Endlich wieder: Das unendliche Endspiel

Endlich wieder: Das unendliche EndspielWolfgang Münchau ahnt da was. „Die meisten Bürger ahnen es noch nicht, doch das Endspiel um den Euro hat begonnen“, schreibt der Chefkolumnist der Financial Times in seiner Spiegel-Spalte.
Nein, wirklich? Hats echt angefangen? Doch schon? Nicht mal ein ganzes Jahr nach Beginn des Wettstreits darum, wer den Stabreim mit dem Euro und dem Endspiel nun am häufigsten verwendet, bis endlich mal abgepfiffen wird, hats angefangen, ja? Das Euro-Endspiel?
Jaja, sagt Münchau. „Entweder Europas Regierungen schaffen noch schnell eine politische Union oder die Währungsgemeinschaft zerbricht“. „In der Eurokrise fallen die Staaten wie Dominosteine“, assistiert das Magazin „Cicero“ unter der guten, alten, kräftig abgehangenen Überschrift „Endspiel um den Euro“. Nach Griechenland, Irland und Portugal sei „nun offenbar Spanien an der Reihe: Das Land kann sich nicht mehr über die Kapitalmärkte finanzieren, wie Finanzminister Cristóbal Montoro am Dienstag gestand“.
Das ist ja nun, so das Magazin, „ein dramatischer Offenbarungseid, der den Anfang vom Ende des Euro bedeuten könnte“. Das lange gefürchtete „Endspiel der Eurokrise“ habe begonnen. Der Anfang vom Ende. Zwei Jahre nach der ersten Rettung durch Merkel und Sarkozy, an den sich heute nur die Älteren im Publikum erinnern. Viel Zeit, in der viele Buchstaben die Wupper runtergegangen sind. Ist nicht mehr viel Munition da in den Waffenschränken der Zentralbank, von der vehement gefordert wird, sie möge den Zins doch von einem auf 0,5 Prozent senken, um so wenigstens Aktion zu simulieren.
Auch die Setzkästen der Journalismusdarsteller leeren sich. Anfang vom Ende, Ende vom Anfang, kombiniert jeweils mit Euro, zu mehr reicht es nicht mehr. Aber bei so einem Ende kann selbst der Anfang dauern, wie alle ehemaligen Untertanen der sozialistischen Sowjetrepubliken und deren Anhängselstaaten wissen. Auch der gesetzmäßige „Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus“ hatte bereits in den 30er Jahren begonnen, entfaltete von da ausgehend aber dann eine Dynamik, die an Erdplattenverschiebungen erinnerte. Der Anfang wurde immer länger, das Ende kam nie, zumindest auf das des Kapitalismus warten vielem Menschen heute noch sehnsüchtig. "Nach dreijährigem Ringen um den Bestand der Euro-Zone greift die Krise aus dem politischen Bereich unübersehbar hinüber in den publizistischen", hieß es im Oktober 2011 an dieser Stelle hier, nachdem zuerst die FAZ, dann das Handelsblatt, dann die "Zeit", dann die Augsburger Allgemeine und n-tv und nun wieder die FAZ das "Endspiel um den Euro" angefiffen hatten.
Nun geht es wieder los. Wieder weiter. Mit dem Anfang. Und dem Ende, das im Grunde unendlich lange enden kann, ohne je vorüber zu sein. Der Untergang des Römischen Reiches dauerte seinerzeit runde 100 Jahre - es gab Menschen, die ihr ganzes Leben lang nur untergegangen waren.
So wird es auch den Zeitgenossen des Euro wiederfahren. „Egal, für welchen Weg sie sich entscheiden - für eine billige Lösung ist es wahrscheinlich längst zu spät“, unkt Münchau. „Damit verfliegt die Illusion, Europa habe die Lage im Griff“, springt Cicero-Autor Erik Bonse bei. „Merkels Strategie gegen die Eurokrise ist krachend gescheitert: Spanien steht am Abgrund und kann sich nicht mehr über die Kapitalmärkte finanzieren“, schimpft es hier. Nicht Spanien ist schuld, nein, Merkel ist es!
Und nun? Bonse weiß es auch nicht. „In der jüngeren Wirtschaftsgeschichte ist es noch keinem Land gelungen, sich durch Kürzen und Schrumpfen seiner Schulden zu entledigen“, meckert es da. Selbstverständlich unter sachdienlicher Auslassung aller Beispiele, die von Argentinien über Estland bis Schweden dagegensprechen.
Setzt sich durch: Ein Volk, ein Reich, eine ÜberschriftEndlich wieder: Das unendliche Endspiel

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