Essai 84: Über nervige Single-Männer und das, was Frauen wirklich wollen

Und noch ein Flirtratgeber. Ich muss mich im Vorfeld entschuldigen, möglicherweise wird das für die Männer nicht nur schmeichelhaft. Es ist aber nun mal so: Ich bin dieses ewige “Weiber sind alle scheiße!” einfach leid. So. Das ist wie in diesem Witz, wo dieser eine Typ immer zu Gott betet: “Herr, lass mich im Lotto gewinnen! Herr, lass mich im Lotto gewinnen!” und Gott donnert dann irgendwann supergenervt von seiner Wolke runter: “Na, dann SPIEL!” – Wobei das jetzt nicht heißen soll, dass ich mich für Gott halte, aber seinen Standpunkt kann ich in dieser Situation absolut nachvollziehen. Das ist wie wenn mir Single-Männer vorjammern “Alle Frauen sind scheiße! Die Weiber sind alle gleich! Njö njö njö!”, obwohl sie das in Ermangelung tatsächlichen Kennenlernens von Frauen gar nicht beurteilen können. Und diesen Männern möchte ich jetzt einfach mal den Rat auf den Weg geben: “Na, dann SPIELT doch endlich!”, heißt, geht raus, lernt Frauen kennen, sprecht sie an, unterhaltet euch mit ihnen, trefft euch vielleicht auch mal mit ihnen und dann wird schon irgendwann eine dabei sein, bei der es passt und wo alles sich ganz natürlich fügt und die eben nicht “scheiße!” ist. (Das gilt natürlich auch für die nervigen Single-Frauen, die herumjammern, es gäbe keine guten Männer, bzw. sie seien wie öffentliche Toiletten: besetzt oder beschissen. Geht raus! Sprecht Männer an! Lernt sie kennen! Und dann gucken, was passiert)

Die Frage ist: Wenn wirklich alle Frauen scheiße sind, warum wollen diese nervigen Single-Männer dann überhaupt unbedingt eine? Das ist doch unlogisch. Ich finde zum Beispiel, dass Fisch scheiße schmeckt und deswegen esse ich keinen. Allerdings mag ich sehr gerne Kuchen. Und wenn ich Lust auf Kuchen habe, dann backe ich welchen oder gehe in die nächste Bäckerei. Nun kann man sich seine Traumfrau nicht backen, aber man kann raus gehen und Frauen ansprechen und dann ist früher oder später schon eine dabei, mit der es sich gut eine Weile aushalten lässt. Das muss ja nicht im Club sein, wenn man Discos nicht leiden kann, das kann ich sehr gut nachvollziehen. Da ist es laut und stickig und man kann sich nicht vernünftig unterhalten, geschweige denn kennen lernen. Aber, was man auch in Clubs und Discos machen kann, ist Frauen ansprechen. Und – Bitte! Jungs! – lasst das mit dem “Mut antrinken!”, Bierfahnen sind widerlich und die meisten Männer werden durch Alkohol distanzlos und schmierig. Und “Darf ich dir einen Drink spendieren” ist der lahmste Anmachspruch überhaupt! Habt einfach ein wenig Feingefühl, dann merkt ihr schon, wann es passt, die Frau anzusprechen, die ihr euch ausgeguckt habt. Ich hab das in meiner Sturm und Drang-Zeit, als ich noch häufiger solche Etablissements aufgesucht habe, häufiger erlebt, dass mich plötzlich irgendein Typ doof von der Seite anquakt, ob er mir einen Drink spendieren dürfe und ich hatte den Kerl vorher überhaupt nicht wahrgenommen, weil ich mit meinen Freunden auf der Tanzfläche war und zwar – man glaubt es kaum – um zu tanzen, nicht um hinterher mit einem plumpen Spruch belästigt zu werden. Weil ich aber höflich bin und ich durchaus anerkannt habe, dass der Mensch da seinen ganzen Mut zusammengenommen hatte, um mich das zu fragen, lehnte ich mit einem “Nein, Danke” ab. Und dann fing dieser Typ auch noch an zu betteln: “Och, komm schon! Warum denn nicht?” – Warum tun Männer so was? Ist das immer noch dieses bescheuerte Gerücht, Frauen würden “Ja” meinen, wenn sie “Nein” sagen? Leute, da gab es einen Sinnverdreher, Frauen fällt es verdammt schwer “Nein” zu sagen, deswegen, WENN sie es sagen, meinen sie es auch so! Und “Ja” auf die Frage, ob man einen Drink umsonst haben will, ist noch kein “Ja” auf die Frage nach Sex. Also, zwei Möglichkeiten, wenn ein Mann eine Frau in der Disco aufreißen will: Erstens, er will nur mit irgendeiner Frau schlafen, dann ist es das Beste, einfach mal reihum freundlich und selbstbewusst alle Frauen zu fragen und dann ist irgendwann eine dabei, der langweilig ist und die “Ja” sagt. Zweitens, ihr wollt was längerfristiges und seid auf der Suche nach einer richtigen Freundin, dann wartet den richtigen Moment ab (der ist NICHT, wenn sie gerade aufbricht, um nach Hause zu gehen!) und seid einfach nett, freundlich, authentisch, ehrlich, humorvoll und unaufdringlich. So was wie “Hey, ich bin XY, ich würde dich ja gerne anquatschen, und mich mit dir unterhalten, weiß aber nicht wie” oder was auch immer, aber stellt euch persönlich auf eure Gesprächspartnerin ein und kommt nicht mit so bescheuerten Platitüden um die Ecke. Und lasst bitte dieses Überrumpeln, ein bisschen mehr Einfühlungsvermögen, meine Herren.

À propos Einfühlungsvermögen. Ich meine damit nicht, dass man(n) immer für alles Verständnis haben muss und alles toll finden muss, was einem so zugemutet wird. Es geht nicht um das ‘Was’, sondern um das ‘Wie’. Es ist letzten Endes vollkommen wurscht, wo ihr Frauen ansprecht und was ihr sagt, es kommt drauf an, wie ihr das tut. Frauen haben gern das Gefühl, dass sie persönlich gemeint sind. Wenn sie das Gefühl haben, da checkt einer einfach mal alle Hühner ab, die nicht bei drei auf den Bäumen sind und dann schaut er mal, welche er erwischt, dann ist das für Frauen extrem beleidigend. Wir mögen sowas nicht. Ich kann mir ehrlich gesagt auch nicht vorstellen, dass Männer das toll finden, wenn eine Frau sie erst mit einer Standardfloskel anquatscht und ihnen dann überhaupt nicht zuhört, den Blick vielleicht auch noch schweifen lässt und nicht ansatzweise auf das eingeht, was man erzählt. Das ist unhöflich und respektlos. Sollte das mal bei einer klappen, dann weil sie richtig verzweifelt ist und überhaupt keine Selbstachtung hat und dann kann man(n) sich auch schon mal darauf einstellen, dass es schwieriger wird, diese bedauernswerte arme Seele wieder loszuwerden (was sie dann ziemlich schnell wollen werden), als sie abzuschleppen.

Es erfordert zwar mehr Mut, ist aber meiner Ansicht nach erfolgversprechender, Frauen im Alltag auf der Straße oder beim Einkaufen anzusprechen. Da gibt’s ja auch eine Fülle an Anquatsch-Vorwänden, wie die Frage nach der Uhrzeit oder dem Weg. In Läden kann man fragen, wo man ein bestimmtes Produkt findet, oder ob man Hilfe bei einer Kaufentscheidung bekommen könnte, und so weiter. (Gilt natürlich genau so für Frauen) Natürlich birgt dies auch das Risiko, dass die Frau nicht mitbekommt, dass das eine Anmache sein soll oder dass sie schon nen Freund hat. Aber dieses Risiko sollte man dann auch ruhig mal eingehen. Ist doch egal, selbst wenn da nicht mehr draus wird, so hat man doch eine nette Begegnung gehabt. Eine nette Begegnung ist sowieso das beste, auf das man beim ersten Ansprechen hoffen kann. Und wenn Bedarf besteht, sich wiederzusehen, kann man das nach einer netten Begegnung auch einfach geradeheraus fragen, dann wissen alle Bescheid. Das nach einer lahmen Platitüde zu fragen, ist aber bescheuert.

Andere Möglichkeit, für Schüchterne, die sich nicht trauen, einfach so mal wildfremde Leute auf der Straße anzuquatschen, ist, sucht euch ein Hobby! Und zwar ein Hobby, bei dem man rausgeht und Leute trifft. Das kann ein Sprachkurs sein, eine Theatergruppe (kann ich sehr empfehlen, funktioniert hervorragend!), ein Lesekreis, ein Chor (die haben sowieso immer Männermangel), ein Tanzkurs (dito!), irgendwas. Aber man kann doch nicht anfangen, alle Frauen kategorisch scheiße zu finden, wenn man überhaupt keine kennen lernt. Das nervt! Und Möglichkeiten gibt es ja reichlich. Und wenn das alles nichts hilft, dann scheiß doch auf den blöden Stolz und mal im Internet gucken oder zu Single-Veranstaltungen gehen.

Ich habe übrigens den Eindruck, dass Männer und Frauen beim Kennen lernen nicht den gleichen Rythmus haben. Frauen lassen sich in der Anfangsphase gern ein bisschen mehr Zeit und wenn sie sich dann erst einmal in einer Beziehung wähnen, stellen sie auch Ansprüche, dann wollen sie plötzlich ein Mindestmaß an Sicherheit, Zuverlässigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Respekt vom Mann und der Mann denkt, Ohgottohgott, meine Freiheit, Aaaaah! Nix wie weg! Ach nee, geht nicht, dann bin ich ja wieder allein, das ist ja auch doof, dann geht das ganze Theater ja von vorne los, wie unbequem, ich geh lieber in die innere Immigration. Männer wollen beim Kennen lernen immer so vorpreschen, da muss immer alles ratzfatz gehen und wenn man(n) die Frau dann erstmal erobert hat, muss man(n) sich ja keine Mühe mehr geben und kann sich entspannt zurücklehnen und machen, worauf man(n) Bock hat und lassen, worauf man(n) keinen Bock hat. Ich frage mich, wieso trotzdem so viele Beziehungen funktionieren… Hmm… Also, meiner Erfahrung nach darf man dem anderen nicht alles immer gleich so krumm nehmen und mit Wohlwollen und Humor ertragen sich die Macken des anderen leichter. Und frei von Macken ist eh niemand. Dann wird man auch eher ernst genommen und da eher drauf eingegangen, wenn mal WIRKLICH etwas gar nicht geht.

Also, nervige Single-Männer, nervige Single-Frauen, hört auf zu jammern und euch selbst zu bemitleiden und allen außer euch die Schuld für euer Alleinsein aufzubrummen und geht einfach mal raus, stürzt euch ins Getümmel und guckt was passiert. Früher oder später passt es dann schon. Und wenn’s passt, dann passt’s.


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