Eine glutenfreie Woche – TEIL 1: Glutenunverträglichkeit

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Eine glutenfreie Woche

TEIL 1: Glutenunverträglichkeit

Die Meisten haben schon einmal von Gluten-Unverträglichkeit gehört. Sei es durch Werbung, Zeitungsartikel, Kochzeitschriften oder einfach beim Einkaufen im Supermarkt. Das Angebot steigt ständig und es finden sich immer mehr glutenfreie Produkte mit dem besonderen Logo „glutenfrei“ – die durchgestrichene Ähre – in den Supermarktregalen. Für alle, die Gluten nicht vertragen, ist dies ein Segen. Aber es gibt auch die andere Seite, nämlich dass glutenfreie Ernährung zum richtigen Trend geworden ist. In Amerika, zum Beispiel, werben Superstars mit glutenfreier Ernährung in Zusammenhang mit Gewichtsabnahmen und tollen Nebeneffekten wie z.B. schöner Haut. Aber ist das wirklich so? Was steckt dahinter und macht es tatsächlich Sinn, auf Gluten im Essen zu verzichten? Etwas Positives hat es auf jeden Fall: Alle, die an Glutenintoleranz leiden, – so wie auch ich – profitieren von der starken Nachfrage und der somit steigenden Produktauswahl!

Was ist Gluten und worin ist es enthalten?

Gluten ist der Kleber des Getreides, genauer gesagt der Eiweißbestandteil, und kommt in Weizen (auch Hartweizengrieß, Bulgur, Couscous), Roggen, Triticale, Gerste, Dinkel, Hafer, Einkorn, Emmer, Grünkern und Kamut vor. Es bewirkt, dass das Mehl bei der Verarbeitung zu einem klebrigen Teig wird. Folglich ist Gluten in allen Lebensmitteln vorhanden, die diese Getreidearten beinhalten. Hierzu gehören Mehl, Stärke, Paniermehl, Nudeln, Müsli und alle Backwaren von Brot über Kekse bis hin zu Salzstangen – um nur Einige zu nennen. Selbst Bier enthält Gluten. Auch über den Herstellungsweg und durch Bindemittel gelangt Gluten in viele Lebensmittel.

Zöliakie Weizenallergie Glutensensitivität

Glutenunverträglichkeit und Symptome

Wie andere Lebensmittelintoleranzen gibt es auch die Unverträglichkeit von Gluten. Dabei wird zwischen drei Formen von glutenbedingter Beschwerden unterschieden:

  • Zöliakie (Glutenintoleranz; Entzündung der Darmschleimhaut)
  • Weizenallergie
  • Glutensensitivität (Gluten Sensitivity)

Alle drei Formen haben gemeinsam: Ein Verzicht auf glutenhaltige Nahrungsmittel führt zu einer Besserung der Symptome. Nur mit dem Unterschied, dass Betroffene, die an Zöliakie leiden, ein Leben lang auf Gluten verzichten müssen. Schon kleinste Spuren von Gluten können den Darm nachhaltig schädigen und es können schwerste Mangelerscheinungen auftreten. Bei einer Gluten Sensitivity hingegen wird nach dem derzeitigen Wissensstand der Darm nicht geschädigt. In manchen Fällen sogar eine glutenarme Ernährung vertragen.

Glutenunverträglichkeit

1. Was ist Zöliakie?

Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung des Magen-Darm-Trakts. Es handelt sich dabei um eine dauerhafte Erkrankung – das bedeutet eine lebenslange Unverträglichkeit auf Gluten. Bei einer Zöliakie wird das Gluten vom Körper als ein Toxin wahrgenommen und es werden Antikörper gebildet, die sich gegen das eigene Gewebe richten. Die Folge sind Entzündungen der Darmschleimhaut und Verdauungsprobleme. Erfolgt keine Ernährungsumstellung, kann dies die Zerstörung der Dünndarmzotten zur Folge haben. Die beschädigte Dünndarmschleimhaut ist somit nicht mehr in der Lage, genügend Nährstoffe aufzunehmen, was zu Mangelerscheinungen und Unterernährung führt.

Häufige Symptome bei Zöliakie:

  • Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall
  • Übelkeit
  • Erschöpfung, Gewichts- und Kraftverlust
  • Vitamin- oder Mineralstoffmangel
  • Anämie (Rückgang der roten Blutkörperchen), Eisenmangel
  • Ausbleiben der Menstruation (Amenorrhö)
  • Wachstumsstörungen bei Kindern

Tests / Diagnose:

  • Bluttest auf spezielle Antikörper.
    Wenn dieser positiv ausfällt:
  • Dünndarmbiopsie (Untersuchung einer Gewebeprobe)

2. Was ist eine Weizenallergie?

Die Weizenallergie (auch genannt “Bäckerasthma” oder Rhinitis) ist eine sehr häufige Lebensmittelallergie. Es handelt sich dabei um eine echte allergische Erkrankung. Das bedeutet, die allergische Reaktion wird durch die Nahrungsaufnahme ausgelöst, nicht etwa durch das Einatmen von Weizenpollen. Bei einer Weizenallergie kommt es zur Bildung spezifischer Immunglobulin-E-Antikörper oder T-Lymphozyten, die sich gegen bestimmte Allergene im Weizen richten. Je nach Allergen und Immunmechanismus unterscheidet man verschiedene Formen der Weizenallergie.

Häufige Symptome der Weizenallergie:

  • Kopfschmerzen
  • Erbrechen, Übelkeit
  • Atemnot, Benommenheit
  • Kribbeln oder Schwellungen im Mund- und Rachenraum
  • Quaddeln oder Juckreiz am Körper
  • Magen-Darm-Probleme, Darmerkrankungen
  • Abgeschlagenheit, Müdigkeit
  • Bronchitis, Asthma
  • Herzstörungen ohne Organbefund
  • Bluthochdruck ohne Befund
  • chronische Beschwerden aller Art ohne medizinischen Befund

Tests / Diagnose:

  • Spezifische allergologische Tests (IgG-Tests)
  • Die zuverlässigste Diagnose erhält man mit Hilfe einer diagnostischen weizenfreien Diät mit anschließender oraler Weizenprovokation in einer Klinik.

3. Was ist Glutensensitivität?

Neben Zöliakie und Weizenallergie gibt es noch eine weitere Form der Gluten-Unverträglichkeit, und zwar die Glutensensitivität (GS). Die Symptome sind ähnlich wie bei Zöliakie und treten meist nach dem Verzehr von Gluten auf. Eine konkrete Diagnosestellung wie bei Zöliakie ist bislang nicht möglich, Zöliakie und Weizenallergie müssen jedoch zunächst ausgeschlossen werden. Die Vermeidung von glutenhaltigen Nahrungsmitteln führt jedoch in kürzester Zeit zur Besserung der Symptome.

Häufige Symptome bei Glutensensitivität:

  • Bauchschmerzen, Blähungen
  • Ekzeme, Hautausschlag
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit
  • Migräne
  • Geistige Verwirrtheit
  • Durchfall, Verstopfung (Obstipation)
  • Depression, Stimmungsschwankungen
  • Anämie (Rückgang der roten Blutkörperchen)
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Taubheitsgefühl an Händen und Beinen, Schmerzen in den Gliedmaßen, Sodbrennen, Übelkeit und Erbrechen
  • Rumoren im Darm

Tests / Diagnose:

    • Ausschluss einer Zöliakie
    • Ausschluss einer Weizenallergie
    • Ansprechen auf glutenfreie Ernährung
      Bisher gibt es kein Diagnoseverfahren mit dessen Hilfe Glutensensitivität festgestellt werden kann. So kann GS aktuell nur durch eine sogenannte Ausschlussdiagnose festgestellt werden. Wichtig für die korrekte Diagnose ist vor allem, dass zunächst sowohl Zöliakie als auch Weizenallergie mit den bekannten diagnostischen Methoden ausgeschlossen werden. Sodann beginnt die Phase einer glutenfreien Ernährung – zeigt sich daraufhin eine deutliche Besserung der Symptome, kann von einer Glutensensitivität ausgegangen werden.

Glutenfreie Ernährung – Was darf man noch essen?

Ohne Risiko kann Obst und Gemüse verzehrt werden. Genauso sind Fleisch, Fisch, Milch und alle daraus zubereiteten Produkte, Hülsenfrüchte sowie Öle und Fette glutenfrei. Und die Liste an glutenfreien Alternativen zu Weizen & Co. ist äußerst lang – dazu zählen z.B. Reis, Kartoffeln, Buchweizen, Hirse, Mais, Amaranth und Quinoa, um nur ein paar zu nennen. Eine ausführlichere Auflistung an glutenfreien Sorten und Mehlen finden Sie hier:

Übersicht glutenfreie Mehle

Es gibt also viele Alternativen, mit welchen man sehr gut glutenfrei Kochen und Backen kann. Zum Glück bieten auch immer mehr Hersteller, wie zum Beispiel Dr. Schär eine große Palette an glutenfreien Produkten wie glutenfreies Brot, GF Mehle & Backmischungen, glutenfreie Nudeln, Knabbereien und vieles mehr an.

Gluten-Diät zum Abnehmen?

Wenn man sich sämtliche oben aufgeführte Informationen zu Gluten-Unverträglichkeit samt Beschwerden durchliest, denkt man eigentlich als Letztes an eine Diät. Gluten ist vor allem ein Thema für Menschen, die das Klebereiweiß nicht vertragen. Für die Betroffenen handelt es sich um eine Erkrankung, die das Wohlbefinden und das tägliche Leben einschränken. Heutzutage gibt es jedoch viele glutenfreie Alternativen, weswegen sich immer weniger Einschränkungen für den Alltag ergeben.

Generell gesehen schadet eine glutenfreie Diät sicherlich nicht. Erfahrungsgemäß werden mehr frische und natürliche Lebensmittel verwendet und wird auch viel mehr selber gekocht und gebacken. Dies alles sind Punkte die bei einer ausgewogenen Ernährung empfohlen werden. Aber nur noch glutenfrei zu essen und nur noch spezielle glutenfreie Produkte zu kaufen obwohl man an keiner Glutenunverträglichkeit leidet macht einfach keinen Sinn. Aber es freut die Hersteller, die auf diesen Trend mit erhöhter Produktauswahl und satten Preisen reagieren. Außerdem sorgt eine glutenfreie Ernährung nicht automatisch den gewünschten Effekt von Gewichtsabnahme und sonstigen Verbesserungen. Gerade die Gewichtsreduktion hängt von einer insgesamt bewussteren Lebensweise mit gesunder Ernährung und Bewegung zusammen. Wenig Fast Food, wenig Fertigprodukte, wenig ungesunde Fette und statt dessen frische, natürliche Lebensmittel – das wird von jedem Ernährungsberater empfohlen.

Eine glutenfreie Diät ist daher sicherlich keine Wunder-Diät, die zum Abnehmen entwickelt wurde, sondern vielmehr eine konsequente Umstellung der Essgewohnheiten, um gesundheitlichen Beschwerden vorzubeugen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass eine glutenfreie Ernährung kein Honigschlecken ist. Diese Diät dient in erster Linie dazu die zum Teil gravierenden Symptome zu verhindern bzw. zu verringern und einer gesundheitlichen Verschlechterung entgegen zu wirken.

Aber dieser Trend hat auch sein Gutes – es wird viel mehr über Gluten-Unverträglichkeit berichtet und informiert. Dank solcher Hypes steigt auch die Nachfrage nach glutenfreien Produkten und mit dieser Zugleich deren Produktion. Es ist noch gar nicht so lange her, da gab es glutenfreie Lebensmittel nur in speziellen Fachmärkten. Schon jetzt gibt es bereits eine große und vielfältige Produktauswahl in vielen Supermärkten und diese Tendenz wird vermutlich noch weiter steigen.

Weitere hilfreiche Informationen finden Sie zum Beispiel hier:

Info: Die glutenfreie Woche entstand mit freundlicher Unterstützung von Dr. Schär.