gegründet. Hierbei führt er Klienten mit anderen Trainern durch unterschiedliche Trainingsmöglichkeiten in der Natur.

Die Art wie Felix arbeitet finde ich bis auf ein paar Dinge wirklich gut. Denn er sieht das Abnehmen an sich nicht als Diät sondern als eine Lebensart. Da gebe ich ihm die volle Punktzahl. Eine Diät ist nichts für einen langen Zeitraum. Nur wer es zu einer Lebensart macht kann damit langfristig Erfolge feiern.

Felix hat nach seinem Studium eine Ausbildung in klinische Psycho-Neuro-Immunologie gemacht. Diese Ausbildung basiert auf Inhalte aus der Psychologie, Neurologie, Endokrinologie, Soziologie, Immunologie und Sport- und Ernährungswissenschaften.

Die Grundbausteine für einen Personal Trainer sind gelegt.

Kritik an der Sendung

In der Sendung jedoch kamen mir ernsthaft Zweifel auf, ob Felix weiß was er tut. Immerhin hatte ich seinen Werdegang vorher schon recherchiert.

Felix trainiert ausschließlich draußen in der Natur, egal bei welchem Wetter. Es ist eine tolle Trainingsart und vergleichbar mit Freeletics. Wer abnehmen möchte muss nicht zwingend auf irgendwelche Geräte zurückgreifen. Das ist jedem selbst überlassen. Doch bei der bei den Übungen müssen die Personen darauf achten, ob es für sie und ihren Körper auch geeignet ist.

Felix und Nina beim einkaufenKritik 1: In der Sendung geht Felix mit Nina einkaufen. Da Nina zu ihren Zeiten als Schwergewicht gerne Nudeln aß möchte Felix ihr im Supermarkt etwas zeigen.

Die These die Felix vertritt ist für mich nicht nachvollziehbar. Zitat aus der Szene im Bild (rechts), „Nudeln, Brot, Reis oder Kartoffeln. Das sind Nahrungsmittel die sehr viele Kohlenhydrate enthalten. Ich glaube, dass ist vielen Menschen gar nicht bewusst, dass es bei Kohlenhydraten um Zucker geht und Zucker macht uns dick!“
.
Um es mal vorsichtig zu formulieren, diese Aussage hat mich schockiert. Zum einen möchte der Personal Trainer der Kandidatin einen gesunden Lebensstil und Ernährung näher bringen und zum anderen wird hier pauschal eine Aussage getroffen die so nicht richtig ist. Kohlenhydrate sind böse!

Kohlenhydrate werden wie folgt unterschieden:

  • Glucose (Einfachzucker)
  • Saccharose (Zweifachzucker)
  • Polysaccharide (Mehrfachzucker)

Im Magen-Darm-Trakt werden die verschiedenen Kohlenhydratmoleküle in Glucose umgewandelt. Kohlenhydrate erfüllen im Körper viele Funktionen. Vor allem liefern Kohlenhydrate Energie.

Den Einfachzucker finden wir z.B. im Obst, den Zweifachzucker u.a. in Süßigkeiten und den Mehrfachzucker in Vollkornprodukten, Hülsenfrüchte und Gemüse.

Die Funktion der Kohlenhydrate habe ich in meinem Artikel zu meinem Selbstexperiment vor ein paar Wochen beschrieben. Darin wiederlege ich Außerdem die Aussage von Felix, dass Kohlenhydrate dick machen!

high carbs ArtikelfotoFunktion der Kohlenhydrate: Je schneller Kohlenhydrate in Glucose umgewandelt werden und ins Blut übergehen umso rascher steigt der Blutzuckerspiegel. Damit das Maß nicht in gefährliche Regionen kommt setzt die Bauchspeicheldrüse Insulin frei um den Blutzuckerspiegel wieder zu senken. So rasch wie der Blutzuckerspiegel ansteigt fällt dieser auch wieder ab, da die Bauchspeicheldrüse bei einfachen Kohlenhydraten zu schnell zu viel Insulin freisetzt. Folgen sind Müdigkeit und Heißhunger.

Der Vorteil von komplexen Kohlenhydraten wie in Gemüse und Vollkornprodukten (Mehrfachzucker) sind, dass der Körper länger für die Umwandlung benötigt als bei den anderen Kohlenhydratmolekülen. Ergo, der Blutzuckerspiegel steigt nur langsam und mäßig an. Die Bauchspeicheldrüse wird entlastet.

Ein Großteil der aufgenommenen Kohlenhydrate sollte daher aus Mehrfachzucker bestehen. Sie halten länger satt und versorgen uns über einen längeren Zeitraum mit Energie. Besonders stärkehaltige Lebensmittel wie Nudeln, Reis und Kartoffeln sind empfehlenswert. Sie sind nicht nur reich an Mineralstoffen und Vitaminen sondern auch an Ballaststoffe. Einfache Kohlenhydrate hingegen liefern im Grunde kaum Vitamine und Mineralstoffen.

Süßkartoffel-Roh © TacoDie Aussage von Felix ist hier also nicht korrekt und keinesfalls Begründet. Der Zuschauer lernt also, Kohlenhydrate sind Zucker, Zucker ist böse, ungesund und macht dick. Gemüse besitzt ebenfalls Kohlenhydrate. Sind sie also nach Aussage von Felix zu Urteilen ungesund?

Im der nächsten Szene lässt Felix den Zuschauer in dem Glauben die Menge der Kohlenhydrate seien böse. Er vergleicht eine Packung Nudeln mit einem Wagen voller Brokkoli und anderem Gemüse.

Wenn ich mir den Werdegang von Felix nochmals ansehe frage ich mich, weshalb hier wissentlich (oder unwissentlich) Unwahrheiten verbreitet werden?!

Es sind also nicht die fettigen Pestos oder Käse-Sahne-Saucen an den Nudeln die Dickmacher sondern es sind die Nudeln selbst. Es ist also nicht das Fett in dem die Pommes (Kartoffeln) frittiert werden, sondern es ist die Kartoffel die dick macht. Und in wie fern Reis ungesund sein sollte frage ich mich immer noch.

Was das Brot angeht hat Felix teilweise recht. Denn heutzutage findet man auch Zucker in der Zutatenliste für Brote und Brötchen. Zucker hat im Brot nichts zu suchen!

Doch kommen wir zurück zur Sendung.

Das Training

Felix und Nina beim TrainingKritik 2: Felix trainiert mit seinen Klienten gerne an der frischen Luft. So beginnt auch Nina an der frischen Luft zu trainieren. Bei den ersten Übungen die sie zeigen blieb mir die Spucke weg. Nina mit ihren 173kg musste tatsächlich Burpees machen.

Diese Übung beginnt man im Stehen, geht in einen Vierfüßler Stand (Liegestütze) oder legt sich auf den Bauch und dann geht’s wieder nach oben. Und das in einem schnellen Tempo. In weiteren Szenen sah man auch, dass Joggen einer der Hauptaufgaben von Nina ist.

Es ist für mich nicht nachvollziehbar weshalb man diesen Weg gehen muss. Die Belastungen auf die Gelenke im Alltag sind bei extrem schwer Übergewichtigen schon ein Risiko. Da sollte man auf keinen Fall auf Sportarten zurückgreifen, welche die Belastungen auf die Gelenke maximiert.

Gerade für mich als Rehatrainier war das kein netter Anblick. Denn ich kenne Verletzungen bei extrem schwer Übergewichtigen die aus viel harmloseren Alltagssituationen entstanden sind.

Schiene Sprunggelenk rechts © Tarkan Taco EsinSachen wie Burpees und Joggen sind einfach nichts für extrem schwer Übergewichtige. Das Verletzungsrisiko ist enorm und falls sich jemand mit solche einem Gewicht verletzten sollte, braucht lange um wieder auf die Beine zu kommen. Ich habe das am eigenen Leibe erfahren. Ich bin voriges Jahr beim laufen umgeknickt und gestürzt. Auch nach 12 Monaten spüre ich immer noch die Verletzung an meinem Sprunggelenk. Bis ich wieder einigermaßen normal gehen konnte vergingen Monate. Das wirft einen nicht nur Physisch zurück sondern auch Psychisch.

Nina hat enorm abgenommen und die Leistung die dieses junge Mädchen vollbracht hat genießt meinen größten Respekt!

Beim Krafttraining kann man auf zwei Arten trainieren. Zum einen mit einer falschen Bewegungsausführung und zum anderen mit der korrekten Bewegungsausführung. Mit beiden erreicht man den Aufbau der Muskulatur. Bei einem mehr und beim anderen weniger. Ist es also doch nicht so wichtig mit einer korrekten Bewegungsausführung zu trainieren wenn es auch mit einer schlampigen Art teilweise funktioniert?

Ich drücke es mal so aus. Eine Verletzung kann eine Person nicht nur auf seinem Weg (Ziel) zurückwerfen sondern es können ernsthafte Verletzungen entstehen die das weitermachen komplett einschränken oder es gar nicht mehr zulassen. Zum einen möchte sich niemand von uns mit sportlichen Aktivitäten kaputt machen sondern im Gegenteil. Jeder der sportlich Aktiv ist hat das selbe Ziel: das Fit sein, auch im Alter!

Für extrem schwer Übergewichtige gibt es genügend andere Möglichkeiten auf eine Weise zu trainieren, dass man sich weder verletzt noch seine Gesundheit riskiert. Wer jung ist wird leicht übermütig. Die Verletzungen die daraus entstehen müssen nicht sofort sichtbar werden.

Nur weil man mit dem falschen Weg ebenfalls Fortschritte erzielt, ist das nicht gleichbedeutend dass es der richtige Weg ist. Für welchen Preis würdest Du Deine Gesundheit riskieren?

In diesem Sinne wünsche Dir weiterhin viel Erfolg beim Abnehmen und ein schönes Wochenende.


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