Eines Tages geriet ein junger Mann unter eine Straßenbahn

32-34 meine erste Levis

Das muss – wenn ich mich recht erinnere – 1975 gewesen sein.

Es war Winter, die Straße glatt, der junge Mann rutschte aus, geriet im Haltestellenbereich direkt unter die heranfahrende Bahn der Linie 4, aus Ammendorf kommend. Und er verlor bei seinem Unfall – sagte man – ein Stück seines Beines. Leute eilten herbei, dem Mann zu helfen, und der Mann schrie und schrie. Aber nicht “Mein Fuß!”, wie es zu erwarten wäre, sondern “Meine neue Levis! – Meine neue Levis!”

<Damals sagte man übrigens “Lewis” und nicht “Liehweis”>

Die Hose des Mannes hatte offenbar einen höheren Stellenwert als ein Fuß.

Mitschüler V. – auch daran kann ich mich erinnern – drehte in dieser Zeit die Worte des Stabü-Lehrers oder zitierte Plenzdorfs “neue Leiden des jungen W.”, indem er uns immer wieder mit ein und dem selben Satz auf den Keks ging:

“Blue Jeans sind nicht Mode sondern Weltanschauung!”

Er hatte eine – ich nicht.

In der Tat: Eine Levis war in der DDR wertvoll, weil es sie nicht gab. Oder nur gegen Westgeld im Intershop. Und auch ich hätte unendlich viel für eine getan, hätte ich sie kriegen können.

Vor Kurzem wiederholte Phoenix die dritte Folge der Reportagen von Einsfestival unter dem Titel “Vom Pionier zum Millionär” – und das fand ich spannend.

Weil ich vieles nicht wusste.

Löb – Levi – Strauss war ursprünglich Deutscher, Franke und Jude, bis er nach Amerika auswanderte. Die Idee, sich Jeans – Nietenhosen – patentieren zu lassen, um diese patentiert zu produzieren kam von einem gewissen Jacob Davis, einem Schneider aus Reno, Nevada. Dieser verstärkte häufig belasteten Stellen der Arbeitshosen, wie die Ecken der Taschen oder den Hosenlatz, mit Metallnieten. Er soll Levi vorgeschlagen haben, die Patentierung zu finanzieren und sich dafür im Gegenzug das Patent gemeinsam mit ihm ausstellen zu lassen. Levi war einverstanden und so erhielten beide das Patent am 20. Mai 1873. Die Geburtsurkunde der Jeans.

Die Reportage liefert einige weitere Hintergrundinformationen:

Mitte des 19. Jahrhunderts an der Westküste – Goldgräberstimmung. In Frisco lebten seinerzeit verhältnismäßig wenige Frauen, Männer waren größtenteils unter sich…

AHA! – Glühbirne

Eine Jeans konnte nur dort entstehen und später Kult werden, sich über ein Jahrhundert behaupten, weil die Frauen am Ort der Erfindung in der Minderheit waren. Die Hose blieb männlich-praktisch und wurde deshalb so geliebt. Hätte der weibliche Teil der Bevölkerung ein Wörtchen mitzureden gehabt, hätten die ersten Jeans Rüschen oder anderen Schnickschnack gehabt und wären schon bald in Vergessenheit geraten.


Filed under: Kleidung Tagged: Jeans, Reportage

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