Einmal durch die Zaubertür & Überirdisch gut #03

Einmal durch die Zaubertür & Überirdisch gut #03
Einmal durch die Zaubertür & Überirdisch gut #03
Damals war ich - ungelogen - der weltbeste Michael Jackson-Imitator. Ich stand mit Plastikmikrofon bewaffnet im Türrahmen und performte den "Earth Song" (der Türrahmen stellte übrigens die Baumstämme im besagten Videoclip dar!). Im Playback war ich ganz gut. Zudem textete ich die schlimmsten Lieder und hielt die Kindergitarre im Mini-Format wie Kurt Cobain seine Fender anders herum. Wobei...der war ja Linkshänder. Ich nie. Es hätte was werden können mit meiner Musikerkarriere. Obwohl ich stets die Mini Playback Show schaute, wurde mein Talent nicht ausgiebig gefördert. Am meisten liebäugelte ich mit der Zaubertür (etwas später gab es die Zauberkugel dort). Nun, achtzehn Jahre später, wünsche ich mir die manchmal immer noch herbei.
Einmal durch die Zaubertür & Überirdisch gut #03
Einmal durch die Zaubertür & Überirdisch gut #03
Einmal durch die Zaubertür & Überirdisch gut #03
Wobei ich mir die heutzutage etwas anders vorstelle. Manchmal wäre es nicht schlecht, wenn es im Leben einen Ausgang gebe. Für eine Zeit lang, vielleicht als Flucht. Vor kommenden Terminen, vor denen man Angst hat, könnte man durch diese Tür gehen und diese rasen dann in Sekundenschnelle an einem vorbei, wie Zauber. Geht man wieder aus der Tür heraus, ist man erneut im Hier und Jetzt angelangt und die Zeit schreitet wieder im normalen Tempo voran. Doch leider ist das Leben nicht so - die kostbaren wie auch die weniger schönen Momente muss man gleichermaßen in vollen Zügen durchleben, ob man möchte oder nicht. Bei dem Thema "Zeit" muss ich gerade unweigerlich an meinen Freund Heinz Strunk denken und grinsen.
Einmal durch die Zaubertür & Überirdisch gut #03
Einmal durch die Zaubertür & Überirdisch gut #03
Manchmal macht man sich wegen der Zeit - ich zähle mich dazu - fast beinahe verrückt. Jeder Tag soll für gute Taten genutzt werden - sei es zum Aufrechterhalten des Haushalts, zum Treffen alter Freunde oder für total bedeutsame Dinge, die JETZT mal erledigt werden sollten. Derweil fällt mir mein Hauswirtschaftsraum ein, der üppig mit zahlreichen Altkleidern, diversem nutzlosen Dekokram und sonstigem, pardon, Müll, vollgestellt ist. Ich sollte ihn entrümpeln. Oder vielleicht doch nicht, um einfach mal zu entspannen. Wer zu viel Ordnung hält, findet nach dem Aufräumen meist nicht das, wonach er sucht, weil das neue "Ordnungssystem" noch nicht vollständig im Gedächtnis verankert ist. Von daher: abschalten. Die Wahrscheinlichkeit, dass man gleich morgen umzieht (und von daher alles aufräumen MUSS), ist eher gering, von daher sollte man sich zeitlich nicht unter Druck setzen. Fragt mich nicht, woher ich die neue Leichtigkeit nehme. Ich selbst muss mich noch etwas an sie gewöhnen. Möglicherweise macht sich ein "Slow Down"-Gefühl breit. Auch  nicht schlecht. Ein wenig Bammel bekomme ich hingegen, wenn ich mir bewusst werde, dass ich in viereinhalb Jahren schon dreißig bin. Das mag nach einer langen Zeit klingen, wenn ich jedoch überlege, dass ich in dem Alter woanders im Leben stehen möchte (̶w̶̶a̶̶s̶̶ ̶̶i̶̶s̶̶t̶̶ ̶̶d̶̶e̶̶n̶̶n̶̶ ̶̶n̶̶u̶̶n̶̶ ̶̶m̶̶i̶̶t̶̶ ̶̶d̶̶e̶̶r̶̶ ̶̶We̶̶l̶̶t̶̶k̶̶a̶̶r̶̶r̶̶i̶̶e̶̶r̶̶e̶̶,̶̶ ̶̶h̶̶a̶̶l̶̶l̶̶o̶̶?̶), kommt mir die Zeitspanne wahnsinnig kurz vor. Auf der anderen Seite zähle wohl auch ich zur "Generation Y", jene Altergruppe, über die man sagt, sie seien Meister im Improvisieren und ihre Lebensplanung verliere die Gradlinigkeit, die noch für ihre Eltern typisch war. Das kann man durchaus als positiv bewerten! Mittlerweile kann man viel mehr Erfüllung finden und dabei unabhängig sein, auch mit dreißig. Eigentlich braucht demnach keiner eine Zaubertür, selbst auf Wunsch würde es sie ohnehin nicht geben, und der wahre Zauber liegt doch vor uns selbst und in der Zukunft!
Einmal durch die Zaubertür & Überirdisch gut #03
Mögen all' unsere Wünsche in Erfüllung gehen (und Konfetti für alle),Einmal durch die Zaubertür & Überirdisch gut #03