Es gibt keine ungesunden Lebensmittel, nur falsche Ernährung!

Es gibt keine ungesunden Lebensmittel, sondern nur eine unausgewogene Ernährung. Sagt der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde, und der muss es ja wissen. Der Branchenverband vertritt nämlich die deutsche Lebensmittelbranche und die meint es natürlich nur gut mit den Verbrauchern. Schließlich heißt der ja nicht Bund für Recht des ungesunden Fraßes und Dickmacherkunde. Wobei das zutreffender wäre. Denn die Lebensmittelbranche ist schließlich nicht dazu da, um die Leute im Land mit gesunder Kost zu versorgen, sondern – wir leben schließlich im Kapitalismus! – genau, um ihr Geschäft mit Lebensmitteln so einträglich wie möglich zu gestalten. Und verdienen tut die Branche nicht am gesunden, aber langweiligen Obst und Gemüse, da sind die Gewinn-Margen nämlich kärglich, sondern an dem ganzen ungesunden Zeug, das insbesondere Kinder von klein auf gern essen. Wenn sie den Fraß denn bekommen. Und deshalb investiert die Branche einen Großteil ihrer Werbebudgets in die so genannten Kinderlebensmittel.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch veröffentlichte vor wenigen Tagen eine Studie, nach der fast drei Viertel der untersuchten Produkte für Kinder eigentlich zu den verbotenen gehören, weil sie ernährungsphysiologisch wertlos, dafür aber extrem fett- und zuckerhaltig sind. Als Kinderlebensmittel wurden Produkte klassifiziert, die sich durch ihre Aufmachung und entsprechende Aktionen speziell an Kinder richten. Bei 1.109 von 1.514 Kinderprodukten handelte es sich um typischen Süßkram, der nun wirklich nicht der Ernährung dient. 92 Produkte, bei denen es sich in erster Linie um gezuckerte Milchprodukte handelte, sollten nur mäßig genossen werden. 83 Produkte waren sehr fette Wurstwaren oder Fertiggerichte, in denen zwar eigentlich gesunde Lebensmittel vorkommen, die aufgrund ihrer Verarbeitung und Kombination mit Dickmachern auch nicht empfehlenswert sind. Und nur 188 Produkte, also gut 12 Prozent des ganzen Zeugs, sind zwar auch nicht so richtig gesund, vermutlich aber auch nicht schädlich. Sie enthalten verarbeitetes Obst oder Getreide, etwa Apfelmus, Trockenobst, Nudeln, Tomatensoße oder Fruchtsäfte- und Schorlen, die als Ersatz für Obst durchgehen können. Auch bei den beliebten Frühstücksflocken handelt es sich wegen des hohen Zuckergehaltes um Süßigkeiten, nicht um Getreideprodukte im eigentlichen Sinne.

Es gibt keine ungesunden Lebensmittel, nur falsche Ernährung!

Screenshot der Süddeutschen Zeitung: Schon interessant, dass ausgerechnet dieser Artikel mit einer Werbung von McDonalds belegt war.

Damit werde die Kinderernährung auf den Kopf gestellt, kritisiert Foodwatch. Und derart präparierte Kinder würden dann zu Erwachsenen, die sich chronisch falsch ernähren.
Der BBL weist nun seinerseits darauf hin, dass die Auswahl der Kinderlebensmittel an sich schon eine methodische Unmöglichkeit sei, denn diese machten nur einen kleinen Teil im Gesamtsortiment aus und überhaupt würden 80 Prozent der kritisierten Frühstückscerealien von Erwachsenen verzehrt, aber das macht die Sache ja nicht besser. Lustig finde ich den Vorwurf, dass Foodwatch “bewusst eine irrationale Zucker- und Fett-Hysterie” schüre und die Wahlfreiheit der Verbraucher attackiere.

Ach ja, die Wahlfreiheit. Man muss nur mal versuchen, aus dem Angebot an sagen wir fünfundzwanzig verschiedenen Joghurtsorten im Kühlregal einen zu finden, der irgendwie noch nach Joghurt schmeckt. Oder einen Krautsalat ohne Süßstoff. Die kreative Lebensmittelindustrie streckt beispielsweise fettes Hackfleisch mit minderwertigen Weizenprotein und verkauft das ganze dann zum höheren Preis als fettreduziertes Hack für eine bewusstere Ernährung. Der Verbraucher kann sich ja aussuchen, ob er lieber schnittfeste rotgefärbte Mehlpampe beim Discounter oder richtiges Hack beim Fleischer kauft.

Genau wie der Verbraucher sich unter unzähligen einstmals kultivierten Apfelsorten auch aussuchen kann, ob er lieber Elstar, Breaburn oder Jonagored oder Jonagored, Elstar oder Gala kaufen will. Gerade die neuen Apfelsorten sind für viele ungenießbar, die mittlerweile zu Apfelallergikern geworden sind. Weil die neuen Sorten nur aufgrund weniger erwünschter Eigenschaften gezüchtet werden, scheinen sie mehr Allergene zu enthalten als alte Sorten, die aufgrund ihres Polyphenolgehaltes säuerlich schmecken und an Schnittstellen schnell braun werden. Aber in welchem Supermarkt kann man schon so wunderbare Äpfel wie Alkmene, Goldparmäne oder gar eine Champagner-Renette kaufen?! So viel zur wunderbaren Wahlfreiheit des mündigen Verbrauchers!

Und unsere unerschrockene Bundesverbraucherministerin, genau, was macht eigentlich Ilse Aigner? Sie demonstriert, dass sie weiterhin nichts kapiert hat und daran festhalten will: Sie stellte eine neue Kampagne gegen das Wegwerfen von Lebensmitteln vor. Und setzt auf Verantwortung und Aufklärung. Denn für die gesunde Ernährung ihrer Kinder sind schließlich die Eltern zuständig und nicht die Lebensmittelindustrie.



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