Einhorn: Der Rausch der Nacht

Einhorn: Der Rausch der NachtEinhorn
„Galactica“

(Las Vegas Records)
Dass das alpenländische Nachbarland nach landläufiger Meinung ausschließlich von schlechtgelaunten Misanthropen und vergrübelten Melancholikern bevölkert ist, die ihre morbide Denkungsart wie eine Monstranz vor sich hertragen, passt nur allzu fein ins Klischee der allgegenwärtigen Vereinfacher. Grund genug zum Klagen hätten sie ja, denkt man an all die flügellahmen Skispringer, erfolglosen Fußballer oder die jämmerliche Panne bei der Präsidentenwahl. Wenn man sich dann noch vergegenwärtigt, dass ein Mörtel Lugner (noch immer) als größte charismatische Lichtgestalt seit Arnold Schwarzenegger gehandelt wird – man wollte ihnen nicht verübeln, wenn sie in einen großen und allumfassenden Trauergesang verfielen.
Aber nichts da, zumindest die jungen unter ihnen zeigen den arroganten Piefkes gerade wieder einmal, wie man Krisen wegtanzt und legen dafür drei verschiedene Modelle vor: Wenn Wanda der kalkulierte Totalabsturz sind und Bilderbuch die verschrobene Poolparty, dann stehen Einhorn, der neueste Export in Sachen Austria-Coolness, für den Rausch der durchtanzten Clubnacht. Glamourös, anmaßend, sehr charmant und manchmal auch ein wenig pubertär, so präsentieren sich die vier Wiener auf ihrem Debütalbum. Wenn man über die nötigen Skills verfügt und also keinen Stock im Arsch hat, kann man getrost alle zwölf Stücke der Platte durchtanzen, verhandelt wird die zutiefst subjektive Sicht enttäuschter Liebhaber, leidenschaftlicher Kinogänger, überzeugter Großstadtflaneure und Nachtwandler.

Wer „Galactica“ nur laut und lange genug hört, der glaubt am Ende tatsächlich daran, dass die wirkliche Herausforderung nur darin besteht, zur richtigen Zeit das richtige Mädchen an der Hand zu haben, für den sind Einhörner fernab vom Kitschdiktat gottgleiche Fabelwesen und die Ray Ban der einzig wirksame, intergalaktischen Schutzschild gegen alles Böse der Nacht. Hier wummert und wippt und vibiert alles für den einen Moment unter der allmächtigen Glitzerkugel, wird der Todesstern zum Dancefloor, auf dem es nichts zu fürchten gibt außer dem Morgengrauen. Viel schönere Songs als „Tuxedo Mask“, „Lara Croft“ oder „Spring auf“ hat man in diesem Sommer nicht gehört, passender als in „Das Lied das sonst keiner kennt“ wurde spinnertes Außenseiterdasein kaum besungen und daß Wien „Schöner als Berlin“ ist, wird jede/r bestätigen, der sich ständig nicht am Mittelpunkt der Welt wähnt. Sonst eher eine abgedroschene Floskel – hier paßt sie wie keine zweite: Hoffnungsvolle Hauptdarsteller, großes Kino!

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