Eine Buchhandlung und die Longlist

Im Feuilleton und in den literarischen Blogs werden sie intensiv diskutiert und rezensiert – die 20 Titel der Longlist des Deutschen Buchpreises. Doch was bedeutet das Bekanntwerden der Longlist eigentlich für eine Buchhandlung? Ich selbst lese in diesen Wochen möglichst viele der nominierten Titel. Nicht nur als Buchpreisbloggerin, sondern auch als Buchhändlerin. Jetzt bin ich irgendwie neugierig geworden, wie es anderen BuchändlerInnen mit der Longlist geht und habe Maria vom ocelot mal drei Fragen gestellt.

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Maria, ist denn die Longlist des Deutschen Buchpreises für Eure Buchhandlung von Relevanz? Habt Ihr einen Tisch zur Präsentation?

Maria: Bei ocelot ist die Bekanntgabe der Longlist des Deutschen Buchpreises und die Preisverleihung ein fester Termin im literarischen Jahr. So wie die Hotlist, die Verkündung des Friedenspreises und des Literaturnobelpreises oder der Indiebookday. 

Wir präsentieren die Bücher mit einem entsprechenden Schildchen gleich gegenüber der Eingangstür in unserem Regal „Populär – Neues und Geliebtes“. 

Kommen oft Kunden in den Laden und fragen nach den Leseproben oder direkt auch nach den Büchern der Longlist?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass unsere KundInnen frühestens mit Bekanntgabe der Shortlist, oft auch erst mit der Preisverleihung verstärktes Interesse für die Titel zeigen. Bis dahin scheint die Longlist eher branchenintern eine Bedeutung zu haben.

Die Leseproben, die ich für ein sehr gelungenes Marketinginstrument halte, werden in Kundengesprächen aber immer dankbar angenommen.

Hast du schon etwas gelesen von den 20 Titeln der Longlist und vielleicht sogar einen persönlichen Favoriten?

Keine/r meiner FavoritInnen hat es in diesem Jahr auf die Liste geschafft: Ich hätte Sylvie Schenk mit „Schnell, dein Leben“ gern darauf gesehen, noch lieber Shida Bazyars „Nachts ist es leise in Teheran“. Hans-Ulrich Treichels „Tagesanbruch“ und „Glückskind mit Vater“ von Christoph Hein haben mich so beeindruckt, dass ich Ihnen eine Nominierung gewünscht hätte. Auch mit Christian Kracht hatte ich fest gerechnet. Aber das ist ja das wirklich schöne am Deutschen Buchpreis: Titel kommen ins Gespräch, WEIL sie auf Listen sind oder eben, weil sie es unverständlicherweise NICHT sind. Zumindest können wir als BuchhändlerInnen mit diesem oder jenen Blick da ran gehen und empfehlen idealerweise doch ohnehin das, was uns literarisch überzeugt hat. So oder so erfüllt der Preis also für deutschsprachige Neuerscheinungen seinen Sinn. Ich freue mich aber für Dagmar Leupold und Peter Stamm und wäre sehr zufrieden, wenn eine/r von ihnen das Rennen macht.

Dann bist du sicher auch sehr gespannt, welche sechs Bücher es am 20.09. auf die Shortlist schaffen. Maria, vielen Dank für das Gespräch!

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